Psychohygiene in der Bildung
Shownotes
David und Barbara steigen mit einem sehr persönlichen Thema in die Diskussion ein: der bewussten Abgrenzung während der Arbeitszeit, um die eigene mentale Gesundheit zu schützen. Barbara schildert, dass sie ihre Mittagspausen oft alleine verbringt, was sie den Teilnehmenden gegenüber als notwendige Selbstfürsorge deklariert, um am Nachmittag wieder mit voller Präsenz zur Verfügung zu stehen. David ergänzt dies durch seine Perspektive als Schulleiter, der lernte, seine Mittagspause zeitlich zu verschieben, um dann ansprechbar zu sein, wenn das Team ihn am dringendsten braucht – nämlich dann, wenn alle anderen Pause haben.
Ein zentraler Begriff der Folge ist die Psychohygiene, die als emotionale Selbstregulation und bewusste Abgrenzung definiert wird. Es geht um die Reinigung des inneren Systems, ähnlich wie man sich nach einer körperlichen Anstrengung duscht. Die beiden erörtern die Dynamik in Teamzimmern, die oft zum Abladen von Frust genutzt werden, was für andere Teammitglieder sehr belastend sein kann. Hier werden Strategien wie das Einrichten von «Ablade-Ecken» oder der Rückzug in das eigene «Cockpit» – den persönlich gestalteten Unterrichtsraum – besprochen, um die Energie der vorangegangenen Lektion bewusst zu klären.
Besonderes Augenmerk wird auf praktische Hilfsmittel für den Alltag gelegt. Barbara nutzt Musik und kleine Ordnungsrituale, um Übergänge zu schaffen, während David die Achtsamkeitsschlaufe vorstellt. Bei dieser Methode geht es darum, körperliche Reaktionen und Gefühle zunächst wertfrei wahrzunehmen, sie zu akzeptieren und schliesslich loszulassen, um wieder handlungsfähig zu werden. Auch der Einsatz von Check-in-Fragen zu Beginn von Sitzungen wird als wirkungsvolles Tool für die Gruppenhygiene und die Wertschätzung jeder einzelnen Stimme hervorgehoben.
Zum Abschluss thematisieren die beiden die Gefahr der Entmenschlichung im System, wenn Schüler nur noch als «Fälle» oder gar als «Früchtchen» bezeichnet werden. Echte Bildung braucht eine Lehrperson, die in ihrer Ruhe bleibt und sich ihrer Rolle stets bewusst ist. Durch bewusste Übergangsrituale, wie den Wechsel der Berufskleidung, wird zudem sichergestellt, dass die beruflichen Belastungen nicht ungefiltert ins Privatleben getragen werden.
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Transkript anzeigen
00:00:01: Barbara Messer David, gut, dass ich dich treffe.
00:00:03: Barbara Messer Ich muss dir unbedingt etwas erzählen.
00:00:04: Barbara Messer Das ist aber nur für dich.
00:00:06: Barbara Messer Das darf eigentlich sonst keiner wissen.
00:00:10: David Sigos Ja.
00:00:10: David Sigos Mhm.
00:00:10: Barbara Messer Pass auf.
00:00:11: Barbara Messer Genau.
00:00:12: Barbara Messer Also wenn ich ein Training habe, so ein Zwei-Tages-Training, dann haben wir ja auch Mahlzeiten zusammen.
00:00:18: Barbara Messer Also ich mit den Teilnehmenden.
00:00:21: Barbara Messer Und ich habe mir irgendwann getraut, mir einzugestehen, dass ich die Mittagspause...
00:00:27: Barbara Messer Also ich sitze da nicht mit meinen Teilnehmern, weil ich diese Stille brauche für mich oder dass ich da nicht in Gespräche verwickelt werde, weil ich Zeit für mich brauche.
00:00:38: Barbara Messer Und ich musste mir das eingestehen.
00:00:40: Barbara Messer Am Anfang saß ich dann da, wollte schnell vom Tisch weg, fühlte mich so pflichtbewusst und so ordentlich, dass ich das mache und merkte aber, mir fehlt diese Zeit für mich zur Reflexion.
00:00:51: Barbara Messer Kennst du sowas?
00:00:52: Barbara Messer Dass du dich rausnimmst und denkst, eigentlich müsste ich doch jetzt das und das machen, aber ich brauche diese Zeit für mich, weil ich brauche diese Zeit für mich, um zu reflektieren.
00:01:02: Barbara Messer Wie war der Vormittag?
00:01:04: Barbara Messer Wie haben sich die Menschen verhalten?
00:01:06: Barbara Messer Wie ging es mir?
00:01:07: Barbara Messer Wie mache ich weiter und so etwas?
00:01:10: David Sigos Da würde mich eher noch interessieren, wie erklärst du das?
00:01:13: David Sigos Weil wenn du es nicht groß erklärst, kannst du schon auch ein bisschen so distanziert und arrogant wirken.
00:01:19: Barbara Messer Ja, ja, das ist ganz wichtig, zumal ich auch oft einfach so tolle Menschen um mich habe.
00:01:23: Barbara Messer Also es wäre auch ein Geschenk mit ihnen, Zeit zu verbringen.
00:01:26: Barbara Messer Ich sage, dass ich in dieser Zeit für mich sorge, dass ich reflektiere, dass ich mich zurückziehe und dass ich mich erhole, weil ich auch die ganze Zeit mit einer hohen Präsenz unterwegs bin.
00:01:33: David Sigos Also ganz offen und transparent kommunizieren.
00:01:40: Barbara Messer Dafür haben sie Verständnis.
00:01:43: Barbara Messer Aber es ist, wie du sagst, man muss es erklären.
00:01:44: Barbara Messer Oder ich darf es sagen, damit sie das nachvollziehen können.
00:01:50: David Sigos Ja, jetzt nicht genau in diese Richtung, aber ich habe bei mir etwas angepasst.
00:01:56: David Sigos Ich esse schon gerne.
00:01:58: David Sigos Und da habe ich mich früher als junger Schulleiter immer so aufs Mittagessen gefreut, so «Ja, elf Uhr, jetzt kommt langsam der Hunger».
00:02:08: David Sigos Und dann freute ich mich so, ja, da habe ich was Feines dabei.
00:02:12: David Sigos Und prompt kam natürlich regelmässig so eine Störung.
00:02:16: David Sigos Und die Störung war eigentlich meine Arbeit.
00:02:20: David Sigos Also das war gar keine echte Störung in Form einer Lehrperson.
00:02:25: David Sigos Weil ich habe dann gemerkt, okay, ich glaube, ich muss etwas anpassen, weil ich habe dann wirklich gemerkt, die Hochzeit quasi, also die Zeit, die wirklich so massiv ist mit vielen Gesprächen, das sind eigentlich eben die Mittagspausen.
00:02:45: David Sigos Also da habe ich wirklich gemerkt, okay,
00:02:48: David Sigos jetzt musst du was ändern.
00:02:49: David Sigos Da habe ich wirklich das angepasst und mir angewöhnt, eigentlich so um zwei Uhr Mittag zu essen, wenn dann wirklich wieder alle im Unterricht sind und ich dann wieder Zeit für mich habe und für meine stille Arbeit und alles.
00:03:04: David Sigos Aber da war ich wirklich zu Beginn ein bisschen sauer, dass da mich wagte, jemanden zu stören, weil ich mich aufs Essen freute.
00:03:07: Barbara Messer Ja.
00:03:12: David Sigos Und dann habe ich gedacht, nee, also die
00:03:16: David Sigos Die haben ja nur dann Zeit.
00:03:17: David Sigos Also die Lehrer, Assistenzen und Logopädinnen und all die Leute, die haben ja nur dann Zeit.
00:03:24: David Sigos Also vor der Schule ein paar Minuten, die Mittagspause sind dann die meisten da und nach der Schule geht es dann auch wieder um Sitzungen oder Feierabend oder was auch immer.
00:03:38: David Sigos Da habe ich gemerkt, auch für mich, ich bin viel entspannter, wenn ich weiss, okay, komme, was wolle, die Mittagszeit gehört den Lehrpersonen nicht mir und das war, das ist völlig in Ordnung.
00:03:52: Barbara Messer Ja, und wenn ich jetzt so zurückblicke, wie das entstanden ist, dann war ich erst ganz eifrig, weil ich das toll fand, einfach auch mit den Menschen zusammenzusitzen.
00:04:01: Barbara Messer Aber irgendwann merkte ich am Nachmittag, und ich habe ja dann Trainingstage bis 17 Uhr, manchmal noch eine Abendeinheit, dann brauche ich meine Kraft.
00:04:08: Barbara Messer Kraft heißt für mich, ich brauche meine Präsenz.
00:04:11: Barbara Messer Und jetzt mittlerweile label ich das mit dem Wort oder habe die Überschrift, das ist meine persönliche Psychohygiene,
00:04:19: Barbara Messer Und in der Rückschau meiner beruflichen Arbeit habe ich festgestellt, das ist das, was wir als Pflegekräfte auch schon gesagt haben, in jedem Fachbuch steht, du musst Psychohygiene betreiben.
00:04:32: Barbara Messer Gut, Hygiene ist ja für eine Pflegekraft per se erstmal wichtig, dass sie in hygienischen Ketten denkt, dass sie hygienische Prozesse herstellt, aber Psychohygiene ist
00:04:41: Barbara Messer Und ich habe mich ja auch viel mit dem Helfer-Syndrom beschäftigt, was ja bei Pflegekräften häufig vorkommt, bei mir ja auch, dass ich lieber anderen helfe, für andere da bin, gut bin, die Retterpositionen einnehme, um mich besser zu fühlen und um nicht meine eigenen Hausaufgaben machen zu müssen.
00:04:58: Barbara Messer Und da merke ich so, Psychohygiene passt als Begriff, ist vielleicht ein bisschen altbacken, aber wenn man das mal recherchiert, dann kommen so Begriffe wie innere Klärung oder emotionale Selbstregulation, eine bewusste Abgrenzung oder regelmäßige Selbstreflexion.
00:05:16: Barbara Messer Und dann, als ich das nochmal so verbunden habe, dieses alte Wort Psychohygiene zu meiner Begriffe,
00:05:23: Barbara Messer als Trainerin und Coach, dann finde ich das passend, weil ich sorge dafür, dass mein System sich wieder klärt, damit ich die Beziehung zu meinen Teilnehmenden besser gestalten kann, zu mir, zum Thema.
00:05:36: Barbara Messer Also es ist so eine Minikur, wie so ein kurz mal eben duschen gehen und wieder sich reinigen, also auch psychisch oder mental reinigen.
00:05:45: David Sigos Das heisst, du hast etwas angepasst.
00:05:47: David Sigos Du hast gemerkt, es geht dir nicht gut.
00:05:50: David Sigos Du verlierst dann Kraft und dann wolltest du etwas ändern.
00:05:54: David Sigos Dann hast du es geändert und durch deine Zeit für dich über den Mittag schöpfst du mehr Kraft.
00:06:00: David Sigos Ja, genau.
00:06:00: Barbara Messer Ja, genau das ist es.
00:06:02: Barbara Messer Ich schöpfe mehr Kraft und ich kündige das ja auch an, wenn das Seminar so seinen Anfang nimmt.
00:06:08: Barbara Messer Da kommt ja die Gruppe zusammen, neue Menschen.
00:06:10: Barbara Messer Irgendwann sage ich dann, bitte wundert euch nicht, beim Essen sitze ich alleine.
00:06:14: Barbara Messer Das hat nichts mit euch zu tun, das hat mit mir zu tun.
00:06:17: Barbara Messer Ich schätze euch, das merkt ihr, aber ich brauche diese halbe Stunde für mich.
00:06:22: Barbara Messer Ja.
00:06:23: David Sigos Und eben die Kommunikation ist natürlich sehr, sehr wichtig, weil sonst kann man es ja ziemlich missverstehen, da die arrogante Trainerin wieder.
00:06:32: David Sigos Ja.
00:06:32: Barbara Messer Genau, da ich sowieso Hochdeutsch spreche, generell also auch jetzt nicht Deutschland-Schweiz, sondern in Deutschland Hochdeutsch spreche, weil ich so groß geworden bin, in Niedersachsen eben, mit einer leichten Einfärbung, kann man schon mal sagen, dass ich sowieso arrogant bin.
00:06:34: David Sigos Okay.
00:06:48: Barbara Messer arrogant sein könnte.
00:06:49: Barbara Messer Also muss ich da sehr viele kleine oder darf ich kleine Brücken schlagen.
00:06:53: David Sigos Mhm.
00:06:54: Barbara Messer Naja, und dann nehme ich, ich habe dann den Plan für den Nachmittag, für meinen Seminarplan, den gehe ich durch und vor allen Dingen gehe ich Fragen nach,
00:07:03: Barbara Messer Und das ist ja vielleicht das Schöne bei meiner Arbeit.
00:07:06: Barbara Messer Ich habe immer wieder neue Menschen, mit denen ich zu tun habe, sodass ich neu reflektieren kann.
00:07:13: Barbara Messer Wie war der Vormittag?
00:07:15: Barbara Messer Was habe ich gemacht?
00:07:15: Barbara Messer Wie haben die Menschen darauf reagiert?
00:07:17: Barbara Messer Wer ist denn vielleicht wie unterwegs?
00:07:20: Barbara Messer Was könnte ich anders machen?
00:07:22: Barbara Messer Wie weit ist der Mut in der Gruppe?
00:07:25: Barbara Messer Wie vorsichtig?
00:07:27: Barbara Messer Oder ist das Thema Angst eher da?
00:07:29: Barbara Messer Habe ich die Menschen richtig wahrgenommen?
00:07:31: Barbara Messer Also ich fange dann an, auch nochmal Fragen zu stellen.
00:07:33: Barbara Messer Es gibt ja auch Menschen, die sind zum Beispiel stiller und teilen sich nicht so viel mit.
00:07:37: Barbara Messer Die missverstehe ich oft, weil sie eben nichts sagen.
00:07:40: Barbara Messer Da muss ich dann öfter mal nachfragen.
00:07:42: Barbara Messer Dann rücke ich ihnen schon wieder zu sehr aufs Pelz.
00:07:45: Barbara Messer Weil jemand, der ruhiger ist, will ja auch ein bisschen in Ruhe gelassen werden.
00:07:49: Barbara Messer Für solche Sachen brauche ich diese halbe Stunde für mich.
00:07:54: David Sigos Ich beobachte das auch bei Lehrpersonen.
00:07:56: David Sigos Es gibt solche, die kommen praktisch nie in der grossen Pause, so um 10 Uhr, ins Lehrerzimmer, weil meistens ist es ziemlich laut, da wird auch gern diskutiert.
00:08:07: David Sigos Die einen betreiben Psycho-Hygiene, indem sie im Lehrerzimmer abladen, sich ein bisschen auskotzen.
00:08:15: David Sigos Und andere ziehen sich ganz, ganz bewusst zurück.
00:08:18: David Sigos Und da ist schon auch wichtig, dass man das auch akzeptiert und nicht missverstehen will, im Sinne von, ah, die will mit uns ja nichts zu tun haben.
00:08:30: David Sigos Und das ist halt wirklich so.
00:08:30: Barbara Messer Ja, aber auch dieses Abladen, was du sagst, wenn ich aus dem Klassenzimmer komme, alleine da bräuchte ich ja schon ein Ritual, um diese Unterrichtsstunde hinter mir zu lassen und meinen Kollegen nicht alles vor die Füße zu werfen, also im Sinne von Abladen, den Unmut äußern oder Frust, weil dann steht der ja im Lehrerzimmer.
00:08:50: Barbara Messer Das ist ja auch nicht ganz einfach, wenn da jeder seine emotionale Verfassung mal eben so den anderen vor die Füße wirft, oder?
00:08:54: David Sigos Ja, und das war in einem Team, weiss ich es noch ganz genau, das war schon ein grosses Thema.
00:09:04: David Sigos Das wurde wirklich auch an offiziellen Sitzungen diskutiert.
00:09:09: David Sigos Ich komme nicht mehr ins Lehrerzimmer, weil es mich so belastet.
00:09:13: David Sigos Sie würden gerne zwar kommen für einen...
00:09:16: David Sigos leichten Austausch, aber die Probleme, die da abgeladen werden, die waren vielen zu viel und da mussten wir wirklich so ein bisschen so eine Ecke definieren, okay, da darf man und da nicht.
00:09:29: David Sigos Funktionierte mässig, so viel zur Selbstregulation.
00:09:31: Barbara Messer Ja.
00:09:35: David Sigos Ja, aber es ist ein Thema, also Lehrer-Zimmer ist ja auch schon ein bisschen verpönt, bleiben wir bei Teamzimmer, sind ja natürlich auch die Lehrerinnen gemeint,
00:09:45: David Sigos Das ist ein altes Wort, Lehrerzimmer.
00:09:49: David Sigos Neben dem Teamzimmer, da denke ich, braucht es, also es kommt auf die Schule drauf an oder ich denke auch auf das Geschäft, das Büro.
00:09:59: David Sigos Je kleiner, desto eher braucht es wohl Regeln.
00:10:02: David Sigos Wenn das Teamzimmer genug groß ist, dann verteilt es sich, denke ich.
00:10:07: David Sigos Da kann man sich eher auch noch
00:10:09: David Sigos zurückziehen.
00:10:10: David Sigos Es war eher ein kleines Teamzimmer und man hörte einfach jedes Gespräch, hörte man von jeder Ecke aus.
00:10:17: Barbara Messer Ja, das wäre für mich wieder ein Raum, wo ich mich rausziehen würde, sondern dann gehe ich lieber auf den, ja, wo kann ich hingehen in der Schule?
00:10:26: Barbara Messer Ich bleibe zum Beispiel bei mir im Unterrichtsraum, im Trainingsraum und die Teilnehmenden gehen oft raus.
00:10:31: Barbara Messer Ich habe dann Musik an, die mich runterfährt, beruhigt oder, also auch jetzt die kleinen Pausen.
00:10:37: Barbara Messer Wenn ich eine 10-Minuten- oder Viertelstunde-Pause mache, dann sorge ich immer dafür, dass ich wieder in meine beste Verfassung komme.
00:10:44: Barbara Messer Dann trinke ich ganz viel,
00:10:45: David Sigos Vielen Dank.
00:10:46: Barbara Messer Gut, dann gehe ich auch kurz zur Toilette, dann vielleicht esse ich eine Kleinigkeit, wenn da was Gutes ist, aber ich höre Musik, ich räume auf, das heißt, ich reflektiere, ich sammle, ich sammle, so wie ich meine Unterrichtsmaterialien vorher ausgebreitet habe, sammle ich sie wieder ein, ich ordne, ich räume auf, das mache ich im Außen und im Innen, also ich bleibe dann dabei in meinem Raum.
00:11:09: Barbara Messer Weil wenn ich in ein Training komme, ziehe ich dort ja ein.
00:11:12: Barbara Messer Ich denke, das ist der Unterschied.
00:11:13: Barbara Messer Ich gehe in irgendein Hotel oder ein Tagungshaus, bringe meine Sachen mit, habe dann meine Ecke, mein Cockpit, wie ich das nenne.
00:11:20: Barbara Messer Und das ist mein Zuhause.
00:11:22: Barbara Messer In diesem Cockpit sitze ich und da bin ich dann wieder alleine.
00:11:26: Barbara Messer Oder die Teilnehmenden sind auch im Raum, aber die Musik legt so einen gewissen Teppich, einen Klangteppich, sodass ich nicht die Gespräche aufnehme.
00:11:38: Barbara Messer Das ist natürlich der Vorteil, dass ich danach im Raum bleibe.
00:11:41: Barbara Messer Ein Lehrer wechselt ja auch die Räume.
00:11:44: David Sigos Ja, jetzt in der Volksschule weniger.
00:11:46: Barbara Messer Ja.
00:11:46: David Sigos Also auf der Sekundarstufe beginnt das.
00:11:48: David Sigos Nein, die Schüler wandern.
00:11:50: David Sigos Die Personen haben quasi ihr Zimmer, wo sie auch das Material haben.
00:11:53: David Sigos Ja, ja.
00:11:54: Barbara Messer Ja, das ist ja fantastisch.
00:11:55: Barbara Messer Also das heißt, ich habe ja mein Reich, ich habe ja meinen Raum und dann, genau, der muss ja auch gelüftet werden, der muss gepflegt werden, geordnet werden, da muss die Energie der einen Klasse raus, die der anderen rein.
00:12:07: Barbara Messer Das ist eigentlich auch ein toller Raum, um sich zurückzuziehen und für sich zu sammeln.
00:12:13: David Sigos wechseln.
00:12:17: David Sigos Ja, wir sind ja mitten im Thema Psychohygiene.
00:12:20: David Sigos Vielleicht noch ein bisschen grösser gedacht, eben die Gesundheit am Arbeitsplatz oder auch die psychische Gesundheit von Menschen während der Arbeit.
00:12:31: David Sigos Das ist schon ein grosses Thema.
00:12:33: David Sigos Also bei mir auf jeden Fall.
00:12:36: David Sigos Bei dir auch.
00:12:38: Barbara Messer Naja, ich bin ja immer nur kurz da.
00:12:41: Barbara Messer Also ich biete ja nur eine Insel im Alltag.
00:12:45: Barbara Messer Das Training ist sowas wie eine Insel, eine Unterbrechung.
00:12:48: Barbara Messer Natürlich fällt auf, wenn jemand psychisch auffällig ist.
00:12:53: Barbara Messer So, das bringt aber mich dann wieder dahin zu überlegen, in welcher Rolle bin ich da?
00:12:56: Barbara Messer Bin ich jetzt als Therapeutin da?
00:12:58: Barbara Messer Nein, nein, das bin ich nicht.
00:13:00: Barbara Messer Also als wäre bin ich ja sowieso nicht.
00:13:02: David Sigos Mhm.
00:13:03: Barbara Messer Bin ich jetzt einfach nur die Trainerin, der Coach?
00:13:07: Barbara Messer Also es kommt vieles ja hoch.
00:13:10: Barbara Messer Ich bin an einem Artikel, also sitze ich, dass wir keine Trainings mehr brauchen, sondern Heilräume, weil wir dann wieder ganzer werden können oder weil Themen hochkommen.
00:13:23: Barbara Messer Ich denke, wenn ich ein Thema reinbringe, wenn ich etwas mache, wenn ich etwas provoziere, dann rege ich ja etwas an, ich triggere ja.
00:13:31: Barbara Messer Die Teilnehmenden, die Schüler.
00:13:33: Barbara Messer So, wenn ich jemanden triggere, also auch wenn sich jemand triggern lässt, da sind wir wieder bei dem Thema Psychohygiene, zu erkennen, wo hat mich etwas getriggert, also wo hat mich etwas berührt bei dem, was der andere getan hat.
00:13:46: Barbara Messer Dann kommen persönliche Themen hoch.
00:13:49: David Sigos Mhm.
00:13:49: David Sigos Mhm.
00:13:49: David Sigos Mhm.
00:13:49: Barbara Messer Das heißt, das Thema psychische Hygiene oder emotionale Gesundheit, mentale Gesundheit ist meiner Meinung nach sehr zentral, ist auch ein Fokus von Unterricht.
00:13:59: Barbara Messer Es geht ja heutzutage nicht mehr ausschließlich um die Vermittlung von Fachwissen.
00:14:05: Barbara Messer sondern es geht um Haltung, es geht um Lernen lernen, es geht um Leben lernen.
00:14:10: Barbara Messer Das heißt, wie gehe ich mit Dingen um, die mich aus der Ruhe bringen, gehört für mich auch in den Unterricht rein.
00:14:17: Barbara Messer Deswegen braucht die Lehrperson auch regelmäßige Supervision oder Klarheit, dass sie in ihrer Ruhe bleibt.
00:14:24: Barbara Messer Dann triggert sie weniger, dann löst sie weniger Projektionen aus.
00:14:28: Barbara Messer Das ist für mich ein Kreis.
00:14:30: Barbara Messer Da sind viele Sachen, die miteinander sehr tief verbunden sind.
00:14:33: David Sigos Aber trotzdem bist du wahrscheinlich auch der Meinung, man kann selbst mit kleinen Änderungen viel erreichen.
00:14:42: Barbara Messer Ja, auf jeden Fall.
00:14:45: David Sigos Ich dachte, ich interessiere mich immer ein bisschen, was die neuesten Strömungen, neuesten Ideen sind aus der normalen Arbeitswelt.
00:14:55: David Sigos So als Schulleiter jetzt gesprochen.
00:14:59: David Sigos Da habe ich gedacht, diese Check-in-Fragen, das ist ein alter Hut.
00:15:03: David Sigos Schon seit Jahren ist das eigentlich so.
00:15:06: David Sigos Gang und Geber und viele Teams machen das auch.
00:15:10: David Sigos Ich habe es übernommen und ich mache es auch lustvoll.
00:15:14: David Sigos Also ich beginne eigentlich jede Sitzung mit einer Frage oder ich zeige so eine lustige Skala, wo Katzen drauf sind, neun Bilder in ganz verschiedenen emotionalen Verfassungen oder Mr. Bean habe ich auch schon so eine Skala genannt.
00:15:33: David Sigos Das ist wirklich noch ziemlich lustig.
00:15:36: David Sigos Oder einfach auch ganz simpel die Skala-Frage, wo eine Zahl zwischen 1 und 10 ist, dein miesester Tag überhaupt in deinem Leben und 10 das Gegenteil, dein bester Tag überhaupt.
00:15:51: David Sigos Wo stehen die Leute?
00:15:54: David Sigos Das genügt ja eigentlich auch schon.
00:15:56: David Sigos Das braucht auch nicht wahnsinnig viel Vorbereitung.
00:16:00: David Sigos Ich glaube wirklich zu meinen, dass das einen Effekt hat.
00:16:05: David Sigos Ich ziehe es ziemlich konsequent durch, auch wenn wir eine volle Agenda haben für eine Sitzung, aber ich ziehe es durch.
00:16:13: David Sigos Ich will, dass sie sich kurz über sich äussern können, weil es ist sehr verlockend, sofort in das Thema einzusteigen und sofort wieder über eine Sache zu reden.
00:16:26: David Sigos anstatt auch mal kurz sich auszutauschen, wie geht es mir eigentlich?
00:16:27: David Sigos Ja.
00:16:27: David Sigos Ja.
00:16:27: David Sigos Ja.
00:16:32: Barbara Messer Ja, das finde ich für Meetings absolut wichtig.
00:16:35: Barbara Messer Und neben dem Aspekt, den du genannt hast, ist ja auch noch dabei, dass man jede Stimme einmal gehört hat.
00:16:40: Barbara Messer Also das hebt die Gesprächsbereitschaft, weil auch die Stillen sich schon mal geäußert haben.
00:16:46: Barbara Messer Aber diese Fragen, die kann ich mir ja stets und ständig selber stellen.
00:16:51: Barbara Messer Wie bin ich gerade unterwegs?
00:16:52: Barbara Messer Was hat mich aus der Ruhe gebracht?
00:16:56: Barbara Messer Was fehlt noch?
00:16:57: Barbara Messer Also das ist ja die Einladung zur Reflexion, aber es ist auch ein Übergang mit diesen Fragen.
00:17:02: Barbara Messer Eröffnest du das Meeting, genauso wie man ja am Ende auch fragen kann, was ist die Essenz, was nimmst du mit, was war für dich besonders wertvoll?
00:17:11: David Sigos Mhm.
00:17:11: Barbara Messer Das sind ja auch diese Übergänge und die haben für mich auch mit Psychohygiene zu tun, wie wir ja auch diese Folge wahrscheinlich nennen werden.
00:17:18: Barbara Messer Dieses, ich gehe in den Unterricht rein, ich gehe aus dem Unterricht wieder raus.
00:17:23: Barbara Messer Ich gehe ins Meeting rein, ich gehe aus dem Meeting wieder raus.
00:17:26: Barbara Messer Ich gehe in einen kleinen privaten Moment, wenn ich irgendwo auf den Schulhof gehe, ein Brot esse oder so etwas.
00:17:32: Barbara Messer Oder ich gehe manchmal in das Foyer oder in den Hotelgarten, wenn es den gibt, und gehe mal kurz raus.
00:17:38: Barbara Messer Diese Übergänge.
00:17:39: Barbara Messer Damit kann ich meine Rolle klären, meine Präsenz klären und das ist für mich auch etwas Wesentliches.
00:17:46: Barbara Messer Und dann mit deinen Fragen fängt das Meeting an.
00:17:48: Barbara Messer Da weiß ich, jetzt bin ich nicht der, der vorne steht und lehrt, jetzt bin ich Teammitglied.
00:17:49: David Sigos Ja.
00:17:49: David Sigos Ja.
00:17:55: Barbara Messer Jetzt habe ich mich als Kollegin zu befinden.
00:17:59: Barbara Messer Und diese Rollenklarheit ist ja auch was Wertvolles, zu wissen, in welcher Rolle bin ich jetzt.
00:18:04: Barbara Messer Oder wenn ich in meiner Rolle daneben liege, also wenn ich zu sehr retten will zum Beispiel oder wenn ich anklage, kann ja auch sein, dass ich sauer bin über einen Schüler, mit dem ich nicht zurechtkomme, dann
00:18:18: Barbara Messer Möchte ich mich vielleicht sogar über ihn beschweren?
00:18:21: Barbara Messer Dann ist die Frage, in welcher Rolle bin ich da?
00:18:23: Barbara Messer Was treibt mich da gerade?
00:18:24: Barbara Messer Das sind für mich ganz wertvolle Fragen.
00:18:27: Barbara Messer Wer bringt mich aus der Ruhe und warum?
00:18:27: David Sigos Ja.
00:18:27: David Sigos Ja.
00:18:29: Barbara Messer Und dafür brauche ich immer einen Übergang in eine kleine Zeit für mich, ein, zwei Minuten an die Seite.
00:18:35: Barbara Messer Früher in der Pflege bin ich immer in die Wäschekammer gegangen.
00:18:38: Barbara Messer Das ist so ein Raum gewesen mit der ganzen Bettwäsche und Handtüchern.
00:18:42: Barbara Messer Der war so wunderbar still.
00:18:44: Barbara Messer wie so ein Tonstudio.
00:18:46: Barbara Messer Und da habe ich mich ein, zwei Minuten in die Wäschekammer gestellt und geatmet.
00:18:50: Barbara Messer Weil dann komme ich von einem Zimmer in das nächste und hatte noch einen Übergang.
00:18:54: Barbara Messer Und das ist für mich ganz wichtig als Übergang oder Neusortierung.
00:19:00: David Sigos Kennst du den Begriff oder die Methode Achtsamkeitsschlaufe?
00:19:05: Barbara Messer Das habe ich sicherlich schon mal gehört, aber du wirst es mir jetzt erklären.
00:19:10: David Sigos Ja, ich übe noch daran.
00:19:12: David Sigos Es ist eigentlich schwierig, jetzt für mich immer wieder daran zu denken, dass ich es anwende.
00:19:19: David Sigos Es ist eigentlich sehr simpel.
00:19:22: David Sigos Die Achtsamkeit beginnt bei mir, also in einem Gespräch, in einem Training oder auch während dem Unterricht.
00:19:30: David Sigos Und dann merke ich so, jetzt ist etwas passiert, das spricht mich an, aber vielleicht auch im negativen Sinne, ich rege mich auf, ich habe etwas wiederholt und es funktioniert einfach nicht.
00:19:43: David Sigos Und da mal einfach umzuschalten, einfach mal wahrzunehmen, also der erste Schritt in dieser Schlaufe ist so,
00:19:52: David Sigos wahrnehmen, was macht jetzt gerade mein Körper.
00:19:56: David Sigos Einfach mal wahrnehmen, was macht mein Kopf, meine Schultern, also wirklich mein Bauch, mein Herz, meine Muskulatur.
00:20:05: David Sigos Was machen die, wie fühlen die sich an?
00:20:08: David Sigos Oder sitze ich, spüre ich mein Gesäss, den Druck des Stuhles oder stehe ich?
00:20:14: David Sigos Einfach solche Fragen, die zentrieren ja wieder zurück in den Körper quasi und dann bleibe ich für einen Moment bei mir.
00:20:24: David Sigos Der zweite Schritt ist dann einfach mal akzeptieren, dass dann bin ich vielleicht sauer auf ein Kind und dann einfach akzeptieren, ich darf für einen Moment auch sauer sein, dass dieses Gefühl ist erlaubt.
00:20:42: David Sigos wenn ich das auch wirklich nachher gut annehmen kann.
00:20:46: David Sigos Und dann eben auch das Loslassen, das wäre so quasi der dritte Schritt, dass ich sage, ja, ich lasse diese Wolke jetzt an mir vorbeiziehen, das Gefühl darf kommen, es darf auch wieder gehen.
00:21:00: David Sigos Und dann kann ich auch das Gleiche praktisch mit der Gegenseite machen.
00:21:05: David Sigos Das geht ja auch Richtung Empathie.
00:21:08: David Sigos Einfach mal wahrnehmen, wie sitzt das Kind da oder der Trainee oder wer auch immer.
00:21:15: David Sigos Dass das wirklich auch bei dieser anderen Person das wahrnehmen, akzeptieren, die ist jetzt versteift, die ist irgendwie in der Aggression drin, loslassen, das hat meistens ja gar nichts mit mir selbst zu tun,
00:21:30: David Sigos Und dann eben quasi das Wiederholen, das Ganze.
00:21:33: David Sigos Ja.
00:21:33: David Sigos Ja, mhm.
00:21:34: Barbara Messer Ja, also ich kenne das vielleicht mit einem anderen Begriff, aber das ist ja auch eine Art Check-up, das ich kurz scanne.
00:21:43: Barbara Messer Also ich kenne das aus der Theaterarbeit, wie bin ich in so einem Bodyscan.
00:21:48: Barbara Messer Aus dem Hoffmann-Prozess kenne ich das auch für verschiedene Ebenen von unserem Sein.
00:21:52: Barbara Messer Das ist schon absolut wertvoll, das immer wieder zu machen.
00:21:56: Barbara Messer Das reichen ja auch Sekunden, Minuten.
00:21:59: Barbara Messer Man kann sich ja darin üben, diese Wahrnehmung zu erhöhen, ja.
00:22:02: David Sigos Mhm.
00:22:03: Barbara Messer Und eben auch, was ich so wichtig finde, wenn der Trainingsalltag zu Ende ist und ich zurückgehe in mein Privatleben, dann will ich ja das nicht mitnehmen.
00:22:13: Barbara Messer Das ist ja das, was wir belastend finden und unser Alltag ist ja eh voll, immer voller, immer wilder, immer mehr Einflüsse, immer mehr Informationen, die wir zu verarbeiten haben.
00:22:22: Barbara Messer Und dieser Übergang in das Private ist wichtig und da genauso eine Achtsamkeitsschleife nochmal zu machen, eine Abschiedsschleife.
00:22:33: Barbara Messer Ich hatte damals den Vorteil als Pflegekraft, dass ich einen Kittel getragen habe und ich bin ja Fan von Berufskleidung.
00:22:39: David Sigos Okay.
00:22:39: David Sigos Ja.
00:22:39: Barbara Messer Weil wenn ich die wechsle, wechsle ich ganz bewusst die Rolle.
00:22:44: Barbara Messer Ich ziehe ja auch im Training andere Kleidung oft an als privat, damit ich diesen Wechsel habe.
00:22:51: Barbara Messer Damit ich weiß, jetzt bin ich offiziell, jetzt bin ich wieder privat.
00:22:54: Barbara Messer Ich wechsle die Brille, das sind für mich Übergänge.
00:22:58: Barbara Messer Und dieser Scan oder diese Achtsamkeitsschleife ist für mich, oder denke ich, nicht nur für mich, sondern für jeden wertvoll, auch eben rauszukriegen, wo habe ich mich geärgert oder mit wem, nenne ich das ja immer, habe ich noch was laufen?
00:23:11: David Sigos Mhm.
00:23:14: Barbara Messer Also dieses auch rauszukriegen, warum ich zum Beispiel meine, dieser Schüler ist schwierig oder warum ich den vielleicht nicht so mag.
00:23:22: Barbara Messer Da haben wir ja auch schon mal drüber gesprochen.
00:23:24: Barbara Messer Das ist ja auch eine gewisse Form der
00:23:28: Barbara Messer Zuwendung geht oder Sympathie.
00:23:31: Barbara Messer Du hattest im Vorgespräch den Gerald Hüther angesprochen, der davon spricht, dass es keine Schüler sind, sondern es sind Menschen, also das Kind zu sehen oder den Jugendlichen.
00:23:42: David Sigos Da habe ich, nee, nee, nee, ist alles super.
00:23:42: Barbara Messer Habe ich jetzt was vorweggenommen?
00:23:44: Barbara Messer Ja.
00:23:46: David Sigos Es ist noch besser.
00:23:48: David Sigos Ich kann es noch toppen.
00:23:49: David Sigos Und da habe ich es wirklich der jungen Lehrerin wirklich klar machen müssen, die hat die Kinder, es waren am Schluss eigentlich nur noch Früchtchen.
00:24:00: David Sigos Also der eine war die Banane, der andere war die Aprikose.
00:24:02: Barbara Messer Mhm.
00:24:04: David Sigos Also es wurde ja eigentlich für sie selbst, oder dass die Kinder in der ersten Klasse, die können noch nicht lesen,
00:24:12: David Sigos Und dann hat sie so Bilder geklebt und dann war das die Banane.
00:24:17: David Sigos Also es war nicht
00:24:21: David Sigos habe ich das angesprochen, dass das schon sehr entmenschlichend ist.
00:24:27: David Sigos Und da habe ich ein bisschen dagegen gesteuert.
00:24:29: David Sigos Aber eben, ich vermisse so stark, dass solche Themen auch in der Ausbildung stattfinden.
00:24:37: David Sigos Aber das kommt nicht vor.
00:24:39: David Sigos Das bestätigen mir reihenweise die jungen Abgänger, Abgängerinnen der pädagogischen Hochschule.
00:24:47: David Sigos Solche Sachen werden nicht thematisiert.
00:24:50: Barbara Messer Ja, das ist traurig.
00:24:51: David Sigos Ja, das ist so leider.
00:24:52: David Sigos Genau.
00:24:52: David Sigos Ja, Jahrzehnten, ja.
00:24:52: Barbara Messer Das ist traurig.
00:24:53: Barbara Messer Damit ändert sich das System ja auch nicht.
00:24:58: Barbara Messer Ja, also wer ist dann, was ist Bildung?
00:25:00: Barbara Messer Wer ist für Bildung verantwortlich?
00:25:02: Barbara Messer Wer sagt, was in diese Ausbildung hineingehört?
00:25:06: Barbara Messer Das ist so maßgeblich bestimmend.
00:25:11: Barbara Messer Und was ist mit Strömungen?
00:25:12: Barbara Messer Ich meine, Gerald Hüther ist natürlich einer, der im Moment sehr viel äußert, aber auch schon seit Jahrzehnten.
00:25:19: Barbara Messer Also Gerald Hüther ist ja jetzt nicht erst so ein Shootingstar, sondern wir haben ihn schon 2002 auf Lehrkongressen gehabt.
00:25:28: Barbara Messer Das ist für mich unverständlich, dass diese Strömungen nicht einfließen in die Bildung, Gestaltung von Schule, ja.
00:25:37: David Sigos Ich mache gerne immer das Beispiel mit dem Hütter verknüpft.
00:25:42: David Sigos Wenn ich kritisiert werde als Schulleiter, dann heisst es vielleicht im Dorf, ja, die Schulleitung, die ist unfähig.
00:25:53: David Sigos Und da habe ich das für mich mal so begonnen abzustufen.
00:25:57: David Sigos Also dann sagen zum Beispiel Eltern über mich ja die Schulleitung und eigentlich gibt es nur eine Schulleitung, eine Person, dann heisst es auch die Schulleitung.
00:26:04: Barbara Messer Ja, ja.
00:26:10: David Sigos Wenn ich einen schlechten Tag habe und mir jemand so schreibt, dann schreibe ich zurück, lieber Lehrkörper.
00:26:16: David Sigos Einer Person natürlich nur.
00:26:18: David Sigos Einfach, dass es ein bisschen bewusst wird.
00:26:21: David Sigos Ja, und dann habe ich wirklich gemerkt, jetzt habe ich den Faden verloren.
00:26:27: David Sigos Wo war ich?
00:26:29: Barbara Messer Naja, dass über die Schulleitung gesprochen wird und zum Beispiel nicht der Name genannt wird.
00:26:32: David Sigos Ja, genau, genau, genau.
00:26:34: David Sigos Ja, und dann habe ich das zum Verbildlichen gesagt, okay, anstatt die Schulleitung ist unfähig, sage ich schon mal, der Schulleiter ist unfähig, dann bist du schon ein bisschen näher und dann kann man das noch ein bisschen mehr toppen.
00:26:51: David Sigos dann kann man ja sagen, der David ist unfähig.
00:26:55: David Sigos Das hat schon wie ein anderes Gewicht, als wenn ich sage, die Schulleitung ist unfähig, der David ist unfähig.
00:27:02: David Sigos Das hat für mich schon eine andere.
00:27:04: David Sigos Und das Letzte ist natürlich im direkten Gespräch, du David, du bist unfähig.
00:27:09: Barbara Messer Das ist aber ja auch eine krasse Aussage.
00:27:12: Barbara Messer Du bist unfähig.
00:27:14: David Sigos Ja.
00:27:14: Barbara Messer Das ist ja erstmal eine Generalisierung ohne Ende.
00:27:15: David Sigos Ja, ich... Ja, ja, ja, ja.
00:27:18: David Sigos Aber...
00:27:19: Barbara Messer Aber natürlich macht es einen Unterschied.
00:27:20: Barbara Messer Aber schau doch in die Arbeitswelt.
00:27:22: Barbara Messer Der Chef oder die Heimleitung.
00:27:23: David Sigos Ja, genau.
00:27:23: David Sigos Ja.
00:27:23: David Sigos Ja.
00:27:23: David Sigos Ja.
00:27:26: Barbara Messer Das ist immer dieses Anonyme.
00:27:30: Barbara Messer Dann kann man wahrscheinlich besser motzen.
00:27:34: Barbara Messer Wenn ich dann sage, der David, bei dem habe ich heute folgende Schwäche wahrgenommen, die habe ich schon fünfmal erlebt, das ist schon sehr viel persönlicher, da muss ich mich auch outen.
00:27:43: Barbara Messer Aber dieses, ja, ja, der Chef oder der Vorstand, die haben es nicht im Griff oder die machen alles in ihre Tasche, also das ist eine spannende Frage und spannender Gedanke für dieses Thema.
00:27:56: Barbara Messer Geht es um das Subjekt oder Objekt?
00:27:59: David Sigos Ja.
00:27:59: David Sigos Ja.
00:27:59: Barbara Messer Geht es um den Schüler, den Menschen?
00:28:03: Barbara Messer Ja, und das sind diese Fragen, finde ich, das ist ja ein kleiner Philosophie- und Reflexionskurs mit sich selbst.
00:28:08: Barbara Messer Die verstehe ich unter Psychohygiene.
00:28:12: Barbara Messer Warum habe ich heute mehr Microshaming als an anderen Tagen?
00:28:18: Barbara Messer Warum brauche ich das?
00:28:20: Barbara Messer Was fehlt mir?
00:28:21: Barbara Messer Also was brauche ich auch, um in die beste Verfassung zu kommen?
00:28:25: Barbara Messer In die beste Version meiner selbst, das ist meine Frage immer, um auch belastbar zu bleiben oder die Belastung sanfter aufzufangen.
00:28:31: David Sigos Ja, lass uns doch hier abschließen.
00:28:39: Barbara Messer Wunderbar.
00:28:40: Barbara Messer Ich wüsste auch nichts mehr zu sagen jetzt.
00:28:43: David Sigos Ja, dann ist doch gut.
00:28:44: David Sigos Psychohygiene in der Bildung.
00:28:48: David Sigos So haben wir mal das Thema angesprochen.
00:28:52: David Sigos Ich war gespannt, wo es uns hintreibt.
00:28:56: David Sigos Danke vielmals, Barbara, für deine Gedanken.
00:28:57: Barbara Messer Ich danke dir und sage Tschüss.
00:29:00: David Sigos Tschüss.
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