Humor und Autorität
Shownotes
David eröffnet die Folge mit der Beobachtung, dass herkömmliche Autoritätsstrukturen zunehmend bröckeln, da Lehrkräfte nicht mehr die alleinigen Verwalter von Wissen sind. Autorität wird heute primär über die persönliche Haltung und die Fähigkeit definiert, den Raum sicher zu halten und gleichzeitig Wachstum zu ermöglichen. Barbara betont dabei die ursprüngliche Bedeutung von Autorität als etwas, das andere gross macht, ähnlich wie ein Autor, der sein Wissen teilt. Ein wichtiges Thema ist die Angst vor Kontrollverlust durch Humor. Viele junge Lehrende befürchten, bei Witzen als schwach zu gelten, doch Humor wird hier als eine Kraft beschrieben, die Klarheit und Lockerheit vereint und die Beziehung zu den Lernenden vertieft.
Ein wesentlicher Teil des Gesprächs widmet sich der Qualität des Humors: Er sollte andere erheben und nicht durch Sarkasmus oder Zynismus erniedrigen. Barbara schildert, wie sie sich in schwierigen Trainingsmomenten bewusst zurückzieht – ein Moment des Innehaltens und Trinkens –, um die Situation zu reflektieren und eine nährende Intervention zu wählen. Solche „Hacks“ helfen dabei, nicht impulsiv zu reagieren, sondern das Feld souverän zu beherrschen. Auch der Einsatz von Rollenspielen, wie das Telefonieren mit imaginären Figuren, wird als wirkungsvolles Mittel zur Deeskalation und zum Schaffen neuer Zugänge vorgestellt.
Die Episode beleuchtet zudem kulturelle Unterschiede im Humor und die Notwendigkeit von Feingefühl gegenüber verschiedenen Altersgruppen. David und Barbara plädieren dafür, Humor ernst zu nehmen und ihn durch Methoden wie Improvisationstheater aktiv zu schulen. Ziel ist es, eine humorvolle Kultur zu schaffen, in der auch über eigene Fehler gelacht werden darf, was die Lehrperson nahbar macht, und eine entspannte Lernatmosphäre fördert. Abschliessend wird deutlich, dass eine gute Autoritätsperson den Raum choreografiert und durch Wachsamkeit und muntere Präsenz überzeugt.
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Transkript anzeigen
00:00:01: David Sigos Hallo Barbara.
00:00:02: Barbara Messer Hallo David.
00:00:09: David Sigos bröckelt?
00:00:12: David Sigos Mir ist nämlich wirklich aufgefallen, dass die Autorität schon seit ein paar Jahrzehnten wegbricht, wegbröckelt und besonders die älteren Lehrpersonen, die haben ein bisschen Mühe damit,
00:00:26: David Sigos weil die sind sich natürlich gewohnt, dass man automatisch Autorität hat oder bekommt, aber die ist immer mehr weg.
00:00:34: David Sigos Ich denke, es hat mit dem Internet zu tun.
00:00:37: David Sigos Das Internet hat das Informationsmonopol ein bisschen,
00:00:42: David Sigos aufgelockert, aufgelöst und eigentlich hat man nicht mehr so den Topf des Wissens, sondern eigentlich geht es jetzt um das Vermitteln von Methoden, wie man lernt und nicht mehr nur, was man lernt.
00:00:58: David Sigos Und diese Autorität, die ist jetzt wie gebrochen und da hadern sehr viele damit.
00:01:05: David Sigos Hast du das auch schon gemerkt?
00:01:08: Barbara Messer Naja, ich gehe davon aus und beobachte das so, dass, was ist denn Autorität und dass die Verständnisse, die Definition von Autorität sich verändert hat.
00:01:20: David Sigos Mhm.
00:01:21: Barbara Messer Mit was vergleichen wir denn oder mit was gehen wir automatisch in Resonanz, wenn wir über Autorität denken?
00:01:28: Barbara Messer Bei mir kommt sowas wie Strenge.
00:01:31: Barbara Messer Das liegt da als Nachbar gleich nebenan die Stränge.
00:01:34: Barbara Messer Was ist Autorität?
00:01:37: Barbara Messer Wie würdest du das beschreiben?
00:01:39: David Sigos Ja, mit einer Haltung.
00:01:40: Barbara Messer Und was genau hat sich verändert?
00:01:42: David Sigos Für mich ist eigentlich Autorität Ausstrahlung und Haltung.
00:01:48: David Sigos Ich hätte jetzt gesagt, im Judo-Training, je nach Alter, bin ich nicht autoritär, aber ich mache schon klar, dass ich der Chef bin und sonst hätten wir ein bisschen Chaos in den Trainings oder auch in den Schulen, im Sportunterricht.
00:02:03: David Sigos Dort muss ich wie durchgreifen und
00:02:06: David Sigos Ich habe einfach gemerkt, ich bin bewusst autoritär in ganz gewissen Situationen und ich mache es eigentlich wortlos.
00:02:16: David Sigos Ich mache es mit einem Blick, schüttle dann den Kopf oder mache so das Zeichen mit den zwei Fingern zu den Augen hin und so.
00:02:25: David Sigos dass sie wissen, okay, ich beobachte dich und jetzt bin ich nicht einverstanden.
00:02:30: David Sigos Und wenn es sein muss, dann rufe ich vielleicht noch kurz den Namen, dass wir Augenkontakt haben.
00:02:35: David Sigos Aber ansonsten drücke ich jetzt meine Autorität nicht durch.
00:02:41: David Sigos Also wenn, ja, Autorität ist für mich wirklich so, ich habe den Lied, ich führe die Lektion, die Stunde, das Training,
00:02:54: David Sigos und lasse aber natürlich den Willen zu, wenn jetzt jemand eine Pause braucht oder aufs WC muss oder so, auch in einem Training und Coaching, dann lasse ich das natürlich zu.
00:03:08: David Sigos Oder man kann es auch mit der Formulierung den Raum halten.
00:03:13: David Sigos Das gefällt mir auch ganz gut.
00:03:15: David Sigos Und das merke ich bei dir auch zum Beispiel.
00:03:18: David Sigos Also ich würde dich jetzt
00:03:20: David Sigos autoritär beschreiben, im positiven Sinne, dass du auch in grösseren Gruppen, das habe ich ja wirklich schon erlebt, den Raum halten kannst.
00:03:30: Barbara Messer Ja, das ist vielleicht nur ein kleiner Streich entfernt von Beherrschen.
00:03:37: Barbara Messer Ich beherrsche den Raum, ich beherrsche, was ich mache.
00:03:40: Barbara Messer Wenn wir auf das Wort Autorität gucken, dann sind wir auch bei dem lateinischen Wort augere und das heißt vermehren, wachsen lassen, Autorität zu machen.
00:03:50: Barbara Messer meint also ursprünglich auch jemanden, der andere stärkt, also das Wachstum.
00:03:55: Barbara Messer Und das ist, denke ich, das, was oft verwechselt wird.
00:03:59: Barbara Messer Autoritär ist nicht streng, nicht strafend, sondern Raum geben.
00:04:04: Barbara Messer Es gibt Klarheit, es gibt Ruhe.
00:04:07: Barbara Messer Wer autoritär ist, behält die Ruhe, auch wenn gerade Chaos sich verbreitet oder ähnliches, ja.
00:04:14: David Sigos Mhm.
00:04:15: Barbara Messer Und es ist sicherlich eine Frage, wo es sich lohnt, tiefer zu gucken, was ist die Autorität, die man von außen sieht oder die auch eben von innen gelebt wird.
00:04:26: Barbara Messer Ich kenne ja auch den Satz, Autorität kommt von Autor.
00:04:30: Barbara Messer Und ich bin ja Autorin von vielen Büchern.
00:04:33: Barbara Messer Und das, was ich da schreibe, damit mache ich auch andere groß oder helfe ihnen,
00:04:39: Barbara Messer Vielleicht, weil ich mich in dem einen oder anderen auskenne und das teilen mag.
00:04:44: Barbara Messer Und dieses Auskennen, das heißt für mich auch, wie du jetzt zum Beispiel im Judo-Unterricht, du weißt, wie das geht und du hast noch den Blick dazu für die anderen, die du darin groß machen möchtest.
00:04:58: Barbara Messer Das heißt, dieser Begriff des Raumhaltens oder Raumgebens ist für mich da etwas ganz Wesentliches drin, was du eben gesagt hast.
00:05:05: David Sigos Mhm.
00:05:05: David Sigos Mhm.
00:05:05: Barbara Messer Ich halte den Raum, ich beherrsche den Raum.
00:05:08: Barbara Messer Beherrschen heißt ja nicht, dass ich meine Macht negativ auslebe und irgendwie übernatürlich streng werde, aber ich habe alles im Griff.
00:05:17: Barbara Messer Ich kann es choreografieren, ich habe die Regie, ich bin im Lied sozusagen für das, was da gerade stattfindet, ja.
00:05:26: David Sigos Ich habe bei mir selbst auch noch gemerkt, auch wenn ich streng bin in den Judo-Trainings, aber doch natürlich sehr liebevoll, mache ich es immer mehr mit ein bisschen Humor.
00:05:38: David Sigos Also ich lächle ganz, ganz bewusst, auch in kritischen Situationen jetzt im Sport, lächle ich so zu, so ui, ui, das war jetzt kritisch, aber du hast es gemeistert.
00:05:51: David Sigos Und ich beobachte selbst als Schulleiter dann, es ist oft extrem trocken in den Schulzimmern, im Sinn von humorlos trocken.
00:06:02: David Sigos Das finde ich natürlich dann extrem schade.
00:06:05: David Sigos Und wenn ich mit Lehrpersonen darüber spreche, dann haben sie so eine gewisse Angst, dass sie die Kontrolle verlieren, wenn sie lustig werden.
00:06:14: Barbara Messer Genau.
00:06:16: Barbara Messer Ja, weil sie denken, das ist nicht seriös und sie wissen nicht, was dann passiert oder dass Humor auch als Schwäche ausgelegt wird, so unter dem Motto, naja, ich konnte nicht anders oder dass sie eben das Feld nicht beherrschen, ja.
00:06:31: Barbara Messer Oder dass sie auch Angst haben, dass der Humor ausgenutzt wird, dass man sich selbst dann wiederum über sie lustig macht.
00:06:31: David Sigos Das ist...
00:06:38: Barbara Messer Oder dass sie zu locker wirken, dass sie eben nicht autoritär sind.
00:06:42: Barbara Messer Dabei ist für mich Humor genau die Kraft, die Haltung,
00:06:47: Barbara Messer die Autorität stärkt, weil wir, also Humor ist für mich eine Intelligenzleistung, da werden wunderbare Eselsbrücken gelegt, neue Perspektiven, man lädt ein, das Thema nochmal anders zu betrachten.
00:07:02: Barbara Messer Also das ist für mich genau eine wundervolle Facette von Autorität.
00:07:10: David Sigos Ich habe auch schon gemerkt, dass Lehrpersonen, die mit Humor und Autorität wirken, die werden extrem geschätzt, geliebt von den Kindern, von den Jugendlichen, weil sie Klarheit bringen und trotzdem eine Lockerheit.
00:07:30: Barbara Messer Ja, aber
00:07:31: David Sigos Das finde ich eigentlich so die erstrebenswerte Kombination.
00:07:35: David Sigos Also ebenso, ich weiss eben in Deutschland ist Autorität und Autorität vielleicht ein bisschen ein schwieriger Begriff von früher, aber
00:07:47: David Sigos Und es gibt ja jetzt auch diese neue Autorität in den Schulen, das müssen wir jetzt hier nicht vertiefen, das ist eine neue Haltung, eben eine neue Autorität, dann wird es auch verrissen und diskutiert, ja, warum ist das eine neue Autorität?
00:08:01: David Sigos Es gab vor Jahren auch mal so ein Buch von einem Schulleiter eines Internats, Lob der Disziplin,
00:08:10: David Sigos Da musste wirklich einiges einstecken.
00:08:14: David Sigos Das war wirklich sehr eine spannende Diskussion.
00:08:19: David Sigos Mit schwarzer Pädagogik wurde dann da vorgeworfen, dass das eben über das Mass der Disziplinierung ging, was er beschrieben hat.
00:08:29: David Sigos Dabei hat er einfach beschrieben,
00:08:34: David Sigos Den jungen Menschen, die das auch wollen und akzeptieren, tut eine gewisse Strenge gut.
00:08:40: David Sigos Das war so seine Haltung.
00:08:42: David Sigos Und da kann man natürlich sehr geteilter Meinung sein.
00:08:46: David Sigos Ich weiss jetzt nicht, wie humorvoll es zuging in diesem Internat, so wie es...
00:08:51: David Sigos wirkt eher weniger natürlich.
00:08:54: David Sigos Das war halt schon eher wirklich die Strenge schlug durch.
00:08:59: David Sigos Da wäre natürlich eben noch interessant zu wissen, wie das mit dem Humor war.
00:09:03: David Sigos Ja, aber Humor im Alltag, das finde ich schon, ich finde das auch extrem witzig.
00:09:08: David Sigos Ich versuche da wirklich aufzulockern und ich habe gemerkt,
00:09:11: David Sigos Wenn man Humor reinbringt, geht man natürlich ein bisschen in die Richtung, wird man jetzt ein bisschen weniger ernst genommen, zieht man jetzt ein wichtiges Thema ins Alberne.
00:09:26: David Sigos Und ich denke, das braucht auch ein bisschen Übung, ein bisschen Erfahrung.
00:09:30: David Sigos Ich finde es aber trotzdem wichtig, eine gewisse Leichtigkeit, auch wenn es
00:09:35: David Sigos Ja, also aktuell bin ich wirklich in einem sehr angenehmen Team unterwegs und ja, da lache ich auch wirklich oder dann komme ich und sage, hey, jetzt ist mir das passiert und dann lache ich mit anderen über meinen eigenen Fehler und das tut gut und das mache ich auch gerne.
00:09:54: David Sigos Ja.
00:09:54: Barbara Messer Ja, es gibt ja auch ganz verschiedene Arten von Humor.
00:09:57: Barbara Messer Es gibt ja den Humor, der andere höher hebt oder der sie niedrig macht oder ich kann mich selbst erhöhen oder erniedrigen.
00:10:05: Barbara Messer Also dieses über sich selber lachen ist ja eine Einladung, zum Beispiel eine Schwäche zur Stärke zu machen, über eine neue Erkenntnis zu lachen.
00:10:13: Barbara Messer Wenn ich aber über jemanden anderen einen Witz mache, dann erhebe ich mich, mache den anderen kleiner.
00:10:19: Barbara Messer Das kann dann schon ein Geschmäckle haben.
00:10:22: David Sigos Und
00:10:22: Barbara Messer Also auch sowas wie...
00:10:24: Barbara Messer Bei uns waren das früher die Ostfriesen-Witze.
00:10:27: Barbara Messer Also man macht über eine bestimmte Gruppe Witze.
00:10:30: Barbara Messer Das kann sehr bitter werden, aber ein Humor, der erhebt, der zu etwas Neuem einlädt, der tut ja gut.
00:10:38: Barbara Messer Also wenn ich jetzt mal wieder zurückgucke in mein ursprüngliches Feld, die Pflegeabgabe,
00:10:44: Barbara Messer Dann gibt es die Klinik-Clones, dann gibt es Patch Adams, da gibt es Ärzte, die gerade in sehr intensiven Situationen von Schicksal, von Krise, von Schmerz den Humor dazunehmen, dann ist das meiner Meinung nach eine Zugabe, ein Hineingeben von etwas Gutem.
00:11:04: Barbara Messer Ich glaube an das Gute in der Situation, ich glaube, dass es uns entspannt, wenn wir mal kurz atmen und lachen und uns lockern.
00:11:07: David Sigos Vielen Dank.
00:11:12: Barbara Messer Also wenn ich an Trainings denke, wo
00:11:15: Barbara Messer Also gerade Team-Trainings in Teams, die zusammenarbeiten.
00:11:19: Barbara Messer Und es kommt so der Konflikt hoch, es wird schwieriger.
00:11:22: Barbara Messer Einige werden still, andere werden lauter.
00:11:25: Barbara Messer Und dann nehme ich mich diesen kleinen Moment raus.
00:11:29: Barbara Messer Dann gehe ich ja oft immer nach hinten da in mein Cockpit, trinke was, atme bewusst halt mal an und überlege, wie kann ich die Situation jetzt auflösen, aufbrechen, welchen Aspekt noch.
00:11:40: Barbara Messer Oder was kann ich jetzt machen, was kurz...
00:11:44: Barbara Messer zum Lachen einlädt, also dass ich etwas Komisches mache, dass ich etwas Komisches mache und sei es, dass ich stolpere, dass ich mit meinem Material spiele oder eine entspannende Intervention mache.
00:12:01: Barbara Messer Das ist für mich was ganz Wichtiges, dass der Humor was reingibt, ja.
00:12:02: David Sigos Darf ich, darf ich, ja, ich glaube, das ist noch ein sehr wichtiger Punkt, kannst du es nochmal sagen?
00:12:09: David Sigos Also, du hast dir bewusst eine Pause genommen, irgendwie kurz einen Schluck Tee trinken oder irgendwas.
00:12:17: Barbara Messer Ja, ich nehme mich raus, um zu überlegen, was ist jetzt das?
00:12:19: David Sigos Und in welcher Situation nimmst du dich genau raus, wenn es kritisch wird oder irgendwie...
00:12:25: Barbara Messer Ja, wenn es kritisch wird oder auch bei bestimmten Fragen, das hatte ich neulich mal ganz intensiv, eben auch da gab es eine Diskussion, eine Frage, wie man sich zu verhalten hat.
00:12:36: Barbara Messer Und die Frage ist auch an mich gerichtet worden.
00:12:40: Barbara Messer Und ich bin nach hinten gegangen, in mein Cockpit, habe was getrunken.
00:12:43: Barbara Messer Das ist für mich immer, das ist mein Ritual.
00:12:44: Barbara Messer Ich trinke etwas, dann gehe ich in mich und sinniere nach, spüre nach, denke nach, rekapituliere, reflektiere.
00:12:51: Barbara Messer Und dann hatte mich schon einer aus der Gruppe gefragt, sag mal Barbara, wir hatten dir eine Frage gestellt.
00:12:57: Barbara Messer Ich habe gesagt, ja, ja, ich denke ja auch noch über die Antwort nach.
00:13:01: Barbara Messer In diesem Zeitmoment beruhige ich mein System, damit ich zum Beispiel nicht bissig werde oder sarkastisch.
00:13:07: David Sigos Ja, genau.
00:13:07: David Sigos Ja.
00:13:08: Barbara Messer Das verwechseln ja auch einige mit Humor.
00:13:10: Barbara Messer Sondern was kann ich jetzt tun, um die Situation zu nähren?
00:13:14: Barbara Messer Dieses Rausnehmen ist für mich, ich gucke mal eben auf die Palette meiner Möglichkeiten.
00:13:19: Barbara Messer Und ich gucke, was ist in mir, damit ich nicht in, ja, also Sarkasmus und Zynismus gehören für mich nicht in den Unterricht oder ins Training,
00:13:29: Barbara Messer Ja, also dass ich meinen Humor so zur Verfügung stelle, dass er erheitert, dass er erleichtert.
00:13:38: David Sigos Mhm.
00:13:38: Barbara Messer Und dafür brauche ich einen kleinen Moment und ich nehme gerne etwas auf mich, also weil ich weiß, ich kann das oder ich habe mehr Kapazitäten in diesem Moment, weil ich vielleicht nicht im Gruppenkonflikt drin bin.
00:13:50: Barbara Messer So, dann bringe ich etwas hinein, mit was sozusagen...
00:13:53: David Sigos Ist für mich aber, ja, ist für mich wirklich einer der wichtigsten Hacks, wenn man das so neudeutsch sagen will.
00:14:03: David Sigos Einfach sich eben die Pause nehmen, wenn man merkt, es arbeitet mit einem, es tut mit einem, es bewegt einem, dann sich wirklich kurz irgendwie, ja, ich mache es auch mit das Fenster irgendwie am anderen Ende des Raumes kurz öffnen oder
00:14:21: David Sigos eben mich kurz umdrehen, etwas in der Tasche suchen und ja, nicht mal gross erklären, so, ja, ich brauche jetzt einen Moment, sondern ja, eben, wie es jetzt du auch gemacht hast, einfach mal kurz mal, ja, wegdrehen, etwas anderes machen und sich eben die paar Sekunden, das genügt ja auch schon mit der Selbstregulation, einfach ein paar Sekunden rausnehmen und nicht sofort reagieren.
00:14:49: David Sigos Ja.
00:14:50: Barbara Messer Ja, und das ist für mich auch der Moment, wo ich beginne zu spielen.
00:14:55: Barbara Messer Spielen im Sinne von, was habe ich jetzt für eine Möglichkeit?
00:14:58: Barbara Messer Welche Möglichkeiten kann ich schaffen?
00:15:01: Barbara Messer Was ich ja dann auch oft mache, ich fange an, einen Dialog zu führen.
00:15:04: Barbara Messer Also ich gehe dann zum Beispiel hinter die Pinnwand oder ich stelle mich sogar noch vor die Pinnwand und mache ein Fake-Telefonat.
00:15:12: Barbara Messer Also ich rufe dann Albert an.
00:15:14: Barbara Messer Die Methode heißt bei mir,
00:15:17: Barbara Messer lieber Albert oder ich schreibe einen Brief an Albert, ich mache das so, dass ich dann Albert anrufe, Mensch Albert, ich habe hier gerade Zeit, die Gruppe unterhält sich, wie geht es dir, was machst du?
00:15:28: Barbara Messer Ach, bei mir war eben jetzt das und jetzt habe ich überlegt, ob ich diesen Witz erzähle, weißt du?
00:15:32: Barbara Messer Und dann erzähle ich den Witz und das denkst du, ach ja, okay, den könnte ich erzählen.
00:15:36: Barbara Messer Also ich tue so, als wenn ich mit jemandem telefoniere, mit dem bringe ich sozusagen eine Ressource in den Raum, eine neue Perspektive.
00:15:39: David Sigos Mhm.
00:15:43: Barbara Messer Jetzt stell dir mal vor,
00:15:46: Barbara Messer Du stehst als Lehrer vorne und sagst, oh Moment, Wilbert scheint ein Telefon zu haben und mich angerufen zu haben.
00:15:54: Barbara Messer Also, oh, Wilbert sagt, wir sind zu laut.
00:15:57: Barbara Messer Okay, aber hier ist ja gerade die Stimmung so gut.
00:16:00: Barbara Messer Also ich kann ja darüber wieder einen neuen Wert, einen neuen Zugang schaffen.
00:16:05: Barbara Messer Oh, Ulbert hat da einen Zettel unter der Tür durchgeschoben.
00:16:08: Barbara Messer Er hat folgende Idee oder er wünscht sich von uns.
00:16:10: Barbara Messer Also schon habe ich doch wieder was, es geht ja um was Liebevolles, was Liebevolles reingebracht, ja.
00:16:11: David Sigos Ja.
00:16:17: Barbara Messer Auch gerade wenn es eingefahren ist.
00:16:19: Barbara Messer Letztens hatte ich ein 1 zu 1 Coaching den ganzen Tag über mit einer Unternehmerin.
00:16:24: Barbara Messer Und die hatte so schwere Momente, weil sie natürlich an den Prozess kam, das bisherige in Frage zu stellen, was sie beruflich gemacht hat und wie sie sich neu aufstellt.
00:16:33: Barbara Messer Und dann hatte ich mir, es war jetzt ja Faschingszeit, womit ich als Norddeutsche ja überhaupt nichts zu tun habe.
00:16:41: Barbara Messer Aber ich habe mir einfach nur mal für zwei Stunden das Hütchen aufgesetzt, was in diesem Raum auf dem Tisch lag.
00:16:46: Barbara Messer Und schon lachte sie.
00:16:47: Barbara Messer Ja, oder ich habe dann was erzählt, was vollkommen aus meinem Privatleben ist, was gerade sehr lustig war, was mich nachdenklich stimmt.
00:16:55: Barbara Messer Und dann ist Entlastung da.
00:16:56: Barbara Messer Und darum geht es ja, dass wir uns entspannen oder dass wir etwas finden in dem Witz oder in dem Humorvollen.
00:17:04: Barbara Messer Also wenn man sich hier den Emil bei euch anschaut oder bei uns Loriot, das sind ja Einladungen, wirklich ganz speziell auf das Thema nochmal zu gucken, ja.
00:17:15: David Sigos Mhm.
00:17:16: Barbara Messer Also zum Thema Zusammenarbeit, Teamzusammenarbeit, Vielfalt unter einen Hut bringen, hatte ich jetzt auch ein Präsentationscoaching, wo jemand eben darüber sprach, wie wichtig es ist, dass die unterschiedlichen Stakeholder zusammen sind.
00:17:30: Barbara Messer Und dann habe ich einfach Otto als Vorschlag genommen mit dieser Sequenz,
00:17:36: Barbara Messer wo er über die körperlichen Reaktionen zum Thema Ärger spricht.
00:17:40: Barbara Messer Also Auge an Großhirn, Milz, halt jetzt den Mund, bitte Adrenalin ausschütten.
00:17:44: Barbara Messer Also die Körperorgane haben miteinander gesprochen.
00:17:47: Barbara Messer Und dann natürlich ging es um Zusammenarbeit.
00:17:49: Barbara Messer Wenn man diese Sequenz dann zeigen würde zum Beispiel als Film oder als, genau, wir haben jederzeit YouTube zur Verfügung, ist das Lachen da, weil da plötzlich jemand das Thema nochmal anders aufgreift, ja.
00:17:54: David Sigos Ja, das ist schön.
00:18:03: Barbara Messer Also es erweitert den Horizont, es schafft neue Perspektiven und von daher ist das ein Beispiel von Autorität, dass ich sehr wohl diesen Raum weiterhalte, dass ich ihn weiterführe, dass ich ihn beherrsche, dass ich andere größer mache, stärke, fördere.
00:18:21: David Sigos Ich denke, wie war es bei dir?
00:18:23: David Sigos Bei mir war es so, ich brauchte schon ein paar Jahre, um Sicherheit zu gewinnen, dass ich mehr Lockerheit und Humor reinbringen konnte.
00:18:32: David Sigos Also ich war direkt nach meinem Sportstudium und so, da war ich nicht wahnsinnig Humorfall im Unterricht.
00:18:40: David Sigos Da hatte ich eben
00:18:41: David Sigos zu tun, dass das eben den Raum halten, üben.
00:18:42: Barbara Messer Vielen Dank.
00:18:45: David Sigos Und das merke ich natürlich auch bei den jungen Lehrpersonen.
00:18:50: David Sigos Sie machen das wirklich gut, aber es ist noch ein bisschen trocken und humorlos.
00:18:56: David Sigos Und das ist, denke ich, auch gut so und normal.
00:18:59: David Sigos War es bei dir ähnlich oder warst du von Anfang an so humorvoll?
00:19:04: Barbara Messer Naja, ich wollte ja schon mit fünf Jahren Zirkusclown werden.
00:19:07: David Sigos Ja, stimmt, okay.
00:19:07: Barbara Messer Also das war damals schon das Thema mit meinem Spielfreund.
00:19:08: David Sigos Gut, vielleicht jetzt nicht der übliche Weg.
00:19:11: Barbara Messer Ja, hier haben wir immer Clown gespielt und Slapsticks geprobt.
00:19:16: Barbara Messer Dann war ich als junge Frau in der Altenpflege.
00:19:19: Barbara Messer Das heißt, ich habe ganz viel mit Erniedrigung zu tun gehabt, mit Zirkus.
00:19:24: Barbara Messer Tod mit Ausscheidungen, mit Schmerzen, mit Unfassbarem und habe da automatisch überlegt, wie kann ich denn jetzt hier Humor reinbringen, dass wir lachen.
00:19:34: Barbara Messer Also es gab mal eine Situation, da war ich 21, glaube ich, ich hatte immer einen hellblauen Kittel an.
00:19:41: Barbara Messer Ich musste auch jeden Tag für die Stationsleitung zu Aldi gehen und Sekt kaufen.
00:19:46: Barbara Messer Und bei Aldi wurde ich dann immer schon gefragt, wo ist denn das Waschpulver, weil ich eben auch einen Kittel hatte wie bei Aldi damals, das war auch hellblau.
00:19:53: Barbara Messer Dann kam ich wieder, ich hatte dann diesen Kittel an und dann gab es oft Situationen, wo die Bewohner so gegenüber vom Stationszimmer wie in der Warteschlange sitzen.
00:20:03: Barbara Messer Und dann hatte ich in beide Kitteltaschen mir Wassergläser gesteckt und habe dann mit einer Wasserflasche in meine Kitteltasche Wasser eingegossen.
00:20:11: Barbara Messer Das weiß ich noch.
00:20:12: Barbara Messer Die haben alle so gelacht, weil sie gedacht haben, ich kippe mir das Wasser so in die Kitteltasche.
00:20:17: Barbara Messer Die haben nicht gesehen, dass ich da Gläser drin hatte.
00:20:19: David Sigos Mhm.
00:20:19: Barbara Messer Also es gab so viele kleine Momente,
00:20:23: Barbara Messer wo ich mit einer kleinen Sache nur zum Lachen bringen konnte.
00:20:28: Barbara Messer Und da ist das so notwendig gewesen.
00:20:30: Barbara Messer Und ich brauchte das selbst auch.
00:20:32: Barbara Messer Das Theater war immer meine Quelle, um mich zu entspannen.
00:20:35: Barbara Messer Also diese intensive Begleitung von sterbenden oder verzweifelten Menschen braucht für mich Psychohygiene, damit ich immer wieder frisch bin.
00:20:43: Barbara Messer Und das kriege ich im Lachen, im Humor, im Spielen.
00:20:47: Barbara Messer Deswegen habe ich immer schon parallel gespielt und in den Phasen in meinem Leben, wo ich das nicht hatte, da war auch der Humor weg in mir.
00:20:57: Barbara Messer Und deswegen empfehle ich auch tatsächlich, das Thema ernst zu nehmen und sich mit Humor zu beschäftigen.
00:21:05: Barbara Messer Für viele ist so ein Impro-Theater immer den Humor ernst zu nehmen.
00:21:05: David Sigos Also Humor ernst nehmen.
00:21:08: David Sigos Humor ernst nehmen.
00:21:11: David Sigos Okay.
00:21:12: David Sigos Ja.
00:21:12: David Sigos Ja.
00:21:14: Barbara Messer Und ein Impro-Theater-Workshop oder ähnliches zu besuchen, dass ich überhaupt erstmal locker werde und unter Druck schnell etwas Lustiges produziere.
00:21:23: Barbara Messer Weil Tempo ist ja oft ein Humor.
00:21:26: Barbara Messer Also Tempo bringt ja schnell Druck und wie gehe ich mit dem Druck um?
00:21:29: Barbara Messer Und da ist ein Slapstick oder eine unvorhergesehene Reaktion natürlich köstlich, ja.
00:21:38: David Sigos Ich denke auch, es kommt immer darauf an, wen hast du vor dir, wie ist die Gruppe zusammengesetzt, sprich auch das Alter.
00:21:47: David Sigos Ich zum Beispiel schätze es, bei kleineren Kindern, eben so sieben, acht oder bis elf, zwölf, dreizehn Jahre alt, da bin ich wirklich sehr vorsichtig und mache keine so spöttische Bemerkung.
00:22:02: David Sigos Aber dann...
00:22:03: David Sigos Das merkt man ja auch, sie entwickeln sich und dann werden sie ein bisschen wie frecher.
00:22:09: David Sigos Und dann mache ich schon auch mal so einen Witz mit ihnen über sie, dass wir als Gruppe lachen können, aber ich picke mir natürlich nicht immer einen heraus, sondern wenn einer ein bisschen vorlaut wird,
00:22:22: David Sigos dann mache ich vielleicht schon auch einen Spruch und dann lachen wir.
00:22:25: David Sigos Aber ich achte immer stark darauf, fühlt er sich jetzt verletzt oder so, oder geht es ihm nicht mehr gut, weil dann würde ich es ansprechen und dann würde ich mich auch vor der Gruppe entschuldigen, wenn ich auch selbst das Gefühl habe, ja, da habe ich jetzt über die Stränge geschlagen.
00:22:39: David Sigos Aber ansonsten, ja, ich denke, es ist wirklich schon interessant und wichtig, wen habe ich vor mir.
00:22:47: David Sigos Und das Alter, denke ich, spielt wirklich eine grosse Rolle.
00:22:51: David Sigos Ich beobachte es auch in den Schulen, dass das Gefälle, also man kann es ja mit einem Gefälle beschreiben, wenn das Gefälle zu gross ist, dann muss man wirklich aufpassen.
00:23:02: David Sigos Also Gefälle mit eben, also von Erwachsenen zu kleinen Kindern ist das Gefälle gross und zu einem Jugendlichen mit 15 ist das schon ein bisschen weniger, das Gefälle.
00:23:15: Barbara Messer Ja, und das ist das, was ich auch die ganzen Tage jetzt gedacht habe, wo wir uns hier vorbereitet haben.
00:23:23: Barbara Messer Wo entsteht meine Prägung zur Kultur?
00:23:25: Barbara Messer Welche Humor, Kultur lerne ich in der Schule?
00:23:30: Barbara Messer Welche lerne ich zu Hause in meiner Familie?
00:23:32: Barbara Messer Ja.
00:23:33: David Sigos Mhm.
00:23:34: Barbara Messer Im Sport für mich war zum Beispiel auch, gerade wo du sagst, so mit 5, 6, 7, 8 waren die Fahrtfinder total wichtig als Ort neben dem Elternhaus und der Sport.
00:23:45: Barbara Messer Also ich war immer im Turnverein und Turnverein war wirklich auch früher kalte Halle, es war wenig Entertainment, aber trotzdem haben wir zum Beispiel Sachen im Kreis gemacht.
00:23:56: Barbara Messer Wir haben
00:23:58: Barbara Messer Lieder gesungen, also die Turnlehrerin hat ein Lied gesungen, da haben wir mitgesungen.
00:24:02: Barbara Messer Da habe ich auch Humor gelernt, wie diese Lehrerin den Humor vorlebt.
00:24:07: Barbara Messer Also die Familie und das soziale Feld, in dem ich bin.
00:24:07: David Sigos Mhm.
00:24:07: David Sigos Mhm.
00:24:11: Barbara Messer Also wir lernen Humor und wir reifen ja auch mit dem Humor.
00:24:15: Barbara Messer Wie gesagt, als Kind verstehst du ja viele Dinge überhaupt nicht wie Ironie.
00:24:20: Barbara Messer Das lernen wir dann im Laufe der Zeit.
00:24:22: Barbara Messer Und das finde ich total spannend, dass das ja etwas ist, was uns kulturell auch prägt.
00:24:26: Barbara Messer Deswegen ist es gerade jetzt auch sehr anspruchsvoll, die verschiedenen Kinder, Jugendlichen, Erwachsenen mit Humor zu berühren, die aus so unterschiedlichen Kulturen kommen.
00:24:39: David Sigos Mhm.
00:24:41: Barbara Messer Also ich habe Trainings in Shanghai gemacht.
00:24:44: Barbara Messer Da dachte ich, es ist jetzt total lustig.
00:24:47: Barbara Messer Erstmal musste ich meinen Humor auf Englisch transportieren.
00:24:50: Barbara Messer Das war von mir zum Englischen schon eine Reduktion.
00:24:55: Barbara Messer Dann eben die
00:24:57: Barbara Messer Die Chinesen mussten das vom Englischen in ihre Sprache übersetzen und nicht nur in die Wortsprache, sondern auch die Körpersprache.
00:25:03: Barbara Messer Und ich habe dann gemerkt, sie lachen jetzt nicht, weil es lustig ist, sondern sie lachen, damit es jetzt so durchgeht, die Situation.
00:25:12: Barbara Messer Also sie stimmen denen zu, sie sind höflich, respektvoll und lachen deshalb.
00:25:16: Barbara Messer Also sie lachen mit, damit es eine gefällige Situation ist.
00:25:21: David Sigos Ja, ja.
00:25:21: Barbara Messer Das ist mir im Laufe der Wochen, wo ich da war, bewusst geworden.
00:25:25: Barbara Messer Das ist eine komplett andere Prägung zu meinem Verständnis von Humor zum Beispiel.
00:25:29: Barbara Messer Und da haben wir im Moment eine große Aufgabe in den Orten, wo Bildung und Lernen und Entwicklung stattfindet, dass da unterschiedliche Kulturen auch zusammenkommen.
00:25:40: Barbara Messer Ach so, noch was.
00:25:42: Barbara Messer Und genau deshalb, das habe ich von Martina Schmidt-Tanga, das hat sie mal gesagt, dass es sinnvoll ist, wirklich auch Witze in der Hinterhand zu haben, die nicht treffen, also die keinen verletzen.
00:25:55: David Sigos Ja.
00:25:55: Barbara Messer So habe ich das zumindest in Erinnerung, was sie gesagt hat.
00:25:58: Barbara Messer Also die, die etwas auflösen.
00:26:00: Barbara Messer Ich habe leider ihr einen der Hauptwitze nicht mehr vor Augen.
00:26:05: Barbara Messer Aber dass ich mit einem Witz etwas löse, was gerade angespannt ist, und der Witz darf keinen verletzen,
00:26:16: Barbara Messer Ich habe so einen Lieblingswitz, den muss ich jetzt auch anbringen.
00:26:19: Barbara Messer Der ist so ein Beispiel dafür.
00:26:22: Barbara Messer Da schenkt eine Frau ihrem Ehemann Heiligabend drei Hemden.
00:26:27: Barbara Messer Drei neue Hemden bekommt er.
00:26:28: David Sigos Mhm.
00:26:30: Barbara Messer Am ersten Weihnachtstag morgens zieht er eines davon an.
00:26:33: Barbara Messer Und dann sagt sie, ich wusste, dass dir die anderen beiden nicht gefallen sind.
00:26:39: Barbara Messer So, da wird seine Ausweglosigkeit deutlich.
00:26:42: Barbara Messer Egal was er macht, er kriegt einen Spruch.
00:26:45: Barbara Messer Also für das Thema Mann-Frau ist das ein schöner Witz.
00:26:49: Barbara Messer Der ist nicht angreifend, der nimmt mich als Frau eher auf die Schippe als den Mann.
00:26:53: Barbara Messer Und er ist liebevoll, aber genau da steckt auch schon wieder ganz viel Potenzial drin.
00:26:59: Barbara Messer Für Reibung, für Diskurs, für Verletzung.
00:27:02: David Sigos Ich bin gespannt, ob dir mein Witz gefällt.
00:27:05: David Sigos Ich finde, das ist der Witz der Witze.
00:27:09: David Sigos Weisst du, was das Wichtigste bei einem Witz ist?
00:27:12: David Sigos Timing.
00:27:18: David Sigos Ich ruiniere den Witz extra, weil ich ja Timing ja anspreche und dann sage ich das zu schnell und lasse keine Pause.
00:27:28: David Sigos Ich weiß jetzt nicht, ob du aus Höflichkeit gelacht hast, aber ich finde es lustig.
00:27:31: Barbara Messer Nein, weil ich ihn verstanden habe.
00:27:31: David Sigos Ja.
00:27:34: Barbara Messer So, und damit wird wieder deutlich, das ist eine intelligente Aufgabe.
00:27:40: Barbara Messer Warum machen wir das?
00:27:41: David Sigos Noch
00:27:42: Barbara Messer Warum erzählst du diesen Witz?
00:27:44: Barbara Messer Oder ich meine, um...
00:27:47: Barbara Messer ins Nachdenken zu bringen.
00:27:49: David Sigos Mhm.
00:27:53: Barbara Messer Ich hatte gestern mit jemandem gesprochen, der kam aus seinem Unternehmenskontext und erzählte, wir hatten heute wieder eine Sicherheitsbelehrung, also eine Sicherheitsbeschulung, Belehrung.
00:28:07: Barbara Messer Das zum Beispiel auf der Toilette sind wir nicht versichert, da sind wir privat.
00:28:11: Barbara Messer So, dann ist alleine nur wieder die Frage, Sicherheitsbelehrung muss einmal im Jahr stattfinden, die macht der Häuptling sozusagen oder die Häuptlingsfrau, muss ich es machen, wie immer.
00:28:22: Barbara Messer Und alleine dieses Thema, der hätte auf der Toilette anfangen können, in die Webcam zu gucken, oh Moment, ich muss erstmal schnell raus in mein Büro, weil da kann ich ja offiziell zu euch sprechen.
00:28:34: Barbara Messer Sprechen ist nur ein kleiner Zugang.
00:28:36: David Sigos Mhm.
00:28:36: David Sigos Mhm.
00:28:38: Barbara Messer In einer Schulung kam eine Teilnehmerin von einem großen Konzern, die sagte, ich brauche dringend eine Lösung für diese Online-Meetings.
00:28:47: Barbara Messer Mich stört das, die Leute essen einfach während des Online-Meetings, wenn sie im Homeoffice sind.
00:28:53: Barbara Messer Und dann war sie schon richtig, sie war schon grimmig, sie war schon bitter.
00:28:59: Barbara Messer Und sie war aus der Phase raus, wo sie das hätte mit Humor lösen können.
00:29:03: Barbara Messer Also sie war schon traurig und betroffen.
00:29:06: Barbara Messer Dann habe ich gesagt, mach doch wie folgt.
00:29:08: Barbara Messer Fang ein Online-Meeting an und beginne das, indem du etwas Wichtiges sagst und die ganze Zeit Erdnussflips isst.
00:29:15: Barbara Messer Und dann hast du noch so einen kleinen Akkustaubsauger und sagst, stopp mal eben, ich muss unterbrechen, ich habe zu viel Krumm auf meiner Tastatur.
00:29:16: David Sigos Mm-hmm.
00:29:16: David Sigos Mm-hmm.
00:29:16: David Sigos Mm-hmm.
00:29:24: Barbara Messer Und dann ist das Thema nach zwei Minuten erledigt und so nachhaltig in den Köpfen, dass sie das mit Liebe ausgesprochen hat, dass sie das manchmal anstrengend findet, wenn die Leute im Online-Meeting essen.
00:29:37: Barbara Messer Also für mich ist das genau die Schlüssel.
00:29:40: Barbara Messer Wie kann ich einen witzigen Einstieg machen?
00:29:43: Barbara Messer Arbeitssicherheit.
00:29:46: Barbara Messer Ja, dann stolpere ich über die Kabel und falle hin oder mir fällt was runter und all diese Dinge.
00:29:53: David Sigos Das ist für mich wirklich ein guter Übergang zur vielleicht letzten Frage heute.
00:30:00: Barbara Messer Vielleicht.
00:30:01: Barbara Messer Die letzte Frage.
00:30:03: David Sigos Hat sie ihre Autorität ein bisschen eingebüßt, weil sie Humor eingebaut hat?
00:30:10: Barbara Messer Also sie hat es ja nicht gemacht, ich habe es ihr ja vorgeschlagen.
00:30:13: Barbara Messer Für mich ist das genau das Beispiel für Autorität, weil sie sich zur Verfügung stellt,
00:30:22: Barbara Messer um etwas darzustellen.
00:30:25: David Sigos Ja, ich habe...
00:30:26: Barbara Messer Und sie hat sich vielleicht nicht klein gemacht, sie war nicht angreifend, sondern sie hat es so übertrieben und damit hat sie eine Leistung gebracht, die mehr ist als die Komfortzone.
00:30:40: David Sigos Ich denke, viele haben das Gefühl, wenn ich witzig werde, wenn ich vielleicht sogar ein bisschen albern werde, dann verliere ich die Kontrolle oder ich gebe einen Teil meiner Autorität ab.
00:30:42: Barbara Messer Hätte sie.
00:30:54: David Sigos Also ich bin überhaupt nicht dieser Meinung.
00:30:56: David Sigos Ich finde das
00:31:00: David Sigos Man muss es natürlich schon spüren und können, aber ich denke, es ist wirklich eher das Gegenteil.
00:31:07: David Sigos Wenn ich Humor wirklich einsetze, dann mache ich mich auch nahbar, ich bringe eine Lockerheit rein, aber es heisst nicht, dass ich dann weniger ernst genommen werde.
00:31:19: David Sigos Und da haben viele, glaube ich, Angst.
00:31:21: David Sigos Mhm.
00:31:22: Barbara Messer Ja, ich meine, das ist ja genau das.
00:31:25: Barbara Messer Sie haben Angst, die Kontrolle zu verlieren.
00:31:27: Barbara Messer Was genau heißt Kontrolle im Lehren oder im Unterrichten oder im Training?
00:31:32: Barbara Messer Dass ich es beherrsche, dass ich sage, wie es geht und wenn das nicht mehr funktioniert, was würde denn dann passieren?
00:31:37: David Sigos Mhm.
00:31:37: David Sigos Mhm.
00:31:38: Barbara Messer Aber wenn ich mit Humor reingehe oder einer anderen Intervention, dann...
00:31:43: Barbara Messer ist das Feld offener.
00:31:46: Barbara Messer Das heißt, meine Autorität zeigt sich, dass ich auch dann präsent bin, wenn es nicht so ist, wie ich es erwartet habe zum Beispiel.
00:31:53: Barbara Messer Also mein Muskel des Raumhaltens wächst statt meiner Kontrollangst, die größer wird, weil ich immer wieder Erfahrungen mache, so geht es auch.
00:32:07: Barbara Messer Ach, das kann ich auch.
00:32:08: Barbara Messer Ach, das ist auch noch eine Reaktion.
00:32:10: Barbara Messer Und das meine ich mit, man sollte sich ernsthaft neben seinem Beruf mit Humor beschäftigen.
00:32:17: Barbara Messer Also alle Lehrenden sollten immer, meiner Meinung nach, nebenbei damit arbeiten, dass sie kreativer werden und humorvoller.
00:32:24: Barbara Messer Weil wir sowieso Kreativität brauchen, weil wir immer neue Anforderungen haben.
00:32:29: David Sigos Sehr schön.
00:32:29: Barbara Messer Ja, dass wir wach bleiben, dass wir munter bleiben.
00:32:29: David Sigos Dann schließen wir hier ab.
00:32:30: David Sigos Ist das okay?
00:32:32: Barbara Messer Ja.
00:32:32: Barbara Messer Aber dadurch lernen wir auch, dass Kontrolle nicht beherrschen ist im Sinne von streng, also wir machen das jetzt so und so, sondern ich kann mit den verschiedenen Reaktionen umgehen und bleibe in meiner Mitte und bleibe in meiner Ruhe.
00:32:51: Barbara Messer Wir schließen hier ab, aber wir fordern auf, wenn jemand einen guten Witz hat, dann möchte er ihn uns doch mitteilen.
00:32:57: Barbara Messer Oder eben nicht.
00:32:58: Barbara Messer Also eins von beiden.
00:33:01: David Sigos Ja, wenn nicht, dann gibt es keinen Witz.
00:33:04: Barbara Messer Genau, dann bleibt es witzlos.
00:33:05: Barbara Messer Ich sage auf Wiedersehen.
00:33:06: Barbara Messer Dir auch.
00:33:06: Barbara Messer Bis bald.
00:33:06: David Sigos Genau.
00:33:08: David Sigos Sehr gerne.
00:33:10: David Sigos Wir wollen ja eben in den Austausch kommen.
00:33:12: David Sigos Wir wollen ja euer Feedback.
00:33:14: David Sigos Das wünschen wir uns.
00:33:17: David Sigos Sei das eben auch mit einem Witz oder vielleicht auch Kritik oder Wünsche von Themen.
00:33:21: David Sigos Da sind wir offen.
00:33:23: David Sigos Gut.
00:33:24: David Sigos Danke dir, Barbara.
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