Merkwürdige Methoden – Liebes Tagebuch
Shownotes
David und Barbara diskutieren in dieser Folge, wie man Aufmerksamkeit – die neue Währung im digitalen Zeitalter – im Unterricht gewinnt und hält. Barbara bricht starre Erwartungen bereits zu Beginn durch Gesang, was die Gruppe aktiviert, und eine positive emotionale Basis schafft, ohne die Teilnehmer zu zwingen. Sie erläutert das Konzept der Merkwürdigkeit: In diesem Begriff steckt die „Würde“ – es geht darum, Themen und Materialien wertvoll und kostbar zu machen.
Ein zentrales Werkzeug der Episode ist das „Liebes Tagebuch“. Dabei schreibt die Trainerin oder Lehrperson laut denkend in ein fiktives Tagebuch, nimmt Einwände vorweg und signalisiert Verständnis für die Lernenden, besonders in „Zwangsschulungen“. Diese Methode ermöglicht es, affektive Lernziele zu erreichen, Sicherheit zu schaffen und den Teilnehmern einen anschliessenden Moment der stillen Selbstreflexion zu schenken. Barbara betont dabei die Wichtigkeit der verschiedenen Ebenen der Präsenz: Der bewusste Verzicht auf Augenkontakt während des Schreibens erzeugt eine private Atmosphäre, die den Zauber der Methode bewahrt.
Weiterhin geht es um die Inszenierung von Inhalten durch Bodenpräsentationen oder im „Museum“. Durch das bewusste Aufladen von Gegenständen mit Geschichten und eine fast zeremonielle Handhabung von Materialien wird das Lernen zu einem sinnlichen Erlebnis. Barbara macht deutlich, dass eine gute Lektion einer klaren Dramaturgie folgen muss, in der Phasen der Präsentation mit interaktiven Momenten abwechseln. Die Episode schliesst mit der Ermutigung, persönliche Anekdoten und kleine Geschichten einzuflechten, da diese als „Erinnerungspunkte“ dienen und die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden vertiefen.
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Transkript anzeigen
00:00:01: Barbara Messer Der Beamer summt, dann schläft man ein, statt wach und aufmerksam zu sein, mit PowerPoint zu präsentieren, langt weit und ist nicht kreativ.
00:00:14: Barbara Messer Der Beamer summt, dann schläft man ein, statt wach und aufmerksam zu... Was denn?
00:00:19: David Sigos Ja, okay, okay.
00:00:21: David Sigos Guten Morgen, Barbara, jetzt bin ich auch wach.
00:00:22: Barbara Messer Hey!
00:00:24: Barbara Messer Guten Morgen!
00:00:26: David Sigos Ja, du singst's.
00:00:28: Barbara Messer Ja, wo man singt, da lass dich niederböse Menschen kennen.
00:00:32: Barbara Messer Keine Lieder gibt es ja als bekannten Satz.
00:00:35: Barbara Messer Aber Singen gehört ja zum Repertoire, finde ich, eines Menschen, der kreativ oder auch merkwürdigen Unterricht oder Trainings macht.
00:00:44: David Sigos Da kommt aber schon auch die Scham hoch.
00:00:46: David Sigos Dich zu unterbrechen war mir ein bisschen peinlich.
00:00:50: David Sigos Und dann singst du noch so einen komischen Text.
00:00:54: David Sigos Warum singst du jetzt da über den Beamer?
00:00:56: Barbara Messer Naja, der Beamer ist ja so ein Sinnbild für, damit wird viel präsentiert.
00:01:00: Barbara Messer Früher war es der Overhead-Projektor oder die Tafel.
00:01:03: Barbara Messer Der Beamer präsentiert ja elektronische Bilder sozusagen an die Wand.
00:01:09: Barbara Messer Der Beamer ist das mit PowerPoint oder anderen Medien, das wird dann an die Wand geworfen.
00:01:13: Barbara Messer Ich könnte auch schreiben das Whiteboard oder ähnliches mehr.
00:01:15: David Sigos Ja, aber wie kommst du auf diese Idee, jetzt über so einen Beamer zu singen?
00:01:22: Barbara Messer Ja, weil er so häufig verbreitet ist.
00:01:25: David Sigos Ja, aber warum ein Lied?
00:01:27: Barbara Messer Ja, warum nicht ein Lied?
00:01:28: Barbara Messer Also das steht oft am Anfang eines Intensivworkshops zum Thema kreative Methoden oder merkwürdige Methoden, ist das Lied ganz schnell vorne an.
00:01:36: Barbara Messer Das ist eingängig, man merkt sich den Text, die Botschaft ist eingewoben, der Beamer singt, dann schläft man ein und viele nicken innerlich ab.
00:01:44: Barbara Messer Ich singe das ja auch so, dass ich es mit allen zusammen singe, wenn ein Workshop beginnt und
00:01:47: David Sigos Mhm.
00:01:49: Barbara Messer Bei bestimmten Sachen bitte ich dann zum Beispiel zum Ende den Extrakt eines Workshops auch in ein Lied zu bringen oder in einen Rap oder in einen Vierzeiler.
00:01:59: Barbara Messer Für das Gehirn ist das oft sehr angenehm, wenn es einfach den Song, die Melodie, das ist ein körperliches Erleben, ein sinnliches Erleben, wenn es mit einer Aussage zusammengebunden ist.
00:02:09: David Sigos Also wenn ich in so einem Workshop wäre, dann würde sich schon alles in mir zusammenziehen, so, oh nein, nicht vor einer Gruppe singen, nee, bitte nicht.
00:02:20: David Sigos Das ist schon irgendwie peinlich.
00:02:24: David Sigos Wie überwindest du oder wie holst du die Leute da ab, dass die dann wirklich auch singen?
00:02:29: Barbara Messer Naja, ich habe ja das mit diesen drei Fragen unter den Stühlen oftmals, dass drei Fragen unter den Stühlen sind.
00:02:35: Barbara Messer Die erste Frage ist zum Beispiel, Barbara, können wir bitte du sagen?
00:02:39: Barbara Messer Dann sage ich ja gerne, Dankeschön.
00:02:40: Barbara Messer Dann noch das Zitat mit der Merkwürdigkeit, dass das vom Sans stammt und dass es da eben auch um die Würde geht.
00:02:47: Barbara Messer Und die dritte Frage ist oft unter den Stühlen.
00:02:50: Barbara Messer Barbara, können wir bitte ein Lied singen?
00:02:52: Barbara Messer Und dann sage ich, oh danke für die Idee und dann schlage ich das Flipchart auf, da ist der Text und dann mache ich ganz kurz den Hinweis, das ist die Melodie von Oh, When the Saints Go Marching In, dann kennen alle das Lied und dann singen wir alle zusammen.
00:03:06: David Sigos Okay.
00:03:06: David Sigos Okay.
00:03:06: Barbara Messer Das heißt, wer sich schämt, kann im Stimmengewirr dezent untergehen.
00:03:11: Barbara Messer Das fällt da nicht besonders auf.
00:03:12: Barbara Messer Aber tatsächlich ist das sehr schön, weil wir hören alle Stimmen.
00:03:16: Barbara Messer Alle sind gleich aktiv.
00:03:18: Barbara Messer Also die Stimme ist geölt sozusagen.
00:03:20: Barbara Messer Man ist danach auch sprechbereiter.
00:03:22: Barbara Messer Es schafft ein positives Gefühl.
00:03:24: Barbara Messer Ich besetze nicht das Thema Scham, weil ich mich nicht dafür schäme.
00:03:27: Barbara Messer Das hat aber auch damit zu tun, dass ich sehr viel Stimmen- und Gesangsarbeit gemacht habe.
00:03:31: Barbara Messer Und für mich ist es etwas Schönes, zusammen zu singen.
00:03:34: Barbara Messer Also auch
00:03:35: Barbara Messer Auf Autofahrten hat meine Mutter früher mit meiner Schwester und mir viel gesungen.
00:03:39: Barbara Messer Das ist was Normales.
00:03:41: Barbara Messer Und es gibt dieses schöne afrikanische Sprichwort, wer gehen kann, kann tanzen und wer sprechen kann, kann auch singen.
00:03:49: Barbara Messer Das ist aber in unserer Kultur, denke ich, eher so ein bisschen befremdlich.
00:03:53: David Sigos Schambehaftet.
00:03:57: David Sigos Ich kann mich noch wirklich gut erinnern, ich war dann schon ziemlich wach und abgeholt, als da diese Frage kam in der Schweiz am Neuland-Kongress.
00:04:10: David Sigos Da hast du ja diese Frage auch gestellt und ich so, ah nein, singt die noch mit uns, das gibt es doch nicht.
00:04:16: David Sigos Ja, aber du hast es so lockerflockig gemacht und auch kurz.
00:04:21: David Sigos Eben war ja kein grosser Zwang oder so.
00:04:22: David Sigos Du hast ja wunderbar vorgesungen.
00:04:25: David Sigos Ja, also ich war wach.
00:04:27: David Sigos Das war sicher etwas Merkwürdiges.
00:04:30: David Sigos Das habe ich tatsächlich noch nie gemacht.
00:04:34: David Sigos Ja, wie kommst du auf diese Idee?
00:04:36: David Sigos Hm.
00:04:37: Barbara Messer Ja, ich habe es selber gelernt.
00:04:38: Barbara Messer Also ich komme jetzt wieder zurück auf die Sogestopädie, das ist das Singen ganz normal, einen Text als Rap zu sprechen oder ähnliches.
00:04:45: Barbara Messer Und ich singe tatsächlich gerne viel.
00:04:47: Barbara Messer Und es ist eben eine Merkwürdigkeit, es ist ein anderer Einstieg in den Workshop.
00:04:51: Barbara Messer Es ist ja immer wieder die Frage, wie schaffe ich gleich zu Anfang Aufmerksamkeit?
00:04:55: David Sigos Das ist ja...
00:04:56: Barbara Messer Wie bereche ich die Erwartungen?
00:04:57: Barbara Messer Ja.
00:04:58: Barbara Messer Und das Lied ist vielleicht für den einen oder anderen extrem, aber generell bei einer Inhaltspräsentation, wenn es darum geht, einen Stoff neu vorzustellen, einen neuen Aspekt, ist ja immer die Frage, wie bekomme ich Aufmerksamkeit?
00:05:12: Barbara Messer Wie schaffe ich Aufmerksamkeit?
00:05:14: Barbara Messer Wie schaffe ich Neugier?
00:05:17: Barbara Messer Das kann ja auch ein Witz sein, ein Film, eine Präsentation, die sofort anders ist, ein Sketch, was auch immer.
00:05:27: David Sigos Ja, und du hast das ja eigentlich schon länger, weil seit den sozialen Medien oder dem Smartphone ist ja die Aufmerksamkeit wirklich die neue Währung geworden.
00:05:40: David Sigos Also eben, wenn du sagst, die Aufmerksamkeit erhalten, das ist ja mittlerweile harte Arbeit für Trainer, Coach und Lehrpersonen.
00:05:50: David Sigos Also das ist schon, finde ich, schon noch, es hat sich verändert.
00:05:55: Barbara Messer Definitiv und wir sind auch durch die vielen Filme auf Instagram, TikTok, YouTube.
00:06:02: Barbara Messer kleine witzige Spots, überall werden die Reels eingespielt, sind wir ja auch Entertainment gewohnt.
00:06:09: David Sigos Mhm.
00:06:09: Barbara Messer Es gibt ja so viele Menschen, die witzige kleine Sachen machen und daran gewöhnen wir uns.
00:06:09: David Sigos Mhm.
00:06:09: David Sigos Mhm.
00:06:15: Barbara Messer Und wenn wir dann im Unterricht sitzen, im Training und das Gegenteil davon ist, nämlich langweilig, dann ist unsere Beteiligung vielleicht auch eher geringer.
00:06:26: Barbara Messer Deswegen ist für mich das ganz zentral Aufmerksamkeit schüren für das Thema.
00:06:32: David Sigos Wenn ich dich schon am Mikrofon habe, liebe Barbara, ich habe ja dein Buch und das Methodenbuch für ungewöhnliche Coaching, Trainings, Workshops und Seminare.
00:06:36: Barbara Messer Ja.
00:06:44: David Sigos Kannst du mir da ein bisschen was erzählen davon oder halt in eine Methode noch ein bisschen tiefer gehen?
00:06:51: Barbara Messer Naja, das ist jetzt schon ein Hardcore-Buch, was Ungewöhnlichkeit angeht.
00:06:56: David Sigos Also nicht Hardcover, sondern Hardcore.
00:06:57: Barbara Messer Ich sage ja, Hardcover auch, aber Hardcore, das sind Methoden für Menschen, die sich einiges zutrauen oder die bereit sind, mit ungewöhnlichen Formaten oder Vorgehensweisen auch ungewöhnliche Ergebnisse zu erzielen.
00:07:00: David Sigos Mhm.
00:07:14: Barbara Messer Das ist ein Extrakt aus vielen Jahren und Jahrzehnten, Workshops,
00:07:20: Barbara Messer Zu mir kommen ja auch Konzerne oder Unternehmen, die sagen, wir brauchen jetzt was anderes.
00:07:24: Barbara Messer Alles andere haben wir schon gemacht, so ungefähr.
00:07:27: Barbara Messer Also was wäre anders?
00:07:28: Barbara Messer Was wäre noch ein tieferer Zugang zum Thema zum Beispiel?
00:07:31: Barbara Messer Ein unmittelbarerer, ein direkterer Zugang zum Thema.
00:07:34: David Sigos Okay.
00:07:35: Barbara Messer Ja.
00:07:36: David Sigos Ich kenne dich jetzt nicht.
00:07:37: David Sigos Ich kaufe jetzt das Buch, mit welcher Methode habe ich noch den sanftesten Einstieg.
00:07:44: Barbara Messer Mit Liebestagebuch zum Beispiel.
00:07:46: David Sigos Mhm.
00:07:46: Barbara Messer Außerdem habe ich auch angelehnt an unseren Podcast die Blackbox der einfach ungewöhnlichen Methoden.
00:07:53: Barbara Messer Also da sind die Standards drin, wie Wäscheleine, wie Museum, wie die TV-Show, die Bodenpräsentation.
00:07:58: Barbara Messer In dem Kapitel findest du einfache Methoden, die auch jahrzehntelang bewährt sind aus Fachtrainings.
00:08:05: Barbara Messer Das heißt, sie sind absolut seriös und einfach nachzumachen.
00:08:09: Barbara Messer Also eine Bodenpräsentation ist vollkommen einfach.
00:08:12: Barbara Messer Die Dinge, die...
00:08:13: Barbara Messer die Topics oder die Inhaltsaspekte an eine Wäscheleine zu hängen, verbunden zum Beispiel mit einem Symbol, damit sich sozusagen eine Eselsbrücke baut.
00:08:22: Barbara Messer Das sind einfache Methoden.
00:08:24: Barbara Messer Die sind in dem Kapitel Blackbox.
00:08:26: Barbara Messer Ja, sehr gerne.
00:08:27: David Sigos Also wollen wir mal das Liebe Tagebuch, also Liebes Tagebuch mal anschauen.
00:08:32: David Sigos Genauer.
00:08:34: David Sigos Ja, ich habe sie auch einmal erlebt, aber ehrlich gesagt, ich wüsste jetzt nicht mehr genau, wo, also wann, zu welchem Zeitpunkt ich das jetzt einsetzen soll.
00:08:45: Barbara Messer Ja, das denke ich ist auch sicherlich eine individuelle Frage.
00:08:48: Barbara Messer Was passt zu einem selber?
00:08:49: Barbara Messer Wie rhythmisiert man und wie baut man besondere Momente ein?
00:08:54: Barbara Messer Ich denke, da ist jeder nochmal anders, auch so aus meinem Rückblick.
00:08:58: Barbara Messer Das Liebe Tagebuch ist für mich der Klassiker, wenn es darum geht zu motivieren.
00:09:03: Barbara Messer auch die Menschen ein bisschen in die Ruhe zu bringen, in die Vertiefung.
00:09:07: Barbara Messer Gerade am Anfang, alle kommen irgendwie daher.
00:09:10: Barbara Messer Es gab vielleicht Verspätungen, einen Streik mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.
00:09:14: Barbara Messer Sie sind abgehetzt im Seminar oder Ähnliches.
00:09:17: Barbara Messer Dann gibt es so etwas wie Einwandvorwegnahmen, Befürchtungen, die ich anspreche und ich möchte sie berühren.
00:09:24: Barbara Messer Und für mich hat es auch einen ganz wichtigen Aspekt vorgelegt,
00:09:28: Barbara Messer ich zeige mich nahbar.
00:09:31: Barbara Messer Das heißt, ich beginne mit einem öffentlichen Tagebucheintrag.
00:09:32: David Sigos Du spielst nur das Schreiben und sprichst laut, was du einträgst in dein Tagebuch.
00:09:34: Barbara Messer Und in diesem Tagebucheintrag kritzele ich in ein Buch, also in so ein Tagebuch.
00:09:41: Barbara Messer Liebes Tagebuch, ich sitze hier, es ist Donnerstag, also das ist auch dieses, was wir Yes-Set nennen im NLP.
00:09:51: Barbara Messer Ich spiele das Schreiben, aber ich spreche eben laut.
00:09:54: Barbara Messer Das ist der...
00:09:58: Barbara Messer Genau, ich sitze hier.
00:09:58: David Sigos Ja.
00:10:00: Barbara Messer Das ist eine Schulung, von der ich vermute, gar nicht jeder will hier freiwillig sitzen.
00:10:05: Barbara Messer Das ist so angeordnet, weil es wohl wieder um dieses Thema geht.
00:10:09: Barbara Messer Oh Gott, die Armen, die tun mir ja leid.
00:10:10: Barbara Messer Das sind die, die geschickt worden sind.
00:10:13: Barbara Messer Also zum Beispiel bei einer Zwangsschulung signalisiere ich Verständnis für die, die geschickt worden sind.
00:10:19: Barbara Messer Zum Beispiel.
00:10:19: David Sigos Also mit dem Liebes-Tagebuch gehst du eigentlich auf die Meta-Ebene, wenn man das jetzt ein bisschen so intellektuell betrachtet.
00:10:20: Barbara Messer Ja.
00:10:25: Barbara Messer Ja.
00:10:28: David Sigos Du gehst auf die Meta-Ebene, holst die Ängste, Befürchtungen ab, machst dich nahbar, dass du auch sagst, zum Beispiel, ich weiss jetzt nicht, ob die wirklich hier sein wollen, also in diesem Sinne.
00:10:42: David Sigos Mhm.
00:10:43: Barbara Messer Ja, ich sage auch was Persönliches.
00:10:44: Barbara Messer Ich wusste gar nicht, welches Kleid ich heute Morgen anziehen sollte.
00:10:47: Barbara Messer Ich habe mich dann für dieses entschieden.
00:10:49: Barbara Messer Also dass ich meine Persönlichkeit mitbekomme, weil das schafft ja Vertrauen.
00:10:53: Barbara Messer Wenn ich jetzt zum Beispiel mir vorstelle, ich habe gestern eine Unterrichtseinheit gehabt, über einen Bekannten, nehmen wir jetzt mal Goethe oder nehmen wir mal den Schellen-Ursli.
00:11:05: Barbara Messer ich habe den Jelden Ursley oder Franz Hohler oder irgendwas vorgestellt, ich habe ein literarisches Werk vorgestellt und war vielleicht nicht so begeistert, wie ich es gerne gewesen wäre, dann könnte ich in der nachfolgenden Stunde im Tagebuch eintragen, liebes Tagebuch, ich muss an dieser Stelle mal eingestehen, dass ich gestern hätte besser sein können oder ich hätte meine Begeisterung mehr zeigen können.
00:11:25: Barbara Messer Ich habe mich nicht getraut, weil dann hätte ich mich vielleicht zu sehr gezeigt.
00:11:29: Barbara Messer Das ist wie eine offen ausgesprochene Entschuldigung zum Beispiel.
00:11:33: David Sigos Mhm.
00:11:34: Barbara Messer Damit habe ich ganz viele Möglichkeiten.
00:11:35: Barbara Messer Oder jetzt vielleicht in meinem Tagebucheintrag kann ich noch mal schreiben, wie sehr ich die Texte von Franz Hohler mag.
00:11:42: Barbara Messer Manche kann ich sogar auswendig oder, oder, oder.
00:11:45: Barbara Messer Und das sind Sachen, die sind wie um die Ecke herum ausgesprochen oder gedacht.
00:11:49: Barbara Messer Und damit berühre ich die Ebene der affektiven Lernziele.
00:11:52: Barbara Messer Damit schaffe ich Sicherheit.
00:11:54: Barbara Messer Damit lade ich auch ein, über sich nachzudenken, über das Thema.
00:11:58: Barbara Messer Es ist auch ein Ruhemoment.
00:12:01: Barbara Messer Und der eine Teil ist ja, dass ich diesen Tagebucheintrag mache von ungefähr, naja, 45 Sekunden bis eine Minute, mehr ist das nicht.
00:12:08: David Sigos Okay.
00:12:09: Barbara Messer Ja, verspielt, ein bisschen verspielt, ein bisschen ernster, wenn zum Beispiel Tagesereignisse in der Weltpolitik sind, kann ich die auch einarbeiten unter dem Motto, ich möchte so gerne die Nachrichten heute gerade draußen halten, weil...
00:12:23: Barbara Messer Ich denke, viele sind beschäftigt, also setze ich den Fokus darauf, was können wir verändern, damit wir gut durch den Tag kommen.
00:12:30: Barbara Messer Also auch so eine Botschaft zum Beispiel baue ich ein.
00:12:34: Barbara Messer Und dann kommt die zweite Ebene, dass ich sage, so jetzt seid ihr dran.
00:12:38: Barbara Messer Ihr macht jetzt bitte auch einen Tagebucheintrag.
00:12:41: Barbara Messer Ihr habt ungefähr drei Minuten Zeit.
00:12:43: Barbara Messer Dieser Eintrag bleibt aber bei euch.
00:12:44: Barbara Messer Der ist geheim.
00:12:45: Barbara Messer Das sage ich ja dann auch.
00:12:46: Barbara Messer Und dann schreiben alle.
00:12:48: Barbara Messer Dann habe ich für mich noch so kleine Zwischenschritte.
00:12:50: Barbara Messer Ich habe ja in meinen Methoden auch für mich Schritte, die ich immer wiederhole.
00:12:54: Barbara Messer Damit stabilisieren sie mich.
00:12:56: Barbara Messer Ich sage dann an der einen Stelle relativ schnell, auch bei Online-Meetings übrigens, sage ich, bitte nicht abschreiben.
00:13:02: Barbara Messer Das habe ich jetzt schon zweimal gesehen.
00:13:05: Barbara Messer Es ist absurd bei einem Online-Meeting, dass man abschreibt.
00:13:08: Barbara Messer Und das ist so ein Satz, den ich immer bringe, um mich selbst zu amüsieren.
00:13:12: Barbara Messer So, und dann sage ich am Ende, ihr könnt, genau, kommt jetzt bitte zum Ende.
00:13:17: Barbara Messer Wer noch nicht fertig ist, kann ja heute Abend weiterschreiben und dann sage ich, gibt es vielleicht jemanden, der doch vorlesen möchte, obwohl ich gesagt habe, es ist geheim und dann melden sich welche oder auch nicht.
00:13:28: Barbara Messer Und oft ist das Feedback, also jetzt bei den Erwachsenen in der Erwachsenenbildung, ich schreibe schon lange Tagebuch, ich weiß, wie gut das tut oder ja, das hat mir eben gut getan, einfach mal für mich einen Moment zu reflektieren.
00:13:41: Barbara Messer Dieses Ankommen mit der Ganzheitlichkeit des Seins in einer Unterrichtssequenz oder in einer Trainingssequenz ist auch ein Aspekt dahinter.
00:13:50: Barbara Messer Kurzer Moment der Besinnung.
00:13:53: David Sigos Wenn ich jetzt das zum allerersten Mal einsetzen möchte, dann denke ich, macht schon Sinn, wenn ich mir ein paar Gedanken vormache.
00:14:01: David Sigos Bei dir wirkt es so spontan, als würdest du eigentlich spontan beginnen, ein Liebestagebuch, und dann erzählst du einfach, was dir gerade in den Sinn kommt.
00:14:11: David Sigos Oder machst du dir irgendwie auch vor Gedanken, Notizen, irgendwas?
00:14:16: Barbara Messer Ja, ich mache mir auch Notizen, gerade bei besonderen Veranstaltungen.
00:14:19: Barbara Messer Vor kurzem hatte ich einen großen Online-Vortrag und habe auch ein liebes Tagebuch gemacht.
00:14:23: Barbara Messer Da habe ich mir auch ganz kleine Stichworte aufgeschrieben auf die Seite, wo ich dann meinen Krickel-Krackel mache.
00:14:28: Barbara Messer Ich mache ja nur so Krickel-Krackel in meinem Buch.
00:14:30: David Sigos Ja.
00:14:30: David Sigos Ja.
00:14:30: David Sigos Ja.
00:14:31: Barbara Messer Weil ich so tue, als wenn ich schreibe, da steht dann Stichwort das, das, das.
00:14:35: Barbara Messer Und die Punkte möchte ich dann auf jeden Fall ansprechen.
00:14:39: Barbara Messer Und darüber denke ich manchmal schon tagelang vorher nach.
00:14:42: Barbara Messer Dann führe ich eine Liste, liebes Tagebuch, was wollte ich unbedingt sagen oder was möchte ich dort sagen?
00:14:50: David Sigos Wendest du dich ein bisschen ab, dass du quasi so eine Privatsphäre vortäuschst?
00:14:56: David Sigos Du willst jetzt ja einen privaten Tagebucheintrag machen?
00:15:01: Barbara Messer Ja, ich bin da nicht mehr direkt präsent.
00:15:03: Barbara Messer Ich bin ein bisschen an die Seite, gucke auch ein bisschen versonnen zwischendurch in die Luft sozusagen, wenn ich nachdenke.
00:15:08: David Sigos Also nicht die Leute anschauen, das ist ja quasi noch der Trick.
00:15:11: Barbara Messer Nein.
00:15:13: Barbara Messer Genau, ich gucke sie nicht direkt an.
00:15:14: Barbara Messer Das sind ja auch genau diese unterschiedlichen Phasen und Rollenerwartungen.
00:15:18: Barbara Messer Wenn ich mit mir einen Tagebucheintrag mache, ist das was anderes, als wenn ich jetzt zum Thema hinführe.
00:15:24: Barbara Messer Dann bin ich wieder direkt im Augenkontakt oder in der Präsenz.
00:15:29: Barbara Messer Also das sind unterschiedliche Ebenen von Präsenz.
00:15:31: David Sigos Und es wirkt ja auch stärker, ich habe es bei dir so erlebt, du beginnst ja einfach, also ohne Einleitung, hey, hört jetzt mal alle bitte zu oder seid mal ruhig und dann beginnst du, das würde eigentlich diese Methode fast schon zerstören.
00:15:46: Barbara Messer Ja, ich würde selten über das sprechen, was ich mache.
00:15:50: Barbara Messer Ich würde auch meine Witze nicht erklären.
00:15:52: Barbara Messer Eventuell im Nachgang, wenn ich mit anderen Weiterbildnern zu tun habe, Lehrerpersönlichkeiten, andere Trainer, dann gibt es irgendwann später mal eine Phase, wo ich sage, jetzt würde ich gerne mal über die Methode XY sprechen.
00:16:05: Barbara Messer Gibt es Fragen, Gedanken, hier ist nochmal, wie man damit arbeiten kann.
00:16:08: Barbara Messer Aber währenddessen ich das tue, mache ich das nicht, weil dann der Zauber auch gleich weg ist.
00:16:13: David Sigos Also du beginnst, Liebes Tagebuch, dann sagst du deine Punkte und dann machst du einfach mit dem anderen Thema weiter.
00:16:14: Barbara Messer Immer wieder der Moment der Überraschung.
00:16:24: David Sigos Also das ist für dich jetzt so die Methode einfach abzuholen, dann endest du dieses Liebes Tagebuch, den Eintrag und dann machst du mit dem anderen weiter.
00:16:25: Barbara Messer Genau, dann geht es weiter mit, ich hoffe, dass jeder seine Eintrittskarte gefunden hat, die auf den Stühlen liegt, weil jetzt geht es ja ins Museum.
00:16:40: Barbara Messer Ich habe ein Museum mitgebracht, eine Abteilung.
00:16:43: Barbara Messer Heute geht es um das Thema Qualitätsmanagement.
00:16:45: Barbara Messer Deswegen freue ich mich, wenn jeder sein Ticket dabei hat.
00:16:48: Barbara Messer Es geht über, das ist dieses Dramaturgisieren.
00:16:51: Barbara Messer Also in einem, ja,
00:16:51: David Sigos Und eben, also nicht zerreden, nicht zu Tode analysieren und so, wie habt ihr das gefunden, bla bla bla, sondern einfach machen ohne Einleitung, Aufmerksamkeit bekommen und zack, dann geht es weiter nach 45, 60 Sekunden.
00:17:02: Barbara Messer Ja.
00:17:02: Barbara Messer Ja.
00:17:07: David Sigos Okay, schön.
00:17:07: David Sigos Ja.
00:17:09: Barbara Messer Ja, und wenn ich jetzt in einer Unterrichtssequenz von 45 oder 60 Minuten denke, dann gibt es schon einen Punkt, wo ich sagen würde, lass uns mal kurz zurückblicken, was waren da für Aussagen, welche Sachen sind noch offen.
00:17:22: Barbara Messer Also das Reflektieren braucht es meiner Meinung nach auch, aber nicht unmittelbar, weil dann sind wir zu schnell im Denken.
00:17:27: Barbara Messer Wenn wir über etwas sprechen, denken wir ja, ach ja, fand ich das jetzt gut oder nicht, denken auch im Sinne von bewerten.
00:17:28: David Sigos Ja, schön.
00:17:34: Barbara Messer Aber jetzt geht es ja erst mal ums Erleben.
00:17:36: Barbara Messer Ich möchte ja ins Thema einführen.
00:17:37: Barbara Messer Ich möchte immer am Thema bleiben.
00:17:41: Barbara Messer sozusagen.
00:17:48: David Sigos Du hast ja einen sehr, sehr grossen Gesundheit.
00:17:52: David Sigos Die anderen haben es nicht gesehen oder gehört.
00:17:55: David Sigos Sehr gut ausgeschaltet.
00:17:56: David Sigos Das lassen wir drin.
00:17:58: Barbara Messer Das lernen wir hier im Laufe der Zeit, glaube ich.
00:17:59: David Sigos Genau.
00:18:00: David Sigos Was hast du sonst noch in deinem grossen Rucksack der merkwürdigen Methoden?
00:18:06: David Sigos Willst du noch etwas vorstellen, präsentieren?
00:18:07: Barbara Messer Ja, ein Wesen ist, in der Merkwürdigkeit steckt ja die Würde.
00:18:12: Barbara Messer Also was kann ich tun, um dem Thema Würde zu geben?
00:18:16: Barbara Messer Und Würde heißt für mich auch, die bestmögliche Version der Präsentation zu erarbeiten.
00:18:22: Barbara Messer Eine Sache ist dabei die Sprache.
00:18:25: Barbara Messer Wie spreche ich über das Thema?
00:18:27: Barbara Messer Ist es würdevoll oder ist es abwertend?
00:18:31: Barbara Messer Ja, liebe ich das Thema, bin ich in Begeisterung zu dem Thema.
00:18:35: Barbara Messer Das andere ist das Verwenden von Material.
00:18:38: Barbara Messer Also wenn ich jetzt, ich nehme jetzt mal das Thema Demenzerkrankungen.
00:18:42: Barbara Messer Zu dem Thema habe ich sehr viele Trainings gemacht.
00:18:45: Barbara Messer Primäre und sekundäre Symptome einer Demenz, also die, die durch die Demenz oder demenzielle Erkrankung in sich kommen und Folgesymptome.
00:18:54: Barbara Messer Da habe ich eine Bodenpräsentation gemacht, wie so zwei Linien auf dem Boden.
00:18:59: Barbara Messer Auf der einen Seite liegen die primären Symptome, auf der anderen die sekundären und dann wird es Schritt für Schritt ausgelegt.
00:19:05: Barbara Messer Dann kommt eine Aussage auf einem Zettel geschrieben, zum Beispiel Zeitverwirrtheit und daneben lege ich eine Uhr.
00:19:14: David Sigos Mhm.
00:19:14: David Sigos Mhm.
00:19:15: David Sigos Mhm.
00:19:15: Barbara Messer damit Kling-Kling im Gehirn ein Link gesetzt wird.
00:19:20: Barbara Messer Ich würde jetzt auch wirklich mittlerweile sagen, ein Link gesetzt, so wie wir das in den digitalen Medien unter anderem auch tun.
00:19:27: Barbara Messer Hier ist ein Link zu der und der Seite und hier habe ich den Link, um dir das besser zu merken.
00:19:32: Barbara Messer Und darin steckt natürlich auch, welches Material wähle ich und wie fasse ich es an, wie lege ich es hin.
00:19:39: Barbara Messer Das ist der ganze Bereich, wie würdevoll gehe ich mit dem Thema und den Materialien um.
00:19:44: Barbara Messer Wie fasse ich das Papier an, wenn ich an der Tafel bin, wenn ich am Whiteboard bin, wie berühre ich die, wie stelle ich die Beziehung zu den Medien her, die ich verwende.
00:19:54: Barbara Messer Und zu den Materialien, ich denke, da entsteht sehr viel der Merkwürdigkeit, dass das alles etwas Besonderes ist, etwas Kostbares, etwas, was ich schätze.
00:20:02: Barbara Messer Also ich gehe wohl um.
00:20:04: Barbara Messer Es sei denn, ich provoziere und bin besonders schlunzig oder herablassend, wenn ich mich über etwas mokiere.
00:20:11: Barbara Messer Aber das dient dann auch der Sache wieder.
00:20:14: Barbara Messer Aber sehr große Prinzipien sind dahinter, etwas zu visualisieren und zu verankern.
00:20:21: David Sigos Ich habe es eben auch schon gesehen bei dir, du lädst gerne etwas wie auf, also du nimmst dir dann ja auch die Zeit, du ziehst ja zum Beispiel auch ganz langsam, behutsam weisse Handschuhe an, damit du dann so ein Stück zerfressenes Papier in die Hand nimmst und dann
00:20:38: Barbara Messer Ja.
00:20:41: David Sigos Ja, also du nimmst dir ganz bewusst die Zeit, lädst das, ja, mir kommt es quasi in den Sinn, ja, du lädst es quasi auf, du machst ja auch eine Spannung, baust du ja auf,
00:20:57: David Sigos Indem du dir Zeit nimmst und eben diese Würde reinbringst mit vielleicht Pausen, mit etwas anziehen, etwas in die Länge zu ziehen und dann beginnst du.
00:21:13: David Sigos Dann hast du mich ja auch schon wieder gepackt.
00:21:15: Barbara Messer Ja, aber Zeit nehmen heißt ja jetzt nicht eine halbe Stunde, sondern wenn ich die Handschuhe ziehe ich im Museum an, wenn ich auf die innere Kündigung hinweise.
00:21:18: David Sigos Ne, ne, ne, ne.
00:21:19: David Sigos Hm.
00:21:23: Barbara Messer Das ist für mich das Hauptexponat, peripher über eine innere Kündigung zu sprechen aus der Kategorie Führung.
00:21:32: Barbara Messer Dann ziehe ich die Handschuhe an, das dauert ungefähr 10 Sekunden, 15 Sekunden, aber es ist ein Moment der Stille und die Aufmerksamkeit ist auf den Handschuhen und warum ich sie anziehe.
00:21:42: David Sigos eben, ja
00:21:42: Barbara Messer Das heißt, ich mache es wieder bedeutsam.
00:21:44: Barbara Messer Dieses kleine Exponat im Museum wird nochmal besonders hervorgehoben.
00:21:49: Barbara Messer Oder auch Sätze wie, bitte jetzt nicht anfassen, bitte keine Fotos wegen des Blitzlichts oder so.
00:21:54: Barbara Messer Ich mache es ja ständig immer wieder besonders oder erzähle etwas drumherum.
00:22:00: David Sigos Ja, das meine ich ja auch.
00:22:01: Barbara Messer Ja.
00:22:01: Barbara Messer Ja.
00:22:03: David Sigos In solchen Situationen können ja zehn Sekunden wirklich lange sein.
00:22:08: David Sigos Theoretisch könntest du auch ein Blatt Papier hinlegen, das Tuch wegnehmen und dann nimmst du einfach das Blatt und liest vor.
00:22:14: Barbara Messer Das könnte ich machen, aber alleine, dass das Papier schon so, du hast eben gesagt, zerfressen.
00:22:19: Barbara Messer Es ist ja schon hunderte Male auseinandergenommen worden und wieder eingeknuddelt worden.
00:22:23: Barbara Messer Es ist ganz weich.
00:22:24: Barbara Messer Das ist ja schon wieder spannend.
00:22:26: Barbara Messer Aber ich könnte auch ein, wenn ich jetzt spontan bin, wenn ich das Museum vergessen habe, wenn mir was fehlt, dann kann ich auch zum Beispiel sagen, ich habe hier dieses Ersatzpapier, das hat mir der Hausmeister heute Morgen gegeben, weil das Original ist ja auf der Wanderausstellung in Italien.
00:22:41: Barbara Messer Also immer wieder bekommt es eine Geschichte, aufladend vielleicht mit Bedeutung und das ist aber der Hintergrund ist, diese 45 oder 60 oder 70 Minuten sind komplett durchdesignt.
00:22:43: David Sigos Im Museum meinst du jetzt?
00:22:54: Barbara Messer Es gibt keine undesignten Aspekte.
00:22:58: Barbara Messer Sondern es folgt eins nach dem anderen.
00:23:00: Barbara Messer Im Museum, der ganze Auftakt eines Workshops, einer Unterrichtseinheit, einer Präsentation folgt einer Dramaturgie, die ich baue.
00:23:08: Barbara Messer Und ganz am Ende oder zwischendurch kommt dann eine Phase, wo wir reden können oder wo Luft ist, wo wir auch entspannen können.
00:23:15: Barbara Messer Aber im Museum gibt es ja zum Beispiel Phase 1 und 2.
00:23:18: Barbara Messer Die erste Phase ist, wo ich etwas präsentiere und vorstelle.
00:23:20: Barbara Messer Und wenn Zeit ist, wenn das planbar ist, wenn das in das Setting passt, gibt es eine zweite, wo die teilnehmenden Exponate erarbeiten.
00:23:28: Barbara Messer Das ist zum Beispiel legerer.
00:23:30: Barbara Messer Das ist nicht so fokussiert.
00:23:31: Barbara Messer Das ist dann mal eine Entspanntheit.
00:23:33: Barbara Messer Dann sage ich, ihr habt jetzt fünf Minuten Zeit.
00:23:35: Barbara Messer Geht bitte zu dritt zusammen und erarbeitet zwei Exponate zum Thema Selbstführung.
00:23:41: Barbara Messer So und sofort fangen alle an, aber dann sind sie auch schon vertraut, dann agieren sie miteinander, setzen sich mit dem Thema auseinander.
00:23:41: David Sigos Mhm.
00:23:41: David Sigos Mhm.
00:23:42: David Sigos Mhm.
00:23:47: Barbara Messer Das ist zum Beispiel ein Moment, wo ich mich entspannen kann, lockerlassen kann nach 20 Minuten.
00:23:52: Barbara Messer Das ist wie ein Theaterstück.
00:23:54: Barbara Messer Letztendlich ist es wie ein Theaterstück, in dem wir sehr durchlässig sind, sehr nahbar.
00:23:59: Barbara Messer Und diese Aufmerksamkeit braucht es meiner Meinung nach auch.
00:24:03: David Sigos Ja, die Würde.
00:24:05: David Sigos Ich komme nochmals darauf zurück.
00:24:08: David Sigos Wie spreche ich über ein Thema?
00:24:11: David Sigos Ich erlebe dich sehr differenziert.
00:24:14: David Sigos Kannst du noch ein bisschen sagen oder Beispiele geben?
00:24:17: David Sigos Das wäre jetzt eben sehr würdevoll oder das wäre jetzt schon an der Grenze oder vielleicht darüber, was jetzt nicht mehr würdevoll oder mit Würde zu tun hat.
00:24:29: David Sigos Weisst du, was ich meine?
00:24:30: Barbara Messer Ja, ich würdige, glaube ich, auch die sinnlichen Eindrücke.
00:24:35: Barbara Messer Vor kurzem war ich zum Beispiel in einem Vortrag von einem Menschen, der ein Handicap hat.
00:24:41: Barbara Messer Der hat eine Gesichtsveränderung, was ihn schon als Schulkind natürlich auf dem Schulhof viele unangenehme Situationen beschert hat.
00:24:48: Barbara Messer Er könnte nun darüber reden, ja, das war schon auf dem Schulhof.
00:24:51: Barbara Messer Oder er macht einen Moment, hält inne und sagt,
00:24:55: Barbara Messer Jeden Tag war das eigentlich wieder.
00:24:57: Barbara Messer Und ich wusste manchmal gar nicht, wohin mit meinen Händen.
00:25:01: Barbara Messer Ich ging auf den Schulhof, es war Pause und ich wusste, sie glotzen mich alle wieder an.
00:25:06: Barbara Messer Vorher hatte ich noch geübt, wie ich geschickt kontern konnte, aber in dem Moment wäre ich am liebsten vom Boden versunken.
00:25:12: Barbara Messer Sowas in der Art.
00:25:13: Barbara Messer Also wie ist zum Beispiel eine Situation im Erleben?
00:25:16: Barbara Messer Dann schildere ich das Erleben.
00:25:18: Barbara Messer Ja.
00:25:19: Barbara Messer Ich schildere die Begeisterung.
00:25:21: Barbara Messer Jetzt hatte ich ein Coaching von jemandem aus der Automobilbranche, der das Briefing mit den Lieferanten eine Präsentation hält.
00:25:30: Barbara Messer Also wie kann man Lieferanten in der Automobilbranche bestmöglich briefen, damit weniger Fehler entstehen und ähnliches.
00:25:36: Barbara Messer Da präsentiert er etwas.
00:25:38: Barbara Messer Die Frage ist dann zum Beispiel, wie zeigt er seine Begeisterung?
00:25:41: Barbara Messer Warum ist das Thema bei ihm?
00:25:43: Barbara Messer Warum liebe ich das Thema Zulassung?
00:25:45: Barbara Messer Validation, Demenz, Pflegeplanung, Qualitätsmanagement.
00:25:49: Barbara Messer Also ich bringe meine Leidenschaft auch rein, die Passion.
00:25:51: David Sigos Mhm.
00:25:52: Barbara Messer Da sind wir wieder bei dem Feuer.
00:25:53: Barbara Messer Also ich entfachte mein eigenes Feuer zu diesem Thema und damit gebe ich mir Würde und mache es wertvoll und besonders.
00:25:59: Barbara Messer Und die Sprache ist, wie ich darüber rede, welche Beziehung ich auch habe.
00:26:04: Barbara Messer Aber wenn ich sage, ja, das ist ein schwieriges Thema oder mit diesem Buch hatte ich immer schon Schwierigkeiten oder mit dieser Gleichung, ja, dann lade ich ja ein, dass es schwierig ist.
00:26:13: Barbara Messer Oder ich sage, es ist mir früher schwer gefallen und dann habe ich Folgendes erlebt.
00:26:18: Barbara Messer Dann habe ich verstanden, wie wichtig es ist und erzähle ich vielleicht kurz die Geschichte dazu.
00:26:23: Barbara Messer Das ist für mich so die Impulsgeschichte, die Lehrgeschichte, der Mind Opener.
00:26:28: Barbara Messer Der Mind-Opener ist auch die Suche danach, besondere Momente zu schaffen, dass die Menschen merken, oh, das ist ja total spannend.
00:26:35: Barbara Messer Das wusste ich gar nicht.
00:26:36: Barbara Messer Ich wusste gar nicht, dass dieses Thema so interessant ist, weil es gibt kein Thema, was langweilig ist.
00:26:43: Barbara Messer Das ist meine Kernaufgabe als pädagogisch denkender Mensch.
00:26:47: Barbara Messer Was ist der interessante Zugang zu diesem Thema?
00:26:52: Barbara Messer Ich interessiere mich selbst dafür.
00:26:52: David Sigos Zugang auch Verknüpfung zum Alltag, so in diesem Sinne.
00:26:53: Barbara Messer Hm?
00:26:56: David Sigos Zugang auch so zum Alltag, nehme ich mal an.
00:26:59: David Sigos Also wie ist die Verbindung zum Alltag?
00:27:04: Barbara Messer Ja, letztendlich, wenn ich an Schule denke, warum brauche ich das?
00:27:07: Barbara Messer Warum sollte ich mich damit beschäftigen?
00:27:09: David Sigos Genau.
00:27:09: Barbara Messer Der Alltag der Kinder, nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.
00:27:13: Barbara Messer Also was haben Sie davon in Ihrem Leben, wenn Sie sich damit auseinandersetzen?
00:27:17: Barbara Messer Da kann ich ja wieder nur mit bestem Beispiel vorangehen und ein Stück weit schildern, warum ich das so mag oder was es mir gebracht hat.
00:27:24: Barbara Messer Wie wertvoll es ist, dass ich mein Englisch dann doch optimiere, was ich da denn alles erfahren habe.
00:27:30: David Sigos Lass uns mal versuchen, so ganz spontan einen ganz würdevollen Abschluss von dieser Folge zu machen.
00:27:36: Barbara Messer Ja.
00:27:40: Barbara Messer Wir wollen das spontan machen, wir haben es ja nicht abgesprochen.
00:27:43: David Sigos Nee?
00:27:46: Barbara Messer Also, was wäre denn jetzt ein würdevoller Abschluss?
00:27:49: Barbara Messer Das wäre für mich unter anderem, dir mitzuteilen, wie sehr ich das mag, was wir tun.
00:27:54: Barbara Messer Dass ich mich immer auf diesen Dienstagmorgen freue.
00:27:57: Barbara Messer Ich stehe sowieso gerne früh auf, aber zu wissen, ich habe mit dir diese Stunde, das macht meinen Tag schöner.
00:28:06: Barbara Messer Ich mag es auch gerne anhören, was wir sprechen und schätze unsere Gespräche, die ja irgendwie immer mehr tiefer gehen.
00:28:13: Barbara Messer Auch, dass wir uns darüber mehr kennenlernen oder die kleinen Momente, wie du gemerkt hast, dass ich eben das Mikro ausgemacht habe, weil ich, glaube ich, geräuspert oder gehustet habe.
00:28:24: Barbara Messer Das sind für mich auch würdevolle Momente.
00:28:26: Barbara Messer Das hast du sogar geteilt.
00:28:32: David Sigos Okay, positives Erleben und ja, so zusammenfassen.
00:28:39: David Sigos Ja, danke vielmals, dass ich eben quasi einen Einblick haben durfte.
00:28:43: David Sigos Diese Folge war jetzt mehr eben zu deinen merkwürdigen Methoden.
00:28:49: David Sigos Das finde ich super, dass wir das so machen können.
00:28:54: Barbara Messer Also ich hätte jetzt noch...
00:28:54: David Sigos Ich lerne auch sehr gerne von dir.
00:28:57: David Sigos Das finde ich auch ganz interessant.
00:28:59: David Sigos Das könnte man wirklich auch nochmals vertiefen, dieses lebenslange Lernen.
00:29:03: David Sigos Das ist schon für mich ein zentrales Thema.
00:29:06: Barbara Messer Und wenn ich mir vorstelle, ich biete jetzt unseren Hörenden noch einen Abschlussmoment, dann könnte ich jetzt sagen oder erzählen, das würde ich jetzt ins Tagebuch schreiben.
00:29:15: Barbara Messer Liebes Tagebuch, ich habe festgestellt, dass ich heute Morgen ein T-Shirt angezogen habe, was ich schon so lange habe, weil ich es auch so mag.
00:29:22: Barbara Messer Und hier vorne am Ärmel ist so ein klitzekleines Loch.
00:29:25: Barbara Messer Und im Laufe dieser 30 Minuten oder 29 ist dieses Loch immer größer geworden, weil ich geguckt habe,
00:29:31: Barbara Messer ob der Zeigefinger da jetzt langsam reinpasst.
00:29:33: Barbara Messer Und das erinnert mich daran, wie wir relativ schlicht aufgewachsen sind und mit Wäsche sehr vorsichtig waren.
00:29:40: Barbara Messer Und wir hatten sehr durchgelegene Bettlaken zu Hause.
00:29:43: Barbara Messer Und dann hatte ich einmal so ein ganz kleines Loch in meinem Bettlaken.
00:29:46: Barbara Messer Und im Laufe der Nacht habe ich das aufgerissen und wie in einem Schlafsack da drin gelegen und wusste nicht, wie ich das meiner Mutter am nächsten Tag beichten sollte.
00:29:55: David Sigos Sehr schön.
00:29:55: Barbara Messer So, jetzt habe ich noch mal eine Geschichte an das Ende gesetzt und ich möchte anregen, über diese kleinen Anekdoten und Geschichten mal nachzudenken, weil die haben wir überall und die setzen so kleine Erinnerungspunkte.
00:29:55: David Sigos Herzlichen Dank, liebe Barbara.
00:30:07: Barbara Messer Ich mache dann ein Foto von dem T-Shirt auf den sozialen Medien und lade zu dieser Folge ein.
00:30:11: Barbara Messer Dir auch, David.
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