Ist neu wirklich besser?

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David und Barbara starten mit einer kritischen Betrachtung des Methoden-Hypes in Schulen und Trainings. Barbara nutzt das Bild des Schuhschranks: Wer ein neues Paar kauft, muss ein altes weggeben, um Platz für echte Reflexion zu schaffen. Sie diskutieren das Theseus-Paradoxon und die Frage, ob ein System nach dem Austausch aller Teile noch dasselbe ist. Ein zentrales Thema ist die Begeisterung: Nicht die Methode selbst ist der Kern, sondern die Haltung und die Lebendigkeit, mit der ein Inhalt vermittelt wird. Barbara berichtet von ihrer Zeit als Pflegetrainerin und wie sie durch die clowneske Sichtweise lernte, in der Wiederholung das Überraschende zu finden. David bringt Beispiele aus dem Schulalltag ein, etwa den Widerstand gegen den Verzicht auf Glockensignale oder die Debatte um die Handschrift bei Kindern. Es wird deutlich, dass das Neue oft Angst macht und Sicherheit durch das Bewährte geschaffen wird, während gleichzeitig die Neugier die eigene Lebendigkeit fördert. Zum Abschluss betonen beide die Wichtigkeit der Evaluation: Neue Ansätze müssen Zeit haben, um zu wirken und kritisch bewertet zu werden.

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00:00:00: Barbara Messer Ja, guten Morgen, David.

00:00:03: David Sigos Guten Morgen, wabra!

00:00:04: Barbara Messer Ich möchte mit dir mal über eine Sache sprechen, weil zu mir in meine Workshops oder auch in die Trainings kommen ja Menschen und die wollen etwas Neues, die wollen neue Methoden.

00:00:16: Barbara Messer Und wenn diese neuen Sachen oder neuen Methoden so heilsversprechend sind, ich frage mich immer, ist das Neue jetzt wirklich notwendig?

00:00:24: Barbara Messer Ist es gut?

00:00:26: Barbara Messer Was ist mit dem Bewährten und dem Bisherigen?

00:00:28: Barbara Messer Darüber möchte ich gerne mit dir sprechen.

00:00:30: David Sigos Das passt sehr gut.

00:00:31: David Sigos Ich kann dann sehr gerne auch mal einschränken.

00:00:34: David Sigos Bei uns in den Schulen ist natürlich Neuse oder Heilsbringer.

00:00:38: David Sigos Aber mach mal du.

00:00:41: Barbara Messer Ja, das ist so eine schöne Frage.

00:00:43: Barbara Messer Warum wollen Menschen was Neues?

00:00:45: Barbara Messer Also warum wollen sie eine neue Methode zum Beispiel, um etwas zu präsentieren?

00:00:50: Barbara Messer Oder wie kann man mit KI Seminarmethoden, also was entsteht dadurch?

00:00:54: Barbara Messer Da sind sie richtig gierig nach.

00:00:57: Barbara Messer Ich sage dann gerne, und das ist so ein bisschen auch das Wortspiel, naja, eine neue Methode ist nur einmal neu.

00:01:05: Barbara Messer Wenn man sie einmal gemacht hat, ist sie ja schon gebraucht.

00:01:08: Barbara Messer Ist sie deshalb schlechter?

00:01:10: Barbara Messer Also ist das Neue automatisch gut?

00:01:13: Barbara Messer Manchmal denke ich, sie evaluieren gar nicht, sie sind gar nicht kritisch.

00:01:17: Barbara Messer Hauptsache neue Methoden ganz viel, also so den Rucksack, den Einkaufswagen der Methoden füllen.

00:01:24: David Sigos Mhm.

00:01:24: David Sigos Mhm.

00:01:25: Barbara Messer Ja, und ich finde das wertvoll.

00:01:28: Barbara Messer Irgendwann hat mir jemand mal so einen Vergleich gebracht, der bei mir nachhaltig hängen geblieben ist, wenn ich einen Schuhschrank habe, wo meine Schuhe drin sind, und wenn ich dann ein neues Paar kaufe, müsste ich doch eigentlich ein altes rausnehmen, damit Platz ist.

00:01:45: Barbara Messer Und das ist für mich so die Einladung, wenn ich zum Beispiel etwas Neues lerne,

00:01:50: Barbara Messer neue Dinge für meinen beruflichen Alltag, dann überprüfe ich das bisherige.

00:01:55: Barbara Messer Und das ist ja eine ganz wichtige Reflexion oder auch Zäsur zu überlegen, was ist das Stabilisierende in meinem Repertoire, in meinem Verhalten, was ist das, was jetzt vielleicht noch nicht so sicher sind.

00:02:07: Barbara Messer Also man kann seine eigenen Kompetenzen und Verhaltensweisen in diesem Zusammenhang extrem gut überprüfen, zum Beispiel als ein Aspekt.

00:02:17: David Sigos Ich wage jetzt sogar leicht einen Vergleich zu machen mit, kennst du das Paradoxon, das Schiff des Tesois?

00:02:25: Barbara Messer Nein, das kenne ich nicht.

00:02:27: David Sigos Das ist so quasi, ist es ein Schiff, welches immer wieder repariert wurde und nach Jahrzehnten ist eigentlich jedes Teil am Schiff ersetzt worden.

00:02:38: David Sigos Ist es noch das gleiche Schiff?

00:02:40: David Sigos Ist es noch das Schiff, das Originalschiff oder ist es ein anderes Schiff?

00:02:46: Barbara Messer Ja, was für eine spannende Frage vom ersten Impuls her, würde ich sagen, es ist letztendlich ein neues Schiff, aber es ist ja nicht neu, weil es sich gewandelt hat.

00:02:54: David Sigos Ja, und es geht ja mit uns ja auch so.

00:02:55: Barbara Messer Ah ja, schönes Beispiel.

00:02:58: David Sigos Das ist eben so, es geht auf Plutarch zurück.

00:03:02: David Sigos Und eben es geht darum, wenn man Sachen ersetzt, aber es bleibt eigentlich doch gleich, ja, ist es jetzt das Original oder ist es nicht mehr das Original?

00:03:11: David Sigos Mhm.

00:03:13: Barbara Messer Ja, und wenn ich jetzt an Präsentationsmethoden denke, also im Bereich der Inhaltspräsentation, weil das ist ja etwas, was recht häufig stattfindet im Bereich Schule und betrieblicher Bildung oder auch Training sozusagen.

00:03:26: Barbara Messer Irgendwo gibt es einen Inhalt, der muss, der soll zu den Menschen.

00:03:31: Barbara Messer So, wie mache ich das?

00:03:32: Barbara Messer mache ich das an einem Whiteboard, an der Tafel, also früher das schöne Tafelbild, nutze ich den Overhead-Projektor, hänge ich den mit einer Wäscheleine auf, lege ich sie auf den Boden.

00:03:42: Barbara Messer Also wenn ich jetzt auch nur mal meine Präsentationsmethoden betrachte, letztendlich ist im Kern die Art und Weise, wie ich über den Inhalt spreche.

00:03:52: Barbara Messer Also das Bewährte oder das Stabilisierende ist meiner Meinung nach immer noch die eigene,

00:03:59: Barbara Messer Haltung, Lebendigkeit, Begeisterung, Art und Weise über das Thema zu sprechen.

00:04:05: Barbara Messer Das ist der Kern.

00:04:06: Barbara Messer Und da draußen, nach draußen ist es dann eine andere Methode, aber die Art, sage ich mal, das Feuer der Begeisterung für ein Thema lodern zu lassen und zu zeigen, ist letztendlich doch auch wieder gleich oder ähnlich, ja.

00:04:24: David Sigos Ja, also merkst du, dass die Teilnehmenden wollen eben etwas Neues oder wollen sie Varianten?

00:04:33: Barbara Messer Ja, das ist auch wieder eine Grenze, die ich jetzt nicht ziehen kann.

00:04:37: Barbara Messer Wo beginnt die Variante von etwas?

00:04:42: Barbara Messer Also Sie lieben neue Methoden zum Vorstellen.

00:04:47: Barbara Messer Zum Beispiel einer Gruppe im Training, hast du ja schnell immer nochmal wieder eine neue Gruppe.

00:04:51: Barbara Messer Du musst dich dann bei jedem Training auf neue Menschen einstellen.

00:04:54: Barbara Messer Dann wollen die Trainer neue Vorstellungsmethoden haben, wo ich ja der Meinung bin, die brauchen wir zum Teil auch überhaupt nicht, aber das ist dann ja nur eine neue Variante aus der Kategorie Methoden, um sich vorzustellen.

00:05:10: David Sigos Aber hat es sich für dich verändert?

00:05:12: David Sigos Du bist ja schon länger dabei.

00:05:14: David Sigos Da kannst du ja sicher einen Vergleich machen.

00:05:15: David Sigos Hat sich der Begriff quasi oder das Heilsversprechen hinter neu, hat sich das verändert?

00:05:22: David Sigos Wollen die Leute etwas Neues lernen, weil sie unsicher geworden sind?

00:05:28: David Sigos Oder wollen sie dadurch mehr Sicherheit gewinnen?

00:05:31: David Sigos Oder ist es mehr offene Neugier zum etwas Neues lernen?

00:05:38: Barbara Messer Ich denke, das ist eine Mischung.

00:05:40: Barbara Messer Wenn Sie zu mir kommen, dann geht es ja auch jetzt die letzte Zeit sehr um Haltung.

00:05:45: Barbara Messer Also wie agiere ich im Nichts?

00:05:47: Barbara Messer Wie gehe ich mit dem leeren Raum um?

00:05:49: Barbara Messer Was bewirkt meine Trainerpersönlichkeit?

00:05:51: Barbara Messer Damit suchen Sie sich meiner Meinung nach mehr Stärke, mehr innere Kraft, mehr Authentizität im Prozess, also mehr Stimmigkeit.

00:06:01: Barbara Messer Ich denke aber auch, dass es Menschen gibt, die

00:06:06: Barbara Messer denken, das Neue ist interessanter, zumindest auch für sie selbst, weil sie eine Abwechslung wollen.

00:06:14: Barbara Messer Es gibt ja auch Trainer, die dann irgendwann ein neues Thema haben wollen, weil das Alte ist ihnen zu alt.

00:06:20: Barbara Messer Alt ist dann vielleicht langweilig.

00:06:23: Barbara Messer Alt ist ja abgedroschen und das ist ja etwas, was ich ganz stark kritisiere.

00:06:25: David Sigos Mhm.

00:06:25: David Sigos Mhm.

00:06:30: Barbara Messer Wenn das Alte abgedroschen ist und langweilig, dann ist das Neue nicht die Lösung, sondern eher der neue Zugang zu dem bisherigen.

00:06:39: Barbara Messer Also was gibt es noch zu entdecken?

00:06:42: Barbara Messer Das habe ich aber auch von meinem Clownslehrer Edi Neumann gelernt, der bei Roncalli gearbeitet hat.

00:06:48: Barbara Messer Der hat uns mal gefragt,

00:06:50: Barbara Messer Was denken wir denn, wie viele Vorstellungen gibt es im Jahr?

00:06:54: Barbara Messer Ah ja, also fast jeden Tag.

00:06:56: Barbara Messer Und dann gibt es die Nachmittagsvorstellung und die Abendvorstellung.

00:07:00: Barbara Messer Ah ja, okay.

00:07:01: Barbara Messer Und dann überleg doch bitte mal, wie oft ich in einer Vorstellung in die Manege springe.

00:07:07: Barbara Messer So, das heißt, er hat eine Klammer aufgemacht einer Wiederholbarkeit, weil er immer dieselben Szenen gespielt hat.

00:07:12: David Sigos Also tausende Malen heißt das, oder?

00:07:13: David Sigos Mhm.

00:07:15: Barbara Messer Manchmal zweimal am Tag, Tag für Tag, bis das neue Programm draußen war.

00:07:22: Barbara Messer Und dann hat er darüber gesprochen, dass er tausende Mal dasselbe gemacht, das Gleiche.

00:07:29: Barbara Messer Und dann sagte er, ein Clown ist damit beschäftigt, wie das in dieser Wiederholbarkeit für ihn immer wieder interessant ist.

00:07:38: Barbara Messer schafft er es, dass er sich selbst heute überrascht, dass er heute wieder etwas Neues entdeckt, obwohl er das heute Nachmittag schon gemacht hat oder gestern Abend.

00:07:47: Barbara Messer Und das hat mich sehr fasziniert, weil ich das auch erlebt habe in meinen Fachseminaren zum Thema Pflegeplanung und Pflegedokumentation, die habe ich auch

00:07:57: Barbara Messer Tausende Male gehalten.

00:07:58: Barbara Messer Und das lief so gut, weil ich in der Zeit selbst so viel gelernt habe, um diese Seminare interessanter zu machen.

00:08:06: Barbara Messer Für mich.

00:08:07: Barbara Messer Und wenn sie für mich interessant waren, das ist der Punkt.

00:08:08: David Sigos Ja, für dich, ich denke, das ist das Stichwort, für dich.

00:08:11: David Sigos Ja.

00:08:12: Barbara Messer Und dann beginnt unsere Flamme.

00:08:14: Barbara Messer Also dann halten wir die eigene Feuerglutstelle wieder lebendig, weil wir uns immer weiter mit dem Thema auseinandersetzen und immer wieder einen neuen Zugang suchen.

00:08:22: David Sigos Mhm.

00:08:24: Barbara Messer Und das könnte das Neue sein.

00:08:27: Barbara Messer Was gibt es noch Interessantes zu entdecken?

00:08:31: David Sigos Aber eben, also neu ist ja dann sehr relativ, das sind so Schattierungen, so ganz kleine Details, die eben der Sprung in die Manege ist halt ein bisschen, bisschen anders und da, ich denke, der eigene Fokus ist nach innen gerichtet, so, was macht das mit mir, wenn ich da einen Zentimeter weiter nach links springe in die Manege, nehme ich jetzt mal an, jetzt in diese Richtung.

00:08:55: Barbara Messer Ja, wenn ich etwas auf der anderen Seite anfange, wenn ich heute eine andere Geschichte erzähle, wenn ich nochmal suche, so wie du eben die Metapher mit diesem Schiff gebracht hast, wenn ich nach so etwas suche, wie ich das Thema nochmal anders aufschließen kann, also eine neue Variante, eine neue Facette entdecke.

00:08:59: David Sigos Ja, ja, mhm.

00:09:19: David Sigos Ja, in den Schulen ist eben so das neue Lehrmittel, der neue Lehrplan, der neue Berufsauftrag, die neue Autorität.

00:09:29: David Sigos Wir haben sehr viele Begriffe in den Schulen, die neu sind oder das neue implizieren.

00:09:40: David Sigos Ich habe wirklich schon ein Gespräch gehört, einen anderen Podcast,

00:09:45: David Sigos dass wir das, besonders in den Schulen habe ich mich ein bisschen selbstetab, in so einer Neomanie drin sehen, also eben so die Sucht nach dem Neuen, weil das Neue ist ja besser und beinhaltet Versprechen, es wird einfacher, besser, wir werden klüger, nur wenn es neu wird, mit neuen Methoden.

00:10:08: David Sigos Da habe ich mich eben wie ertappt gefühlt.

00:10:12: David Sigos Aber was ist mit dem Bewerten?

00:10:14: David Sigos Wie gehen wir mit dem ganzen Repertoire um, das sich ja immer weiter anhäuft?

00:10:16: Barbara Messer Vielen Dank.

00:10:21: David Sigos Muss dann mal was raus?

00:10:23: David Sigos Also als du das Bild erzählt hast mit dem Schuhschrank, das heisst, dass du kippst auch für dich alte Methoden raus, komplett.

00:10:33: David Sigos Oder?

00:10:33: Barbara Messer Ja, das habe ich ja auch einmal wirklich ganz intensiv erlebt.

00:10:34: David Sigos Okay.

00:10:40: Barbara Messer Ich habe ja jahrelang mit der Wäscheleine gearbeitet als Präsentationsform, weil ich sie auch eben, Wäscheleine heißt, ich habe eine Schnur und an der werden wie Folien Zettel mit Stichworten angebracht und daneben auch oftmals ein Symbol, um eben dieses Stichwort oder diesen Aspekt zu unterstreichen, also einen Link zu setzen, einen Anker, eine Eselsbrücke.

00:11:03: Barbara Messer Und dann entsteht das so Bild für Bild, wird das irgendwo aufgehängt, kann auch hängen bleiben.

00:11:08: Barbara Messer Das kann man an der Wand aufhängen, zwischen Fenstern, wo auch immer.

00:11:16: Barbara Messer Also das ist eben gerade das, was ich erfahren habe, dass sie praktisch ist, wenn ich kleine Räume habe, zum Beispiel mit großen Besprechungstischen, was ja immer schrecklich ist.

00:11:23: Barbara Messer Also muss der Inhalt gut präsentiert werden.

00:11:27: Barbara Messer Und das habe ich wirklich viele tausende Mal gemacht.

00:11:31: Barbara Messer Und im Zuge einer Trainerausbildung habe ich die Wäscheleine nach langer Zeit mal wieder vorgestellt.

00:11:38: Barbara Messer Und dann guckt mich der Mensch an und sagt, sag mal Barbara, das macht dir jetzt nicht wirklich Spaß.

00:11:47: Barbara Messer Und ich merkte, nein, das macht nicht wirklich Spaß.

00:11:51: Barbara Messer Ich will die Wäscheleine vor allen Dingen zu diesem Thema nicht mehr machen.

00:11:56: Barbara Messer Das war dann über neurodidaktische Prinzipien.

00:11:59: Barbara Messer Dann kamen mir die Tränen und dann haben wir abends auch die Wäscheleine verbrannt.

00:12:03: Barbara Messer Also mein Original habe ich dann ins Feuer gegeben.

00:12:06: Barbara Messer Das ist so eine Methode, die ich wirklich nicht mehr mache.

00:12:09: Barbara Messer Das hat aber auch mit der Themenveränderung zu tun.

00:12:12: Barbara Messer Das ist so ein bisschen, das hatte seine Zeit.

00:12:14: Barbara Messer Also mindestens 15 Jahre habe ich damit gearbeitet, aber dann war es gut.

00:12:18: David Sigos Okay.

00:12:19: David Sigos Viermal im Jahr.

00:12:19: David Sigos Okay.

00:12:19: David Sigos Ja.

00:12:19: David Sigos Ja.

00:12:20: Barbara Messer Aber das hat auch bei mir mit der Transformation der Themen oder der Veränderung der Themen zu tun.

00:12:26: Barbara Messer Aber dieses Aussortieren, Betrachten, brauche ich das noch, passt das zu mir, ist sicherlich wertvoll, das mindestens quartalsweise zu machen.

00:12:38: Barbara Messer Wie ein Frühjahrsputz, brauche ich das noch, wo ist was verstaubt, habe ich was übersehen, ja.

00:12:48: David Sigos Ich lege... Ja?

00:12:48: David Sigos Hm.

00:12:50: Barbara Messer Entschuldigung, aber wenn ich jetzt bei Frühjahrsputz bin, dann bin ich auch bei dieser vor Weihnachten oder im Herbst die Ernte einfahren.

00:12:57: Barbara Messer Also auch da können wir uns am Jahreszyklus bedienen.

00:13:01: Barbara Messer Was haben wir zu ernten im September?

00:13:03: Barbara Messer Können wir uns das fragen, wenn das neue Schuljahr anfängt zum Beispiel?

00:13:07: Barbara Messer Was habe ich Neues bekommen oder was ist gewachsen aus dem?

00:13:11: Barbara Messer Und dann wird das ein oder andere auf den Kompost gegeben, um es im Winter vielleicht sogar auch einzumotten sozusagen.

00:13:17: Barbara Messer Also das eigene Repertoire stets und ständig zu säubern, zu hüten, ist, glaube ich, was ganz Wichtiges.

00:13:29: David Sigos In Schulen merke ich einfach den Spagat zwischen Stillstand, ja nichts verändern, das Bewährte unbedingt gleich weitermachen, aus welchen Gründen auch immer, Unsicherheiten und auf der anderen Seite.

00:13:44: David Sigos Und das gibt dann oft die Spannungen in den Teams.

00:13:48: David Sigos Oft jüngere Leute, die kommen und die wollen was verändern, eben etwas Neues einbringen, ein Veränderungssystem.

00:13:56: David Sigos Pausenplatzgestaltung neu machen oder die Regeln neu definieren oder nur schon die Zwischenglocke bei den kleinen Pausen abschaffen, das kannst du dir nicht vorstellen, was es für Diskussionen gibt.

00:14:12: David Sigos Einfach mal diese Glockensignale

00:14:17: David Sigos nur zu Beginn um 8 Uhr und dann um 12 Uhr, dass es wirklich so eine Orientierung gibt für den Tag, aber dazwischen halt kein Läuten.

00:14:26: David Sigos Das gibt Diskussionen, das ist herrlich, das ist so spannend, welche Werte, also eigentlich treffen ja Werte aufeinander.

00:14:32: Barbara Messer Ja, aber ich denke, das ist etwas, was es in allen Teams gibt.

00:14:41: Barbara Messer Wenn man auch so Persönlichkeitsprofile anschaut, dann gibt es ja eben die Menschen, die gerne etwas innovieren und es gibt welche, die das Beständige halten.

00:14:50: Barbara Messer Ich finde, in dieser Frage ist es ganz wertvoll, das bisherige wirklich auch gemeinsam zu betrachten.

00:14:57: Barbara Messer um zu schauen, wofür ist das gut, wofür war das gut und durch was wollen wir das denn ersetzen.

00:15:03: Barbara Messer Also dass auch die Bedenken ihren Platz haben, aber auch die Essenz des Bewerten betrachtet werden kann.

00:15:11: Barbara Messer Heutzutage ist es aber auch ja oft so, wenn man etwas Traditionelles vorschlägt, dann gilt man schnell als, wird man in eine Richtung gepresst politisch, also Handarbeit.

00:15:21: David Sigos Und

00:15:22: Barbara Messer Wer handarbeitet, was ich zum Beispiel sehr traditionell finde,

00:15:26: Barbara Messer der ist dann gleich so und so.

00:15:29: Barbara Messer Man wird so zugeordnet.

00:15:31: Barbara Messer Und Traditionelles erschreckt manche, dass auf Traditionen zurückgegriffen wird, vielleicht auch auf vorherige Lieder, Volkslieder oder Ähnliches.

00:15:45: Barbara Messer Das hat so einen leichten Touch und ist für einige eben, oh meine Güte, das ist mir zu traditionell.

00:15:51: Barbara Messer Also das macht Angst.

00:15:52: Barbara Messer Ja.

00:15:53: Barbara Messer Weil da vielleicht bestimmte Konnotationen hinterhängen.

00:15:54: David Sigos Und

00:15:56: Barbara Messer Aber aus meiner Erfahrung auch in Pflegeteams, die ich geführt habe, wir brauchen immer diese Betrachtung, wofür war das alte gut, brauchen wir das noch, was ist die Essenz und wofür ist das neue gut.

00:16:07: Barbara Messer Weil in dem Bereich hat sich in meiner beruflichen Zeit auch extrem viel erneuert.

00:16:13: Barbara Messer Also es wurden Pflegeprinzipien erarbeitet.

00:16:16: Barbara Messer Vom Tisch gefegt, prophylaktische Maßnahmen mussten neu gemacht werden.

00:16:22: Barbara Messer Da gab es sehr viel Tumult, weil die älteren Kollegen daran festgehalten haben, weil sie damit groß geworden sind.

00:16:29: Barbara Messer Das war für sie vertraut und das Neue hat ihnen auch Angst gemacht.

00:16:32: Barbara Messer Sie waren unsicher, wie sie damit umgehen sollen.

00:16:35: Barbara Messer Also das ist, glaube ich, ein ganz tiefer Konflikt.

00:16:35: David Sigos Da habe ich eben auch gelernt, das sehr vorsichtig auch quasi wie einzuführen, dass es nicht den Touch bekommt, weisst du, jetzt hast du es 20 Jahre lang falsch gemacht und jetzt machen wir es richtig.

00:16:38: Barbara Messer Ja.

00:16:54: David Sigos Es ist einfach anders, das merke ich eben auch.

00:16:58: David Sigos Bildungsbereich, dass man ja wenn man den Frontalunterricht, das ist ja so der Klassiker, die einen verteufeln ihn, die anderen lieben ihn und eigentlich ist es für mich eine Methode.

00:17:10: David Sigos Einfach eine jetzt bewährte und auch die hat seine Existenzberechtigung, aber eben zu viel von etwas ist einfach so das Problem meiner Meinung nach.

00:17:25: David Sigos Es gibt Lehrpersonen, die machen wirklich stundenlang, tagelang, jahrelang extrem gute Lektionen, praktisch nur im Frontalunterrichtsstil.

00:17:36: Barbara Messer Ja, weil sie wahrscheinlich begeisternd reden können und begeisternd vermitteln.

00:17:42: Barbara Messer Ja.

00:17:42: David Sigos Aber trotzdem ist es so eine passive Aufnahme von Informationen.

00:17:46: David Sigos Also darum, ja, ein bisschen mehr von anderen oder neueren Methoden.

00:17:56: David Sigos Das würde meiner Meinung nach einfach den Unterricht anreichern, ergänzen.

00:18:01: David Sigos Aber ja.

00:18:03: Barbara Messer Ja, das steht aber auch für Lebendigkeit und für Multisensorik.

00:18:06: Barbara Messer Also nur eine Sache zu machen, ist ja sicherlich auf die Dauer langweilig.

00:18:11: Barbara Messer Also zu wechseln, die Methoden zu wechseln, die Sozialformen zu wechseln.

00:18:16: David Sigos Ja, für wen?

00:18:18: David Sigos Für wen langweilig?

00:18:18: Barbara Messer Bitte?

00:18:19: David Sigos Also ich habe schon wirklich erlebt, dass die machen es für sich so spannend, das ist wieder das, was du vorhin gesagt hast, die blühen richtig auf im Frontalunterricht, die Lehepersonen, dass es für sie spannend ist, aber für die Kinder trotzdem langweilig, weil es nicht aktivierend ist.

00:18:38: Barbara Messer Ja, das sollte man dann betrachten.

00:18:40: David Sigos Ja.

00:18:41: Barbara Messer Da sind wir wieder bei dem Thema, was wir schon mal hatten.

00:18:44: Barbara Messer Was wäre, wenn die Schüler nach der Stunde Feedback geben, so wie nach einer Stunde im Fitnessstudio?

00:18:52: David Sigos Ja.

00:18:52: Barbara Messer Bewerte doch mal bitte heute deine Yoga-Stunde.

00:18:56: Barbara Messer Dann würde das natürlich auffallen.

00:18:58: Barbara Messer Das darf nicht passieren, finde ich.

00:19:00: Barbara Messer Da muss man in seinem eigenen Feuer der Begeisterung schon mal gucken, wie kommt denn das bei den Kindern oder Jugendlichen an?

00:19:07: Barbara Messer Das ist natürlich eine wichtige Frage.

00:19:09: Barbara Messer Aber, es kommt ein dickes Aber, neu ist ja auch nicht automatisch gut.

00:19:15: Barbara Messer Also wenn wir jetzt mal das Thema betrachten, die Handschrift der Kinder.

00:19:20: Barbara Messer Es gibt jetzt Erkenntnisse, ich verfolge das erst, ich habe jetzt noch nichts Sicheres da, aber denen fällt es schwer, wenn sie in die Schule kommen, einen Stift zu halten.

00:19:29: Barbara Messer Die Schönschrift, die Schreibschrift ist so verloren oder wird verloren durch ganz früh am Handy sitzen, ganz viel digital.

00:19:38: Barbara Messer Du schreibst ja digital anders, als wenn du den Stift in der Hand hast.

00:19:41: Barbara Messer Für mich ist das dann nicht automatisch das Neue, also noch mehr Digitalisierung gut, sondern die Mischung.

00:19:48: Barbara Messer Also wer schreibt, und ich bin ja auch eine Schreibende, der muss immer noch wunderbar mit der Hand schreiben können.

00:19:55: Barbara Messer Was ist denn bei einem Stromausfall?

00:19:58: Barbara Messer Und wenn ich mehr so...

00:19:59: David Sigos Ja, es ist einfach interessant, wenn man zurückblickt und so alte Schriften anschaut, dann hatte man immer wieder quasi so Befürchtungen, da lächeln wir darüber.

00:20:13: David Sigos Also die ersten Autos, die ja nur irgendwie 30 km aufwohnen, das wurde schon als gesundheitsgefährdend eingestuft, dass der Körper Schaden nimmt, weil man so stark beschleunigt wird.

00:20:27: David Sigos Auch als die ersten Bücher kamen, dachte man, man wird wahnsinnig, wenn man so viele Informationen aufnimmt.

00:20:33: David Sigos Oder das mit dem Fernseher ist ja aktuell, als der Fernseher raufkam, dachte man auch, jetzt geht die Welt unter, pädagogisch und intellektuell.

00:20:43: David Sigos Und ja, ich spüre den Reflex auch mit so, eben dass es so,

00:20:53: David Sigos ja, ist das jetzt wirklich so schlimm oder geht wirklich etwas verloren oder ist es jetzt eben so, dass etwas Altes, Bewährtes für uns wird verdrängt?

00:21:07: Barbara Messer Ja, ja.

00:21:08: David Sigos Und ja, was ist es?

00:21:10: David Sigos Also das wird sich halt in ein paar Jahrzehnten zeigen, ob das jetzt wirklich eine Erfolgsverdummung gibt.

00:21:17: David Sigos Also natürlich gibt es jetzt erste Signale, die deuten darauf hin.

00:21:22: David Sigos Und andere Länder, ich glaube Korea und so, die gehen ja wieder zurück, weil die züchteten anscheinend mit dem rein digitalen Lernen über iPads und so, züchteten sie die Analphabeten der Arte wieder hoch, also das ging hoch.

00:21:39: Barbara Messer Ja.

00:21:41: David Sigos Also da gibt es schon Belege dafür, dass da etwas nicht so gut läuft.

00:21:46: David Sigos Aber ja, vielleicht, wenn man sich vorstellt, vielleicht haben wir wirklich ein paar Jahrzehnten Implantate und wir müssten praktisch nur noch etwas denken und dann wird das übermittelt oder geschrieben oder was auch immer dann.

00:22:02: David Sigos Ja, dann vielleicht wird das das neue Normal und da blickt man zurück und denkt so, ja, früher hatte man noch die mühsame Handschrift, da war man so langsam.

00:22:14: David Sigos Ja, also ich bin gespannt, ich bin gespannt.

00:22:15: Barbara Messer Ja, ja.

00:22:16: Barbara Messer Und jetzt kann man diktieren.

00:22:17: David Sigos Mhm.

00:22:17: David Sigos Mhm.

00:22:17: Barbara Messer Man kann einen Aufsatz, den man schreibt, diktieren.

00:22:21: Barbara Messer Man muss ihn nicht mehr von Hand schreiben.

00:22:24: Barbara Messer Ich bin ja Freundin von Mischungen.

00:22:26: Barbara Messer Also zum Beispiel in einem Schreibseminar, was ich ja auch regelmäßig anbiete, da gibt es Aufgaben, da sage ich, das ist jetzt schön, wenn ihr das mit der Hand schreibt.

00:22:35: Barbara Messer Oder jetzt kommt ein längerer Text, da überlegt euch das, ob ihr mit der Hand schreibt oder mit dem Laptop.

00:22:41: Barbara Messer Aber es gibt Dinge, da bin ich so davon überzeugt, es ist wichtig, mit der Hand zu schreiben, also auch der Liebesbrief.

00:22:49: Barbara Messer Der klassische Liebesbrief ist meiner Meinung nach...

00:22:52: Barbara Messer Immer noch etwas Besonderes, ihn von Hand zu schreiben, den Umschlag zu beschriften, als eine übliche WhatsApp- oder Signalnachricht.

00:23:01: Barbara Messer Hey Schatz, ich liebe dich, deine Haare sind so schön oder so.

00:23:04: Barbara Messer Das ist ja auch, beides hat seine Berechtigung, ja.

00:23:08: Barbara Messer Aber die Mischung, und das regt ja auch an, es regt ja auch die Teilnehmer an, wenn du ihnen immer wieder eine gute Mischung präsentierst.

00:23:10: David Sigos Mhm.

00:23:16: Barbara Messer Ja, da wollte ich jetzt schon sagen, immer wieder was Neues gibst, dann komme ich zurück auf eine neue Variante, einen neuen Zugang.

00:23:23: Barbara Messer Jetzt machen wir was Ruhiges, jetzt machen wir was Lautes, jetzt machen wir was Langsames, jetzt machen wir was Schnelles, ja.

00:23:29: David Sigos Ich frage heute Abend mal meine so vorpubertierenden jungen Menschen im Training, ob sie, die sind so zwischen 12 und 14, vielleicht 15, ob die das wirklich ähnlich sehen, ob die sich über einen, was das für eine Bedeutung für sie hätte, einen handschriftlichen kleinen Zettel mit einer Liebeserklärung zu erhalten.

00:23:56: David Sigos Würde Ihnen das genügen per TikTok oder per Snapchat?

00:24:01: Barbara Messer Interessante Frage.

00:24:03: Barbara Messer Ich setze mich gerade damit auseinander, weil ich in der Vortragsvorbereitung bin.

00:24:08: Barbara Messer Freiheit oder Bürde ist da ein Untertitel bei dieser Veranstaltung.

00:24:13: Barbara Messer Und dann habe ich so erinnert, wo habe ich etwas gehabt als junger Mensch, was ich als Bürde empfunden habe.

00:24:19: Barbara Messer Das war das Samstagmorgen Schuhe putzen für die Familie.

00:24:23: Barbara Messer Da saß ich dann mit den ganzen Schuhen alleine im Treppenhaus und musste die putzen und empfand das als Bürde.

00:24:27: David Sigos Vielen Dank.

00:24:29: Barbara Messer Ich habe das gehasst.

00:24:31: Barbara Messer Es hat mich aber befreit, weil ich dadurch gelernt habe, mal eben etwas zu machen, worauf ich keine Lust habe.

00:24:39: Barbara Messer So, ich denke, dass wir Phasen haben, wo wir etwas als unangenehm empfinden oder schwer oder lästig.

00:24:47: Barbara Messer Und hinterher sind wir froh, dass wir das haben.

00:24:50: Barbara Messer Also auch das Lernen eines Musikinstrumentes kann ja eine Bürde sein, wenn die Eltern das anordnen und man das machen muss.

00:24:59: Barbara Messer Und später ist man dann vielleicht glücklich, dass man das durchschritten hat und das gelernt hat.

00:25:03: David Sigos Und dann.

00:25:05: Barbara Messer So kann das vielleicht sein mit dem

00:25:07: Barbara Messer Mit der Handschrift auch, ach nee, das ist ja langweilig, das ist unmodern, das brauchen wir nicht mehr, aber es gibt dann sicherlich Situationen später im Leben, da ist es wertvoll, das von Hand zu machen.

00:25:24: Barbara Messer Ja, wie immer, ganz viel Betrachtungsweisen.

00:25:28: Barbara Messer Für mich ist das hier, glaube ich, wieder eine Folge, wo wir selber über etwas nachdenken und regen damit sicherlich auch unsere Hörer und Hörerinnen an, nachzudenken über etwas.

00:25:40: David Sigos Ist neu besser, zum Beispiel, das wäre ja quasi auch der Titel.

00:25:42: Barbara Messer Ja, ist neu besser.

00:25:44: David Sigos Ist neu wirklich besser?

00:25:47: Barbara Messer Also neue Schuhe zum Beispiel müssen ja auch erst mal eingelaufen werden.

00:25:47: David Sigos Oder ist neu?

00:25:51: Barbara Messer Oder ich mache zum Beispiel, wenn ich mir ein neues Kleid kaufe, ich liebe ja Kleider, dann trage ich das erstmal auch überhaupt nicht, weil es noch so schön neu ist.

00:26:03: Barbara Messer Also das kriegt so eine Aufmerksamkeit.

00:26:05: Barbara Messer Und dann trage ich eher mein Alltagskleid, so wie das, das ist so ein Hauskittelkleid sozusagen,

00:26:11: Barbara Messer damit ich das andere noch schone.

00:26:13: Barbara Messer Also auch das Phänomen kenne ich von Methoden.

00:26:16: Barbara Messer Ah, das ist neu, das probiere ich mal aus.

00:26:20: Barbara Messer Aber das hat dann auch noch mehrere Wochen den Status von etwas ganz Besonderem.

00:26:27: Barbara Messer Oder jetzt habe ich mit einer Irritation gespielt.

00:26:31: Barbara Messer dass ich während des Workshops ein Glas mit Silberzwiebeln geöffnet habe und abgewartet habe, wie die Menschen darauf reagieren.

00:26:40: Barbara Messer Und ich selber wusste noch nicht, wie baue ich diese Irritation ein.

00:26:44: David Sigos Aber was macht das mit dir?

00:26:44: Barbara Messer Also ist das für mich auch neu und ich merke, ich bin auch aufgeregter, nervös.

00:26:50: Barbara Messer Jetzt zum Beispiel auch bei einem Vortrag, den ich halte, mache ich etwas komplett neu.

00:26:58: Barbara Messer Es macht mich lebendiger, ich bin aufgeregt, nervös.

00:27:01: Barbara Messer Es macht mir bewusst, das ist gut zu überlegen, wie ich das mache.

00:27:06: Barbara Messer Also die Intervention beim Vortrag, die werde ich sehr, sehr intensiv proben.

00:27:10: Barbara Messer Ich werde sehr sorgfältig sozusagen den Übergang auch machen.

00:27:16: Barbara Messer Ich kann das ja jetzt erzählen, weil das wird erst gesendet, nachdem der Vortrag stattgefunden hat.

00:27:23: Barbara Messer Ich fange mit einem anderen Thema an.

00:27:25: David Sigos Also komplett anders.

00:27:26: David Sigos Verantwortung übernehmen.

00:27:26: Barbara Messer Und warte ab, was dann passiert.

00:27:27: David Sigos Ja.

00:27:30: Barbara Messer Ja, ich spreche über etwas komplett anderes.

00:27:33: Barbara Messer Und das Thema der Veranstaltung ist Verantwortung.

00:27:38: Barbara Messer Und ich möchte provozieren, dass jemand im Publikum aufsteht und sagt, Frau Messer, da heißt es aber ganz anders, worüber Sie sprechen wollten.

00:27:46: Barbara Messer Und so sage ich, ja, jetzt überlegen Sie mal, wie lange Sie gewartet haben, bis Sie was sagen.

00:27:51: Barbara Messer Wann gehen Sie in die Verantwortung?

00:27:54: Barbara Messer Das ist der Effekt, den ich erzielen möchte.

00:27:55: Barbara Messer Und ich bin sehr, ja, weil das kann natürlich auch schiefgehen, ja.

00:28:01: Barbara Messer Das ist spannend.

00:28:02: Barbara Messer Also es braucht extrem viel Vorbereitung und Probenzeit.

00:28:05: Barbara Messer Ich übe das schon die ganze Zeit, wie ich das einbaue.

00:28:08: Barbara Messer Also weil das neu ist, genauso wie man bei einem Ersatzteil, also bei mir vorne am Fahrzeug, ist eine neue Kunststoffstoßstange sozusagen eingebaut, die hat, obwohl es dieselbe Charge oder Nummer ist, einen etwas anderen Farbton.

00:28:24: Barbara Messer Und der muss erstmal wieder sich aneinen, also verbleichen wahrscheinlich.

00:28:29: Barbara Messer Und so ist das auch.

00:28:29: David Sigos Aber jetzt kommt mir der Gedanke, wenn du es ja so oft probst, ist es ja für dich nicht mehr neu.

00:28:35: Barbara Messer Ja, die Probe ist die Probe und dann kommt die Premiere.

00:28:40: David Sigos Ja.

00:28:40: David Sigos Ja.

00:28:40: David Sigos Ja.

00:28:40: Barbara Messer Dann kommt die Premiere vor dem Publikum.

00:28:42: Barbara Messer Ich denke, das ist auch nochmal.

00:28:46: Barbara Messer Für mich ist sowas auch abhängig vom Zeitgeist.

00:28:48: Barbara Messer Also was ist gerade draußen los?

00:28:50: Barbara Messer Mit welchen Nachrichten kommen die Menschen in die Veranstaltung?

00:28:54: Barbara Messer Im Moment ist ja viel, was uns besorgt.

00:28:57: Barbara Messer Habe ich die Kraft, bei den Nachrichten was sehr Verrücktes zu tun oder bleibe ich lieber bei etwas Bewertem, weil mich das sicher macht?

00:29:07: Barbara Messer Das Bewährte gibt einem ja Sicherheit und das ist, finde ich, für herausfordernde Situationen auch wichtig, weil wir darüber Stabilität schaffen.

00:29:18: David Sigos Ja, ich denke, ein wertvolles Thema, wertvoller Gedanke eben, das Neue, ist das Neue wirklich immer besser oder ist es nur anders und gibt es überhaupt das Neue?

00:29:29: David Sigos Eigentlich wurde ja schon alles gesagt und erfunden.

00:29:33: David Sigos Man kann es vielleicht neu arrangieren, anders gestalten.

00:29:37: David Sigos Und ja, diese Neumonie ablegen, besonders im Bildungswesen, dass man da, ja, und diese neue Methode oder dieses neue Konzept, damit erreichen wir alle Kinder.

00:29:51: David Sigos Ja, ich denke, das kann so leicht gefährlich sein, weil es zu viel verspricht.

00:29:58: Barbara Messer Ja, weil man hat ja noch nicht ausgewertet, es ist noch nicht evaluiert.

00:30:03: Barbara Messer Also im Sinne von einem Qualitätsmanagementprozess muss das Neue ja erstmal auch eine Zeit lang laufen, dann wird es evaluiert, ob es Sinn gemacht hat oder nicht.

00:30:15: Barbara Messer Zum Beispiel in der Begleitung von Menschen mit Demenz.

00:30:21: Barbara Messer Zum Beispiel ist da eine Bewohnerin, die vermisst ihre Mutter, die läuft auf dem Flur herum, sucht die Mutter, will nach Hause, hat Angst, dass die Mutti schimpft, wenn sie nicht kommt.

00:30:30: Barbara Messer Also die ist in Sorge, die ist in einer Erinnerung von früher.

00:30:31: David Sigos Mhm.

00:30:34: Barbara Messer Dann überlege ich mir als Pflegekraft eine Intervention.

00:30:37: Barbara Messer Wie gehe ich mit ihr um?

00:30:39: Barbara Messer Und da hat sich bewährt, etwas, was ich dann mache,

00:30:43: Barbara Messer länger zu machen über einen Zeitraum von vier oder sechs Wochen bis bei diesem Mensch mit Demenz, das erstmal durchgesickert ist.

00:30:50: Barbara Messer So unter dem Motto, ach ich mache das jetzt einmal und singe mit ihr vielleicht ein Kinderlied.

00:30:54: Barbara Messer Oh, das hat doch nicht geklappt, dann lasse ich das mal.

00:30:57: Barbara Messer Da habe ich gelernt, nein, das machen wir jetzt vier Wochen und dann bewerten wir mal, wie wir das erlebt haben, wenn wir alle das jetzt vier Wochen mit dieser Frau machen.

00:31:07: Barbara Messer Und dann haben wir ein Gefühl, dann vergleichen wir die unterschiedlichen Erfahrungen.

00:31:11: Barbara Messer Das finde ich auch natürlich wichtig, dass dieses Neue wirklich auch gut ausgewertet wird.

00:31:16: Barbara Messer Unsere Zeit läuft.

00:31:18: David Sigos Ja, und mir kommen schon drei weitere neue Themen für unseren Podcast in den Sinn.

00:31:25: David Sigos Und ja, ich schreibe dir dann, genau.

00:31:27: Barbara Messer Wir sagen auf Wiedersehen.

00:31:29: Barbara Messer Ja, also, dir auch.

00:31:29: David Sigos Okay, also, danke dir, Baba.

00:31:32: Barbara Messer Ciao, ciao.

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