Mehr Mut!
Shownotes
Gib uns ein Feedback: info@blackbox-lernen.com
Folge uns auf Instagram und hinterlasse dort deine Nachricht: https://www.instagram.com/blackbox_lernen/
In dieser tiefgründigen Diskussion gehen David und Barbara der Frage nach, warum der Versuch, andere direkt zu motivieren, oft ins Leere führt. Da wir niemanden zwingen können, Lust auf ein Thema zu haben, müssen wir selbst als Magnet fungieren: Wer mit eigener Begeisterung vorangeht, erzeugt einen Sog, dem sich andere kaum entziehen können. Das Gespräch beleuchtet den enormen Druck, der auf allen Ebenen des Schulsystems lastet und oft schon vor der Geburt mit der Angst beginnt, das Kind könne später nicht „bestehen“. Diese Angst triggert Stresshormone, die entspanntes Lernen schlichtweg verhindern.
Ein Gegenmittel ist die bewusste Rhythmisierung durch Bewegung. David und Barbara kritisieren das Dogma des Stillsitzens, das dem natürlichen Bewegungsdrang von Kindern widerspricht. Bewegung muss dabei nicht laut oder chaotisch sein; schon kleine Veränderungen des Settings, wie ein Platzwechsel oder das Arbeiten im Stehen, verändern die Perspektive und lösen Blockaden. Der Raum wird dabei zum Partner: Ob „Bodenpräsentationen“ im Halbkreis oder das bewusste Nutzen der Raummitte als Bühne – eine flexible Gestaltung nimmt die Angst vor Kontrollverlust und schafft Klarheit.
Besonders intensiv widmet sich die Folge dem Thema Mut und Blamage. David ermutigt dazu, keine Chance zu verpassen, sich „leicht zu blamieren“, um die eigene Freiheit zurückzugewinnen und ein Vorbild für die Schüler zu sein.
Abschliessend blicken wir auf das Beispiel von Komikern, die durch die „Lust am Scheitern“ und gegenseitiges Aus-dem-Konzept-Bringen eine enorme Energie erzeugen. Diese Spielfreude ist auf den Unterricht übertragbar: Wer sich traut, den starren Rahmen des Lehrplans dort zu verlassen, wo es für die Klasse nötig ist, gewinnt einen tieferen Zugang zum Thema und zu den Lernenden. Denn Kinder und Erwachsene lernen am besten durch Imitation von Freude und lebendiger Präsenz.
Das neue Buch von Barbara Messer: Das Methodenbuch für ungewöhnliche Coachings, Trainings, Workshops und Seminare
Transkript anzeigen
00:00:01: Barbara Messer David, ich habe eine ganz zentrale Frage und ich denke, wir denken ähnlich, aber ich frage dich trotzdem.
00:00:09: Barbara Messer Wir befinden uns ja im Feld von Lehren und Lernen.
00:00:11: Barbara Messer Da sind Menschen, die sollen ja anderen Wissen beibringen.
00:00:15: Barbara Messer Die Frage, die ich habe, ist, kann man überhaupt jemand anderen motivieren?
00:00:20: Barbara Messer Kann ich einen Schüler, eine Schülerin motivieren, sich mit etwas zu beschäftigen, wo dieser überhaupt gar keine Lust zu hat?
00:00:28: David Sigos Kann ich Erwachsene zu einer Weiterbildung motivieren, die überhaupt keine Lust dazu haben?
00:00:33: David Sigos Das ist ja auch so eine häufige Frage, die ich mir natürlich stelle.
00:00:38: David Sigos Kurze Antwort, nein.
00:00:40: David Sigos Nein.
00:00:40: Barbara Messer Von mir auch.
00:00:41: Barbara Messer Ich denke auch, dass wir das nicht tun können.
00:00:43: Barbara Messer Und es ist gut, das Thema mal anzusprechen, weil wenn ich aufhöre, jemanden zu motivieren, kann ich ja das, diese Energie oder diesen Aufwand, den ich dort betreibe, für etwas nutzen, was viel mehr Sinn macht, nämlich zu locken.
00:00:56: Barbara Messer Ja.
00:00:57: David Sigos Ja, wir haben immer wieder so ähnliche Themen davon angesprochen.
00:01:01: David Sigos Ich habe immer gemerkt, wenn ich es attraktiv genug für mich mache, also wenn ich genug Lust auf die eigene Lektion bekomme, dann wirkt das auf die anderen positiv und die machen dann auch gerne mit.
00:01:14: David Sigos Ja.
00:01:15: Barbara Messer Ja, das ist so ein bisschen, oh, was die da hat, das will ich auch haben.
00:01:19: Barbara Messer Also ich will auch so vergnügt sein, ich will auch so positiv sein, ich will so angeregt sein.
00:01:26: Barbara Messer Ich denke, das ist mit das stärkste, wie so ein Magnet, ein ganz starker Magnet, der da läuft, ja.
00:01:32: David Sigos Ja, ich merke es immer wieder, wenn ich im Unterricht sitze, wie gelangweilt diese armen Kinder sind.
00:01:41: David Sigos Und ja, es ist so viel Druck im System.
00:01:45: David Sigos Bei uns in Schulen denke ich wirklich, Druck ist vorherrschend und für alle auf allen Ebenen.
00:01:51: David Sigos Die Eltern verspüren Druck.
00:01:53: Barbara Messer Vielen Dank.
00:01:53: David Sigos Von der Gesellschaft, wer das auch immer ist.
00:01:57: David Sigos Die Lehrpersonen spüren den Druck vom Lehrplan und von den Eltern.
00:02:02: David Sigos Schulleitung spürt von überall Druck, das sowieso.
00:02:05: David Sigos Und ja, die Kinder spüren natürlich am meisten Druck.
00:02:08: David Sigos Also bei denen landet natürlich dann schlussendlich alles.
00:02:12: David Sigos Die sind ja quasi wie zur Unterstin der Nahrungskette.
00:02:15: David Sigos Und ja, die bekommen wirklich viel Druck.
00:02:18: David Sigos Und das tut mir wirklich sehr leid.
00:02:21: Barbara Messer Ja, ja, der Druck ist ja, als Eltern haben wir doch Angst, dass das Kind später sich nicht gut ernähren kann, dass es keinen Studienplatz bekommt, dass es vielleicht überhaupt kein Abitur bekommt, dass es keine Lehre findet, also dass das Kind es nicht schafft, nach diesen Kriterien das Leben zu bewältigen.
00:02:38: Barbara Messer Und die Schule, die Noten sind doch ein Versuch, ein Kind auf die Welt, also lebensfähig zu machen.
00:02:45: Barbara Messer erwachsenenfähig.
00:02:46: Barbara Messer Und dieser Druck, der zieht sich durch alles durch, der wird ja auch schon von klein reingegeben.
00:02:51: Barbara Messer Wenn ich an so diese Elterngruppen denke, wo man mit dem frischen Neugeborenen, mit den Babys ist, ach, kann deiner schon laufen?
00:02:58: Barbara Messer Ach, er hat das erste Wort gesagt.
00:03:00: Barbara Messer Also da ist ja schon dieser Gedanke, ich muss mein Kind so viel fördern, wie es nur geht, damit es letztendlich in dieser Welt besteht.
00:03:09: Barbara Messer Ja.
00:03:09: David Sigos Mozartmusik im Bauch der Mutter, damit das Kind vor der Geburt schon intelligent wird.
00:03:16: David Sigos Ja.
00:03:16: Barbara Messer Genau, damit es schon vor der Geburt intelligent wird.
00:03:19: Barbara Messer Was für ein schöner Satz.
00:03:22: Barbara Messer Und Noten, der Druck eines guten Zeugnisses, nicht sitzen zu bleiben.
00:03:26: Barbara Messer Also ich weiß noch, wie der blaue Brief kam.
00:03:29: Barbara Messer Das hat bei mir eine Angst ausgelöst.
00:03:32: Barbara Messer Und so schnell wird Angst getriggert durch diesen Druck.
00:03:35: Barbara Messer Und wer Angst hat beim Lernen, der ist ja nicht mehr...
00:03:39: Barbara Messer Der ist ja durch die Angst, das ist ja im Gehirn auch, dass dann die Stresshormone hochgehen und dass wir nicht mehr entspannt lernen können.
00:03:47: Barbara Messer Also eigentlich ist es ein ganz fataler Teufelskreis, der da inszeniert wird, den wir aber aus meiner Erfahrung auch brechen können, indem wir den Schalter umlegen.
00:03:59: David Sigos Ja, für mich bedeutet eben der Schalter auch vom Druck hin zum Sog.
00:04:04: David Sigos Also wie schaffe ich es eben attraktiv zu sein oder attraktive Inhalte zu vermitteln, damit die Kinder das wirklich auch lernen wollen?
00:04:14: David Sigos Also
00:04:16: David Sigos Es gibt ja dieses berühmte Weg von und Hinzu.
00:04:19: David Sigos Also will ich von einem Schmerz weg oder will ich zum Freudvollen hin.
00:04:25: David Sigos Und das wäre natürlich schön, wenn das in den Schulen mehr passieren würde.
00:04:30: David Sigos Man merkt es ja, es ist ja immer wieder interessant.
00:04:35: David Sigos Kennst du diese Bücher, wo man da sein eigenes Profil reinschreiben kann?
00:04:42: David Sigos Also diese Erinnerungsbücher in den Schulen.
00:04:44: Barbara Messer Diese Poesiealben und Freundschaftsbücher, ja.
00:04:44: David Sigos Ja, ja.
00:04:47: David Sigos Und der Klassiker bei den Jungs ist ja Lieblingsfach, Pause und Sport.
00:04:57: David Sigos Bewegung und eben quasi der Freiraum, der wird geliebt.
00:05:01: David Sigos Und Projektunterricht, also wenn es mal...
00:05:05: David Sigos Nicht zu frei, also ich sehe auch schon eine Lähmung bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen, wenn es zu frei wird, also wenn der Rahmen nicht genug klar ist, dann verlieren sich viele.
00:05:18: David Sigos Aber wenn es einen guten Rahmen gibt, wo sich die Kinder orientieren können und sie sich dann innerhalb frei bewegen können, sei es gedanklich oder tatsächlich körperlich, dann motiviert es sie am meisten.
00:05:32: Barbara Messer Ja, weil sie eine Orientierung haben.
00:05:34: Barbara Messer Es wird meiner Meinung nach auch oft falsch verstanden, dass die Vorgabe eines Rahmens oder von Regeln als Unfreiheit definiert wird oder in Verbindung gebracht wird.
00:05:46: Barbara Messer Ich kenne aus meiner Theaterarbeit, dass wir teilweise sehr enge Vorgaben hatten und in diesen engen Vorgaben mussten wir etwas entdecken, sollten wir, durften wir etwas entdecken.
00:05:57: Barbara Messer Und das war für mich augenöffnend, dass ich dann eher in die Tiefe gehen kann.
00:06:02: David Sigos Mhm.
00:06:02: David Sigos Mhm.
00:06:02: David Sigos Mhm.
00:06:03: Barbara Messer Also weniger Möglichkeiten schafft aus meiner Erfahrung mehr Kreativität und Klarheit.
00:06:09: Barbara Messer Dann weiß das Kind, heute geht es im Großen und Ganzen um das Thema XY oder wenn ich an den Weiterbildungsbereich denke in den Unternehmen, heute beschäftigen wir uns mit dem Thema Konfliktlösung auf der mittleren Führungsebene.
00:06:23: Barbara Messer Dann wissen alle, okay, darum geht es.
00:06:25: Barbara Messer Es geht jetzt nicht um Schwimmen, es geht jetzt nicht um Pilze suchen, sondern heute geht es um Kommunikation.
00:06:30: Barbara Messer Und dann kann man sich ja auch
00:06:31: Barbara Messer von seiner eigenen Haltung, Intention, von den Interessen her darauf einrichten.
00:06:35: Barbara Messer Herzlichen Dank.
00:06:37: David Sigos Das hat ja viel mit der eigenen Haltung zu tun.
00:06:40: David Sigos Mir tut es immer weh, wenn ich in Gesprächen Sätze höre oder besser gesagt im Unterricht, du musst jetzt still sitzen.
00:06:50: David Sigos Du musst jetzt das machen.
00:06:53: David Sigos Innerlich frage ich mich immer so, nein, muss er das wirklich oder muss sie das wirklich machen?
00:07:00: David Sigos Nein, also warum muss es still sitzen?
00:07:04: David Sigos Es muss nicht still sitzen, wenn es ein Bedürfnis ist.
00:07:07: David Sigos Es gibt ja so eine Untersuchung, dass 5000 Armbewegungen pro Stunde hat ein siebenjähriges Kind.
00:07:17: David Sigos Das hat einfach einen Bewegungsdrang, das muss diese Bewegungen loswerden, weil sonst...
00:07:22: David Sigos Das ist wie ein Dampfkochtopf, der Druck steigt.
00:07:27: David Sigos Und ja, einfach diesen, ja, muss das Kind still sitzen im Kreis?
00:07:34: David Sigos Frau, was ist denn?
00:07:34: Barbara Messer Ja, oder darf es auch herumgehen oder darf es nesteln?
00:07:37: Barbara Messer Also darf es mit etwas sich beruhigen oder spielen?
00:07:40: Barbara Messer Ja, darf es einen Gegenstand halten?
00:07:41: Barbara Messer Also ich habe zum Beispiel oft gerne einen Stock in der Hand.
00:07:45: Barbara Messer Also ich habe auch gerne etwas in der Hand.
00:07:47: Barbara Messer Der Lehrer darf sich bewegen vorne.
00:07:49: Barbara Messer Der Lehrer darf an der Tafel was schreiben oder am Whiteboard.
00:07:53: Barbara Messer Der darf herumgehen, der darf aufzeigen und der Schüler muss still sitzen.
00:07:56: David Sigos Mm.
00:07:56: David Sigos Mm.
00:07:56: Barbara Messer Das ist kaum auszuhalten.
00:07:58: Barbara Messer Aber ich kann doch auch Kindern, also wenn ich jetzt mich in Kinder hineinversetze, dann brauchen die zumindest mal was,
00:08:04: Barbara Messer was sie spüren können.
00:08:05: Barbara Messer Ein Stein, ein Stock, also ich finde schönes Holz etwas Wundervolles oder ein
00:08:12: Barbara Messer Ein Stoff, also das Nesteln ist ja etwas.
00:08:16: Barbara Messer Mein Clownslehrer hat oft so schön gesagt, kommt mal ganz eng zusammen.
00:08:21: Barbara Messer Und dann nannte er das Gruveln oder so ähnlich.
00:08:23: Barbara Messer Dann haben wir die Schulter aneinander gerieben und auch ein bisschen an uns rumgezupft.
00:08:27: Barbara Messer Letztendlich ist das so wie Affen, die sich lausen.
00:08:29: David Sigos Mhm.
00:08:29: David Sigos Mhm.
00:08:30: Barbara Messer Die machen auch ständig etwas mit den Fingern.
00:08:32: Barbara Messer Die sind nah beieinander und stimulieren sich.
00:08:34: Barbara Messer Die geben sich das Gefühl, hey, ich bin da.
00:08:36: Barbara Messer Die spüren ihren Körper miteinander.
00:08:38: Barbara Messer Das kann ich doch in der Schule auch ermöglichen.
00:08:42: Barbara Messer In der Erwachsenenbildung weiß ich aus meiner Erfahrung, aus dem, was ich gelernt habe, wenn ich auch rhythmisiere, wenn ich immer wieder vorhersehbare Phasen von Aktivierung einbaue, die aber dem Thema dienen.
00:08:55: Barbara Messer Also was ja ein Klassiker ist, es wird
00:08:58: Barbara Messer Erstmal das übliche, Vorstellungsrunde, Erwartungsabfrage, dann wird der Ablauf vorgestellt.
00:09:02: Barbara Messer Das ist ja dann eh schon langweilig.
00:09:04: Barbara Messer Dann kommt die erste Inhaltspräsentation.
00:09:06: Barbara Messer Dann merke ich vorne, oh Gott, jetzt werden Sie müde, dann mache ich ein Spiel.
00:09:10: Barbara Messer Ein Spiel im Erwachsenenbereich ist komplett langweilig, wenn es sich nicht mit dem Thema auseinandersetzt.
00:09:15: Barbara Messer Und dann ist es so entfremdet, getrennt.
00:09:17: Barbara Messer Das eine ist, okay, jetzt ist es ernst, wir müssen uns mit dem Thema Konfliktlösung beschäftigen.
00:09:22: Barbara Messer Und dann kommt ein lustiges Spiel, wo sich Erwachsene fragen, warum mache ich dieses Spiel?
00:09:27: Barbara Messer Wenn aber die Bewegung eingebunden ist in eine sinnvolle Aufgabenstellung, wo ich mich bewege, dann ist es integriert und passt.
00:09:35: Barbara Messer Aber das muss ich einbauen.
00:09:37: Barbara Messer Ich muss als Lehrer einbauen, spätestens, jetzt mal ganz ehrlich, nach fünf oder zehn Minuten, dass jetzt was mit Bewegung passieren muss.
00:09:46: Barbara Messer Und Bewegung muss ja nicht laut sein.
00:09:48: David Sigos Mhm.
00:09:48: Barbara Messer Es reicht nur, komm, setzt euch um, sucht euch jemanden.
00:09:51: Barbara Messer Oder im Klassenraum zu zweit hin und her gehen.
00:09:54: Barbara Messer An der Wand langgehen, komm, wir drehen eine Runde.
00:09:57: Barbara Messer Wie oft sage ich, okay, wir stehen mal eben auf und räumen die Stühle um und machen weiter.
00:10:01: Barbara Messer Nach einer Minute ist das Setting geändert, der Raum ist anders genutzt, die Perspektive ist anders, jeder hat seinen Stuhl in die Hand genommen, wir sitzen woanders und schon ist es anders, schon habe ich mich bewegt.
00:10:12: Barbara Messer Es gibt so viele Möglichkeiten.
00:10:14: David Sigos Ich muss lachen, weil es gibt natürlich Schulzimmer, da wird einmal pro Jahr überhaupt die Sitzordnung geändert.
00:10:22: Barbara Messer Ja, schade, was man sich da nimmt.
00:10:26: David Sigos Und wenn ein Lehrer quasi wagt, mal die Tische auf die Seite zu schieben, an die Wand zu schieben und die Stühle auch, dieser Freiraum dann in der Mitte, das ist ja für viele kaum auszuhalten.
00:10:39: Barbara Messer Ja, und das ist die Frage, warum halten Sie das nicht aus?
00:10:44: David Sigos Mhm.
00:10:46: Barbara Messer Weil Sie vielleicht nicht wissen, was passiert.
00:10:48: Barbara Messer Was meinst du, warum halten Sie das nicht aus?
00:10:51: David Sigos Lass ich doch kurz mal überlegen.
00:10:55: David Sigos Es läuft nicht nach ihren Strukturen.
00:10:57: David Sigos Es ist für sie wahrscheinlich schwer nachvollziehbar, was kommt, diese Unsicherheit.
00:11:04: David Sigos Es ist natürlich einfacher, voraussehbar, wenn alle schön in der Bank sitzen.
00:11:11: David Sigos Dann sitzen die da, dann wird das Arbeitsblatt abgearbeitet.
00:11:15: David Sigos Es ist alles ziemlich klar, was passiert.
00:11:18: David Sigos Aber Freiräume merke ich, das macht vielen Angst.
00:11:22: David Sigos Das macht wirklich vielen Angst.
00:11:24: Barbara Messer Ja, es ist der Verlust von Kontrolle, weil sie nicht wissen, was dann passiert.
00:11:29: Barbara Messer Und vielleicht wissen sie nicht, wie sie damit dann umzugehen haben.
00:11:33: Barbara Messer Also sie wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen, entsprechend ihrer Rolle, ihres Rollenverständnisses, wenn herrliches Chaos entsteht.
00:11:42: Barbara Messer Also die Angst vor Kontrollverlust.
00:11:45: Barbara Messer Und das ist für mich das Magische dieser Kontrolle.
00:11:49: Barbara Messer Dieser Gedanke mit dem Raum, also dass der Raum ein ganz starker Partner ist.
00:11:54: Barbara Messer Da zitiere ich gerne Peter Brug mit dem leeren Raum.
00:11:58: Barbara Messer In dem Moment, wo ein Mensch im Raum ist und ein zweiter und der eine sich bewegt, beginnt schon Theater, weil der andere dem zugucken kann.
00:12:06: Barbara Messer Und wir füllen den Raum durch die Möbel.
00:12:09: Barbara Messer Alles hat eine Wirkung.
00:12:11: Barbara Messer Wir füllen den Raum mit den Menschen, die hineinkommen.
00:12:11: David Sigos Vielen Dank.
00:12:13: Barbara Messer Wenn eine...
00:12:14: Barbara Messer Wenn eine Klasse da ist oder auch bei mir ein Training, so und ein Mensch kommt später, er kommt zehn Minuten zu spät, schon hat er eine Aufmerksamkeit.
00:12:24: Barbara Messer Alleine dadurch, dass er bewusst oder man sieht ihn, wie er in den Raum geht.
00:12:28: Barbara Messer Man sieht, wie sich das verändert.
00:12:30: Barbara Messer Das heißt, wenn ich mir als Lehrperson vorstelle, dass der Raum überhaupt ganz wichtig ist, dann habe ich den Fokus auf dem Raum und der gibt mir in gewisser Weise einen sicheren Rahmen.
00:12:41: David Sigos Mhm.
00:12:41: David Sigos Mhm.
00:12:41: David Sigos Mhm.
00:12:42: Barbara Messer Ich weite praktisch meinen Blick und weiß, wir haben den Raum und in dem Raum haben wir alleine die Spielmöglichkeit der Möbel.
00:12:49: Barbara Messer Und wenn ich mir vorstelle, ich weise die Kinder an, ich bitte die Kinder an, lass uns doch bitte die Stühle umstellen und zwar in Zeitlupe.
00:12:59: Barbara Messer Was das plötzlich für eine Energie bringt, wenn Menschen sich in Zeitlupe bewegen oder macht es bitte so laut wie möglich, macht es so leise wie möglich, macht es so schnell wie möglich, so langsam wie möglich oder jetzt nur die Jungs, jetzt nur die Mädchen.
00:13:11: Barbara Messer Es ist nur alleine dieser Moment schon wieder spannend.
00:13:13: Barbara Messer Der Raum ist aufgeladen.
00:13:15: Barbara Messer Ich habe etwas gemacht, was Ihnen gut tut und dann kann ich in der Mitte des Raums doch etwas entstehen lassen.
00:13:21: Barbara Messer Deswegen sind solche Methoden wie die Bodenpräsentation absolut super.
00:13:25: Barbara Messer Die Kinder sitzen im Kreis, was ja in der Weiterbildung normal ist mittlerweile, der Stuhlkreis, und in der Mitte wird das Thema ausgerollt.
00:13:34: Barbara Messer Da kommt das, was ich vorstellen will, mit Papieren hin, mit Schaubildern, mit Symbolen und plötzlich ist die Kreismitte gefüllt mit dem, was ich in den Raum bringen will.
00:13:44: Barbara Messer Dann brauche ich als Lehrer keine Angst zu haben, sondern ich weiß, ich fülle den Raum.
00:13:49: Barbara Messer Aber das ist eine Bewusstseinsfrage.
00:13:49: David Sigos zwingst du die Erwachsenen bei dir auch extra in Bewegung, weil wenn du einen Flipchart mit Text drauf oder mit Stichworten drauf auslegst, dann ist es ja für einen Teil der Gruppe auf dem Kopf.
00:14:06: Barbara Messer Achso, nein, nein, das ist dann fast schon ein Halbkreis und das ist auch kein Flipchart, sondern es sind zum Beispiel große Papierbögen oder Kaperplatten, auf denen der Inhalt steht.
00:14:18: Barbara Messer Also praktisch ist die Kreismitte die Bühne und ich habe meine Inhalte wohl sortiert aufgeschrieben auf einer Präsentationsfläche auf vielen.
00:14:27: Barbara Messer Und die halte ich kurz hoch und lege sie dann so hin, dass sie die natürlich so lesen können, wie es am leichtesten ist.
00:14:33: David Sigos Okay.
00:14:34: Barbara Messer Deswegen geht es nicht im kompletten Kreis, sondern ich muss den Kreis dann ein bisschen auflösen, dass es fast ein Halbkreis ist.
00:14:41: Barbara Messer Und dann kann ich aber auch Stuhlreihen hintereinander machen, also zwei- oder dreireihig arbeiten.
00:14:47: Barbara Messer Aber das Schöne ist, dass dann in dieser Mitte der Inhalt liegt.
00:14:51: Barbara Messer Ja.
00:14:53: David Sigos Was mir da immer in den Sinn kommt, ist das Stichwort Mut.
00:14:56: David Sigos Also ich würde gerne mal auch über Mut sprechen, weil interessanterweise im Jahr 2025 wurde immer wieder im schulischen Kontext Mut erwähnt, sogar von unserer obersten Chefin im Kanton Zürich, der Bildungsdirektor.
00:15:11: David Sigos Direktorin, Frau Dr. Silvia Steiner, die hat das wirklich mehrfach immer wieder erwähnt, seid mutig.
00:15:20: Barbara Messer Vielen Dank.
00:15:22: David Sigos Nutzt bitte den kompletten Rahmen.
00:15:25: David Sigos Bewegt euch in diesem Rahmen.
00:15:27: David Sigos Und Mut merke ich, das ist schon etwas, das mir fehlt.
00:15:34: David Sigos Ich bringe ja immer wieder so Beispiele aus der Praxis, nur schon mal den Mut zu haben, diesen
00:15:42: David Sigos der ja mehr so eine Richtschnur ist als der heilige Gral, einfach mal die Richtschnur auch ein paar Zentimeter weiter zu verlassen, einfach weil es nötig wäre mit der Klasse, weil jetzt ein normales, was auch immer das ist, Lernen nicht möglich ist.
00:16:00: David Sigos Also der sogenannte Stoff wird ja dann nicht durchgebracht.
00:16:06: David Sigos Und viele versuchen dann verzweifelt an diesem Stoff hängen zu bleiben und diesen durchzuboxen, durchzujagen, bis hin dann in der Primarstufe mit, ja, aber wenn ich keine Hausaufgaben mehr geben kann, wie bringe ich dann meinen Stoff durch?
00:16:24: David Sigos Solche Geschichten habe ich schon wirklich gehört.
00:16:28: David Sigos Eben Mut, Mut.
00:16:31: David Sigos wie können wir vorleben, das ist ja eben das, was ich auch gesagt habe, wie leben wir Mut vor oder wie kannst du mir zum Beispiel sagen, ja, mach mal das oder ändere das, damit du mehr Mut kriegst.
00:16:48: Barbara Messer Ja, Mut ist ein absolut spannendes Thema, weil was ist auf der anderen Seite des Mutes?
00:16:54: Barbara Messer Der Unmut, die Anmut oder auch die Angst.
00:16:57: David Sigos Angst, ja.
00:16:57: Barbara Messer Also ich habe Angst, mich zu blamieren.
00:17:01: Barbara Messer Ich habe Angst vor einer inneren Leere.
00:17:03: Barbara Messer Ich habe Angst davor, dass ich nicht weiß, was ich denn da eigentlich mache.
00:17:07: Barbara Messer Also die tiefe Unsicherheit über mein Verhalten, welche Möglichkeiten ich habe.
00:17:13: Barbara Messer Wenn ich mir aber die Frage stelle,
00:17:15: Barbara Messer Wofür ist dieser Mut jetzt so wichtig, weil ich damit die Lernziele besser erreichen lasse?
00:17:22: Barbara Messer Ich erlaube einen tieferen Einstieg ins Thema oder ich erlaube einen tieferen Zugang zum Thema.
00:17:29: Barbara Messer Es geht ja nicht darum, irgendwas zu machen, was jetzt gar nicht sinnvoll ist, sondern...
00:17:33: David Sigos Mhm.
00:17:34: Barbara Messer Wenn ich Sorge habe als Lehrperson, dass der Inhalt nicht ausreichend bearbeitet wird und ich das dann über Hausaufgaben transportiere, dann habe ich ja einen Fehler gemacht oder dann habe ich ja eine Möglichkeit übersehen, nämlich was könnte ich denn jetzt noch machen, um dieses Thema noch erfahrbarer zu machen.
00:17:52: Barbara Messer Und dafür braucht es Mut.
00:17:54: Barbara Messer Das sind die unkonventionellen Lösungen.
00:17:56: Barbara Messer Die Sicherheit gibt es meiner Meinung nach, indem ich gnadenlos über die Lernziele nachdenke.
00:18:02: Barbara Messer Okay, was könnte ich noch tun, damit die Kinder dieses Thema noch besser erfahren dürfen?
00:18:09: Barbara Messer Also muss ich etwas Neues ausprobieren.
00:18:11: Barbara Messer Oh ne, das hat auch noch nicht probiert.
00:18:13: Barbara Messer Also funktioniert.
00:18:14: Barbara Messer Ich muss noch mal was anderes machen.
00:18:17: Barbara Messer Es gibt eine Kollegin, die spricht vom Mutmuskel.
00:18:20: Barbara Messer Also ich kann meinen eigenen Mutmuskel trainieren und da fange ich doch im Alltag schon mal an.
00:18:27: Barbara Messer Ich kann doch auch nicht ein sehr sicherheitsorientierter Mensch sein, der bis auf den Unterricht unmutig ist und dann plötzlich meint, mutig zu werden.
00:18:34: Barbara Messer Das ist eine Haltung dem Leben gegenüber, die Neugier hilft, einem den Mut zu entdecken.
00:18:41: David Sigos Mhm.
00:18:41: David Sigos Mhm.
00:18:42: Barbara Messer Und
00:18:42: Barbara Messer Ich möchte das Beispiel bringen, was ich vor zwei Tagen erlebt habe, als ich mit meinem Partner hier beim Bäcker war, weil das ist für mich hinterhermerklich, genau darum geht es.
00:18:53: Barbara Messer Das ist eine so einfache Alltagsschulung.
00:18:56: Barbara Messer So wie andere sagen, ich meditiere morgens, gibt es auch Alltagsschulungen, um den Mut zu stärken.
00:19:01: Barbara Messer Wir waren hier bei einem Bäcker und sind durch die eine Eingangstür reingegangen, die muss man von Hand aufmachen.
00:19:08: Barbara Messer Dann haben wir dann Kaffee getrunken und einen Kuchen gegessen und sind wieder raus durch die andere Tür, die nämlich automatisch aufgeht.
00:19:14: Barbara Messer Und es hat so viel Spaß gemacht, in der einen Tür reingehen, durch die andere raus, dass wir das noch dreimal wiederholt haben.
00:19:20: Barbara Messer Wir sind einfach reingegangen und durch die andere Tür raus.
00:19:24: Barbara Messer Da könnte man sich fragen, was denken denn die Leute über zwei 60-Jährige, die einfach sowas Spielerisches machen?
00:19:27: David Sigos Mhm.
00:19:27: David Sigos Mhm.
00:19:27: David Sigos Mhm.
00:19:36: Barbara Messer Dieser Gedanke, was denken denn die Leute, das ist für mich die Bremse für ganz viele, die Angst haben, sich zu blamieren.
00:19:45: Barbara Messer Für mich ist das, ich mache meinen Alltag voll mit Freude, wo immer es geht.
00:19:49: Barbara Messer Gerade in den Alltagshandlungen, dass ich sie freudvoll gestalte.
00:19:53: Barbara Messer Damit mache ich mich auch unabhängig von Stimulanzen wie Pseudoaktivitäten oder irgendwelche Computerspiele oder so etwas, weil das ist für mich keine Freude.
00:20:02: Barbara Messer Die Freude ist...
00:20:04: Barbara Messer in einer Alltagshandlung etwas Schönes zu finden.
00:20:06: Barbara Messer Was kann ich heute meinem Spülen anderes entdecken?
00:20:09: Barbara Messer Und es ist immer wieder diese Frage.
00:20:11: Barbara Messer Und wenn ich aufhöre, mir Gedanken zu machen, was die Leute über mich denken, ich möchte in ihre Grenzen nicht verletzen und nicht übergriffig werden und ihnen keinen Schmerz zu fügen, aber ich darf mir erlauben, solche Dinge zu machen.
00:20:24: David Sigos Ich hatte mal einen Kollegen, der hat das noch treffend formuliert, verpasse keine Chance, dich leicht zu blamieren.
00:20:33: Barbara Messer Wunderschön.
00:20:33: Barbara Messer Ja.
00:20:34: David Sigos Und das habe ich mir auch ein bisschen verinnerlicht.
00:20:38: David Sigos Und ein anderer Lehrer, der
00:20:40: David Sigos war eben auch ein bisschen mit dem Zirkus tätig, also hat Zirkuskinder unterrichtet und hat dort viel mitgenommen und wenn es um, ich komme ja auf unsere erste Begegnung schon wieder zurück, weil
00:20:57: David Sigos Der hat immer sofort aufgestreckt, wenn es so die Situation gab, ja, ich brauche einen Freiwilligen oder einen Freiwilliger.
00:21:06: David Sigos Wer kommt bitte nach vorne?
00:21:08: David Sigos Und ich meine, das ist meistens eine Gruppe, die kennen sich ja ziemlich gut.
00:21:13: David Sigos Also da gibt es ja nicht viel zu blamieren oder vielleicht ja eben genau doch...
00:21:17: Barbara Messer Ja.
00:21:19: David Sigos steigt ja der Druck und der hat immer die Chance genutzt und kaum wurde die Frage geschätzt, zack, war da seine Hand oben und kam nach vorne und hat mitgemacht und das habe ich ein bisschen übernommen, weil ja, ich mache ja das ab und zu ja auch und dann wird es natürlich extrem schwierig, wenn alle sich da rumdrücken und plötzlich da
00:21:42: David Sigos Löcher in die Luft starren und so weiter.
00:21:44: David Sigos Darum habe ich auch gedacht, ach komm, das ist doch eine gute Gelegenheit bei dieser fremden Person, der Barbara vorne, sich zu blamieren.
00:21:53: David Sigos Das lasse ich doch jetzt einfach mal nicht aus.
00:21:58: Barbara Messer Vielen Dank.
00:21:59: David Sigos Ich war wirklich nervös, ich weiss nicht, ob du es gemerkt hattest, ich war auch ein bisschen blockiert.
00:22:04: David Sigos Darum habe ich unbewusst, glaube ich, ein bisschen deine TV-Show dort ein bisschen sabotiert.
00:22:10: David Sigos Das war keine Absicht, Entschuldigung, an dieser Stelle.
00:22:14: David Sigos Ja, aber eben diesen Mut überwinden und mal schauen, was passiert, wenn ich mich blamiere.
00:22:21: David Sigos Ja, und ja, also wie hast du mich dort erlebt?
00:22:26: David Sigos Ja.
00:22:27: Barbara Messer Ich weiß das nicht mehr ganz genau, aber ich habe schon wahrgenommen, dass eine leichte Hemmung da ist, die aber ja auch normal ist, weil es ist eine sehr exponierte Situation.
00:22:28: David Sigos Mhm.
00:22:36: David Sigos Mmh.
00:22:36: David Sigos Mmh.
00:22:37: Barbara Messer Und ich versuche ja bei jeder TV-Show, wenn ich meinen Überraschungsgast einlade, die mache ich ja nun auch schon seit Jahren oder ich möchte sagen seit Jahrzehnten,
00:22:46: Barbara Messer Ich versuche, so viel wie möglich einzuladen, dass nichts Schlimmes passiert.
00:22:54: Barbara Messer Es ist wichtig, dass man hier ist, man kann hier etwas sagen oder eine Frage stellen, also dass das absehbar ist, wie groß dieser Überraschungsmoment ist, also dass die Blamage klein gehalten ist und
00:23:06: Barbara Messer Dabei blamiere ich mich, wenn man die Konnotation Blamage hat, ja selbst.
00:23:11: David Sigos Mhm.
00:23:11: Barbara Messer Ich habe die nicht, weil ich sage auch nicht, ich mache mich zum Affen, auch das sage ich nicht.
00:23:17: Barbara Messer Das ist auch schon wieder eine Bewertung, was ist denn, für mich sind Affen sehr weise Tiere.
00:23:23: Barbara Messer Aber ich spiele im Ungewissen.
00:23:25: Barbara Messer Es ist die Improvisation.
00:23:27: Barbara Messer Der Gedanke ist eine Improvisation.
00:23:29: Barbara Messer Und da geht es darum, was Neues auszuloten, was Neues zu erkennen.
00:23:34: Barbara Messer Und wenn ich die Frage habe, ich blamiere mich, dann gibt es ja Verhalten, wo ich sage, okay, da blamiere ich mich nicht und da blamiere ich.
00:23:40: Barbara Messer Also ich lade mich selbst zum Werten ein.
00:23:43: Barbara Messer Und das würde ich versuchen zu vermeiden.
00:23:45: David Sigos Mm.
00:23:45: David Sigos Mm.
00:23:45: David Sigos Mm.
00:23:45: Barbara Messer Okay, ich probiere aus.
00:23:47: Barbara Messer Was gibt es zu entdecken?
00:23:49: Barbara Messer Und ich lege natürlich als Lehrperson, habe ich für mich das Verständnis, ich erlaube, dass man Dinge tut, die man sonst nicht tut.
00:23:58: Barbara Messer Das heißt, Schule könnte ein komplett neuer Erfahrungsraum sein, wo ich etwas lerne, was im Alltag gar nicht da ist, weil diese Bewertungen weg sind, zumindest minutenweise, ja.
00:24:09: Barbara Messer Weil es der Rahmen ist, okay, jetzt machen wir ein Quiz, jetzt machen wir eine TV-Show, jetzt sitzen wir in der Kreismitte, jetzt machen wir alle die Augen zu, weil ich eine Geschichte vorlese.
00:24:20: Barbara Messer Es passiert nichts, wenn du die Augen zu hast.
00:24:22: Barbara Messer Also es sind ja ganz viele kleine Möglichkeiten, etwas immer wieder intensiv zu gestalten.
00:24:27: Barbara Messer Das Sinnesspezifische ist ja auch wichtig, dass die Eindrücke unterschiedlich sind.
00:24:32: Barbara Messer Das heißt, die erfahren ja immer wieder etwas Neues.
00:24:35: Barbara Messer Es liegt aber an mir, dass ich es immer wieder so aufbereite, dass ich mich selbst challenge letztendlich als Lehrperson, damit im Raum ist, okay, das ist erlaubt.
00:24:41: David Sigos Mhm.
00:24:46: Barbara Messer Also wenn ich die ermutigen will, muss ich selber mutig sein.
00:24:50: Barbara Messer Und Mut hat für mich mit Sicherheit zu tun.
00:24:52: Barbara Messer Und die Sicherheit ist die bestmögliche Erreichung der Lernziele.
00:24:56: Barbara Messer Und dafür Einsatz zu bringen, ist ein Gebot sozusagen.
00:25:02: David Sigos Ja, und eben dieses Mut, also ich plädiere auch immer für Mut.
00:25:06: David Sigos Einfach mal, lass mal den Lehrplan weg, wenn es eine schwierige Klasse ist und schau mal, was passiert.
00:25:13: David Sigos Also eine Kollegin von mir, die Karin Abderhalden von der Grundacher Schule ist, eine Privatschule,
00:25:24: David Sigos die hat mal das so formuliert, sie lotet die Grenzen so aus und ihr Motto ist dabei, einfach nicht ins Gefängnis.
00:25:32: David Sigos Und das ist ihr Rahmen.
00:25:34: David Sigos Also so weit gehen, also die Limite für sie ist quasi, die Grenze ist, etwas machen und dann müsste sie ins Gefängnis.
00:25:44: David Sigos Das geht nicht.
00:25:46: David Sigos Aber
00:25:46: Barbara Messer Ja, ok.
00:25:46: Barbara Messer Ja.
00:25:47: David Sigos Und wenn du diesen Rahmen hast, der ist natürlich weit, der ist richtig weit.
00:25:52: David Sigos Wir reden jetzt nur mal vom schulischen Kontext, wir reden da nicht vom Diebstahl oder Gewalt oder sonst was.
00:25:58: David Sigos Einfach nur mal, in welchen Situationen müsste ich als Schulleiter jetzt ins Gefängnis,
00:26:06: David Sigos Was müsste ich machen, jetzt eben ohne Gewalt, Delikte und so weiter?
00:26:11: David Sigos Was müsste ich machen?
00:26:12: David Sigos Es gibt nichts.
00:26:15: David Sigos Das ist ja eben der Punkt.
00:26:17: David Sigos Das höchste der Gefühle ist, dass das Volksschulamt, die Bildungsdirektion kommt und verwarnt mich für mein Fehlverhalten oder für etwas, was ich eben nicht gemacht habe, weil ich mich nicht...
00:26:27: Barbara Messer Ja.
00:26:32: David Sigos an den Lehrplan halte oder zu wenig an den Lehrplan halte im Allgemeinen.
00:26:36: David Sigos Also es passiert ja nichts.
00:26:40: David Sigos Das ist ja der Witz.
00:26:42: Barbara Messer Ja, was soll man denn Schlimmes machen?
00:26:46: Barbara Messer Wie heißt dieser Film mit Robin Williams, wo er auf diesem Tisch steht?
00:26:51: Barbara Messer Ich habe jetzt den Namen nicht präsent.
00:26:52: David Sigos The Poets Society.
00:26:54: Barbara Messer Ja, der Club der Totendichte.
00:26:54: David Sigos Der Club der Toten Dichter, ja.
00:26:56: Barbara Messer Er stellt sich lediglich auf einen Tisch.
00:26:58: Barbara Messer Was soll denn daran passieren?
00:26:59: Barbara Messer Warum kann ich mich nicht auf einen Stuhl stellen, auf einen Tisch und dort den wichtigsten Satz sagen?
00:27:04: Barbara Messer Oder ich sage es ja manchmal auch unter dem Tisch.
00:27:06: Barbara Messer Ich setze mich unter den Tisch für eine der wichtigsten Botschaften.
00:27:09: Barbara Messer Was soll denn da passieren?
00:27:11: Barbara Messer Außer, dass sie das nachmachen.
00:27:12: Barbara Messer Und dann kann ich eben auch, na gut, dann habe ich mit Sicherheit und das kann ich ja nochmal evaluieren, was da wirklich erlaubt ist oder nicht.
00:27:20: Barbara Messer Aber da passiert ja nichts an Blöße geben.
00:27:23: Barbara Messer Und das ist das.
00:27:23: Barbara Messer Ich glaube, dass viele Lehrer Angst haben, sich eine Blöße zu geben.
00:27:26: Barbara Messer Da können vermutlich viele Lehrer von Weiterbildnern lernen, die
00:27:31: Barbara Messer natürlich auch nochmal andere Lehrer hatten, die haben nicht unbedingt ein Lehramtsstudium hinter sich, sondern drei, vier Trainerausbildungen und das und das und noch ein Intensiv-Workshop-Schauspiel, Improvisation oder Klauen.
00:27:42: Barbara Messer Da lernst du ja nochmal ganz andere Sachen als im Lehramtsstudium.
00:27:45: Barbara Messer Das heißt, man könnte sich vielleicht auch von einer Trainerpersönlichkeit was abgucken, die frei ist, die
00:27:51: Barbara Messer auch kämpft um Aufträge.
00:27:53: Barbara Messer Das heißt, sie muss ihren USP herausarbeiten, sie muss überzeugen, sie muss gewinnen können, sie braucht gute Feedbacks, gute Nachweise sozusagen.
00:28:04: Barbara Messer Aber da kann man abgucken, okay, wenn der das macht, wenn die das macht, warum kann ich das nicht auch?
00:28:07: David Sigos Mhm.
00:28:11: Barbara Messer Also wenn man mutig ist, also mich stattet das immer wieder aus, wenn ich überlege, wie kann ich das noch tiefer erfahrbar machen?
00:28:21: Barbara Messer Welchen Einsatz habe ich zu bringen?
00:28:23: Barbara Messer Welchen kann ich bringen?
00:28:24: Barbara Messer Welche Möglichkeiten habe ich als Lehrperson, um das Thema aufzuschließen, um
00:28:29: Barbara Messer Und wenn ich das nicht tue, dann vermeide ich ja sogar etwas.
00:28:33: Barbara Messer Also wenn ich mein Potenzial, meine Fähigkeiten, meine Gaben nicht zur Verfügung stelle, nicht in Gänze, dann ist das ja, also ich nehme etwas.
00:28:45: Barbara Messer Ich nehme die Chance, es noch tiefer zu erfahren.
00:28:50: Barbara Messer Ja.
00:28:51: David Sigos Mehr Mut, das wäre so mein Fazit.
00:28:52: Barbara Messer Mehr Mut.
00:28:54: David Sigos Eben auch in den Alltag einbringen, also Mut zeigen, dass man die Rolltreppe mal die andere Richtung hochläuft oder runtergeht, wie so ein kleines Kind.
00:29:09: David Sigos Mich kommt da Divertimento in den Sinn, das ist in der Schweiz sehr bekannt, also in der deutschsprachigen Schweiz.
00:29:14: David Sigos Das sind zwei Komiker oder Comedian, die machen da wirklich Shows.
00:29:18: David Sigos Und ja, ich versuche den Podcast zu verlinken, diese Folge am Schweizer Radio.
00:29:27: David Sigos Es kam ein Interview mit Jonny Fischer und der hat eigentlich genau das erzählt, was du jetzt da im ganz Kleinen gemacht hast.
00:29:34: David Sigos Also die hatten...
00:29:36: David Sigos Die übten, improvisierten auf der Strasse verrückte Szenen.
00:29:41: David Sigos Wirklich komplett verrückte.
00:29:44: David Sigos Die haben es mal so übertrieben, die haben einen Banküberfall in der Bank geschauspielert.
00:29:50: Barbara Messer Ja, glücklich, ja.
00:29:50: Barbara Messer Ja.
00:29:52: David Sigos Ich glaube, die Polizei kam oder so.
00:29:54: David Sigos Ich musste den Podcast mal wieder hören.
00:29:56: David Sigos Also die haben wirklich auch hemmungslos quasi sich losgestellt für unsere Normen und Augen auf der Strasse.
00:30:09: David Sigos Und er beschreibt auch, was für einen Spass die dabei hatten.
00:30:13: David Sigos Und
00:30:15: David Sigos Das merkst du jetzt auch in ihren Shows.
00:30:17: David Sigos Sie machen jetzt eine Abschiedstournee, sie hören danach auf mit den Programmen, aber da merkst du diese Lust am Scheitern, diese Lust am Ausprobieren und die challengen sich ja.
00:30:32: David Sigos Ich kann es mir eigentlich nur als sehr langweilig vorstellen, wenn du hunderte Mal das gleiche Programm, die gleichen Sätze, die gleichen Bewegungen machst.
00:30:45: David Sigos Das würde mich, glaube ich, durchdrehen.
00:30:47: David Sigos Das muss so langweilig sein.
00:30:50: David Sigos Diese Repetitionen öden mich sowieso an.
00:30:53: David Sigos Und die haben es eben auch ganz clever gelöst.
00:30:57: David Sigos Sie versuchen sich gegenseitig mindestens einmal in der Show aus dem Konzept zu bringen.
00:31:02: Barbara Messer Absolut genial.
00:31:02: Barbara Messer Ja.
00:31:03: Barbara Messer Ja.
00:31:04: David Sigos Und als Zuschauer weisst du das?
00:31:07: David Sigos Nein.
00:31:09: David Sigos Und du wartest auch auf diesen Moment, wenn sie es schaffen, eben den anderen aus der, ja, meistens einer fällt aus der Rolle.
00:31:17: David Sigos Und dann lachen die sich schlapp auf der Bühne und das ganze Publikum lacht sich schlapp mit ihnen, weil sie jetzt eben merken so, ja, und dann sagt er, ja, du Arsch.
00:31:27: David Sigos Und das war dann definitiv nicht im Text.
00:31:30: David Sigos Also das war dann wirklich so quasi die Auszeichnung, ich habe es geschafft.
00:31:35: Barbara Messer Ja, Theater ist für mich sowieso die Quelle.
00:31:39: Barbara Messer Also wir haben schon mit 20 sind wir durch Kaufhäuser gerannt, zu zweit, zu dritt und haben geschrieben, haltet den Dieb und sind weitergelaufen.
00:31:46: David Sigos Genau.
00:31:47: Barbara Messer Und das macht mutig.
00:31:49: Barbara Messer Also man lernt, dass es funktioniert.
00:31:50: Barbara Messer Und ich habe ein Zitat jetzt hier nochmal, was für mich federführend ist, leitend von Anais Nin, die sagt nämlich …
00:31:59: Barbara Messer Das Leben schrumpft oder dehnt sich aus proportional zum eigenen Mut.
00:32:04: Barbara Messer Und das Zitat drückt für mich die Idee aus, dass Mut entscheidend ist für ein erfülltes Leben oder auch Lehren, indem man sich traut, wächst der eigene Lebensraum, indem man sich traut, wächst der eigene Lehrraum, indem man sich traut, wächst der tiefere Zugang zum Thema, während eben Angst das Leben einschränkt und Angst auch den Unterricht einschränkt.
00:32:25: Barbara Messer Wenn ich Angst habe, mich zu blamieren, dann schränke ich den Unterricht ein.
00:32:30: David Sigos Genau.
00:32:31: Barbara Messer Also Mut ist ganz zentral und ich empfehle jedem, sich im Alltag mit Mut auseinanderzusetzen und nicht im Unterricht, sondern ein Beispiel zu sein für Mut, weil die Kinder lernen oder auch die Erwachsenen lernen durch Imitationen.
00:32:46: Barbara Messer Und durch die Gewissheit, der oder die kann das und die sieht glücklich aus, ich will das auch haben.
00:32:54: Barbara Messer Und das ist für mich der Anfang der Schleife der Motivation.
00:32:58: Barbara Messer Wenn da jemand ist, der mit Freude, mit Begeisterung über ein Thema spricht, den ich jederzeit ansprechen kann, dem ich vertraue, dann habe ich Lust zu lernen.
00:33:08: David Sigos Genau.
00:33:08: David Sigos Dann machen wir einen mutigen Schlusspunkt.
00:33:11: Barbara Messer Einen mutigen Schlusspunkt.
00:33:11: David Sigos Danke Barbara, bis zum nächsten Mal.
00:33:13: Barbara Messer Bis zum nächsten Mal.
Neuer Kommentar